
New YorkVor 16 Jahren, als ein kalifornischer Computerbauer namens Apple ums Überleben kämpfte, war Michael Dell mit einem inzwischen legendären Rat zur Stelle. Er würde den Laden schließen, sagte der Gründer des gleichnamigen PC-Herstellers, „ und den Aktionären das Geld zurückgeben“. Damals war gerade Steve Jobs zurückgekehrt, um seine Firma Apple zu retten.
Es sollte nicht Dells einziger Irrtum gewesen sein. Während Jobs bekanntlich einen der erfolgreichsten und wertvollsten Konzerne der Welt formte, ging es bei Michael Dell angesichts der schrumpfenden PC-Markts in die entgegengesetzte Richtung: Er musste mitansehen, wie sein Unternehmen kontinuierlich niederging, selbst nach seiner Rückkehr als Firmenchef im Jahr 2007.
Nun ist es ausgerechnet Dell, der Ähnliches schaffen will wie seinerzeit Jobs bei Apple: Seine Firma höchstpersönlich umzubauen und in die Zukunft zu führen.
Michael Dell gründet seine erste Firma 1984 – da ist er gerade 19 Jahre alt und bereitet sich auf ein Medizinstudium in Austin im US-Bundesstaat Texas vor. PC's Limited baut Computer zusammen, die die Kunden – Firmen und Bastler – selbst konfigurieren können. Nach einem Jahr bricht der Jungunternehmer die Uni ab und macht sich mit einem Zuschuss der Familie selbständig.
1985 gestaltet die Firma ihren ersten eigenen Computer, den Turbo PC. Er hat einen acht Megahertz schnellen Intel-Prozessor und eine Zehn-Megabyte-Festplatte an Bord, außerdem ein Floppy-Laufwerk für 5,25-Zoll-Disketten. Michael Dell verkauft die Geräte direkt an die Nutzer – in Fachmagazinen wirbt er mit niedrigen Preisen. Bestellt wird per Telefon.
Der Direktverkauf zieht dank niedriger Preise viele Kunden an – die Firma wächst rasant und geht bereits 1988 unter dem Namen Dell Computer an die Börse. Sie sammelt 30 Millionen Dollar ein und wird mit 85 Millionen Dollar bewertet.
Das erste Laptop der Firma Dell kommt 1989 auf den Markt: Das 316LT wiegt rund 6,8 Kilogramm. Bei den bald sehr populären mobilen Rechnern setzen allerdings zunächst andere Hersteller die Trends.
Als eines der ersten Unternehmen nutzt Dell die Möglichkeiten des World Wide Web, bereits 1996 geht die Website dell.com online. Schon bald macht die Firma damit ordentliche Umsätze.
Anfang des Jahrtausends macht Dell alles richtig: Die Lieferkette ist schlank, der Vertrieb effizient. Im Jahr 2000 ist Dell der größte PC-Hersteller der Welt. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass die Konkurrenz dazulernt.
2004 zieht sich Michael Dell aus dem operativen Geschäft der Firma zurück. Den Chefposten übernimmt Kevin Rollins. Er hat allerdings wenig Glück: Die Resultate enttäuschen. 2007 muss er gehen – und Gründer Michael Dell kehrt an die Spitze zurück.
Der neue alte Chef versucht, attraktive Geräte für Verbraucher zu entwickeln. Zudem verkauft Dell seine Rechner nun auch im Einzelhandel – allerdings zulasten der Marge. Im Wettbewerb mit Hewlett-Packard, Apple und etlichen asiatischen Anbietern verliert Dell allerdings immer mehr an Boden. Den Trend zu Smartphones und Tablets verschläft Dell fast komplett.
Um sich breiter aufzustellen, kauft Dell mehrere Anbieter von IT-Dienstleistungen. So übernimmt der Konzern 2009 Perot Systems für 3,9 Milliarden Dollar.
Anders als Jobs will Dell dies in Ruhe angehen, ohne Druck von Analysten und Aktionären: Wie am Dienstag bekannt gegeben wurde, will der Gründer dafür den weltweit immer noch drittgrößten Computerbauer von der Börse nehmen. „Ich bin der Überzeugung, dass durch diese Transaktion ein neues, aufregendes Kapitel für Dell, unsere Kunden und Teammitglieder beginnen wird“, sagte der Firmengründer in einer Mitteilung.
Der 24,4 Milliarden Dollar schwere Rückkauf, der größte seiner Art seit der Finanzkrise, soll mit Hilfe des Software-Herstellers Microsoft und des Finanzinvestors Silver Lake gestemmt werden. Den Aktionären will das Konsortium 13,65 Dollar pro Aktie bieten. Sowohl Michael Dell, der bereits 14 Prozent hält, seine Investmentfirma MSD Capital und die Partner würden Bargeld aufbringen, hieß es. Hinzu kämen Kredite von vier Banken. Der Deal soll bis Ende Juli abgeschlossen sein, Anteilseigner und Wettbewerbshüter müssen allerdings noch zustimmen.
Es ist die große Chance für den 47-jährigen Dell, sein Lebenswerk zu retten. Im Umfeld des Firmengründers heißt es, er sorge sich zunehmend um sein Vermächtnis. Der milliardenschwere Rückkauf mit all seinen Risiken sei ihm ein persönliches Anliegen: „Es ist ganz einfach – sein Name steht an der Tür“, sagte ein ehemaliger Spitzenmanager dem „Wall Street Journal“.

Das Tor was Apple mit dem iPad aufgeschlagen hat wird nicht mehr zu schließen sein. Dell war ein "Konfigurierer", kein Erfinder. Ob er mit einem eigenen(!) Produkt in den Markt gehen kann, ist zu bezweifeln. Microsofts Unterstützung ist sicher kein gutes Zeichen für einen Neuanfang. Der private PC Markt ist tot. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis eine neue Generation von Softwareentwicklern und Büro-Anwendern die PC Software sterben lassen und so auch der "Desktop Windows PC" aus den Büros verschwindet. Treiberprobleme? Securitysoftware? Kompatibiltät? Gerätemanager? Adminrechte? "leck mich doch am Arsch mit dem Zeug" schreit die neue Generation und tippelt glückseelig auf dem iPad herum. Und mittlerweile merke ich: Sie haben nicht nur Recht, sie haben auch die Macht.
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