Dell-Rückzug: Goodbye, Wall Street!

Dell-Rückzug
Goodbye, Wall Street!

Als er die Führung seines Unternehmens abgab, galt Michael Dell als König der Computerhändler. Doch dann begann der Abstieg. Jetzt kämpft der Gründer um sein Lebenswerk - und will das Unternehmen von der Börse nehmen.
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New YorkVor 16 Jahren, als ein kalifornischer Computerbauer namens Apple ums Überleben kämpfte, war Michael Dell mit einem inzwischen legendären Rat zur Stelle. Er würde den Laden schließen, sagte der Gründer des gleichnamigen PC-Herstellers, „ und den Aktionären das Geld zurückgeben“. Damals war gerade Steve Jobs zurückgekehrt, um seine Firma Apple zu retten.

Es sollte nicht Dells einziger Irrtum gewesen sein. Während Jobs bekanntlich einen der erfolgreichsten und wertvollsten Konzerne der Welt formte, ging es bei Michael Dell angesichts der schrumpfenden PC-Markts in die entgegengesetzte Richtung: Er musste mitansehen, wie sein Unternehmen kontinuierlich niederging, selbst nach seiner Rückkehr als Firmenchef im Jahr 2007.

Nun ist es ausgerechnet Dell, der Ähnliches schaffen will wie seinerzeit Jobs bei Apple: Seine Firma höchstpersönlich umzubauen und in die Zukunft zu führen.

Anders als Jobs will Dell dies in Ruhe angehen, ohne Druck von Analysten und Aktionären: Wie am Dienstag bekannt gegeben wurde, will der Gründer dafür den weltweit immer noch drittgrößten Computerbauer von der Börse nehmen. „Ich bin der Überzeugung, dass durch diese Transaktion ein neues, aufregendes Kapitel für Dell, unsere Kunden und Teammitglieder beginnen wird“, sagte der Firmengründer in einer Mitteilung.

Der 24,4 Milliarden Dollar schwere Rückkauf, der größte seiner Art seit der Finanzkrise, soll mit Hilfe des Software-Herstellers Microsoft und des Finanzinvestors Silver Lake gestemmt werden. Den Aktionären will das Konsortium 13,65 Dollar pro Aktie bieten. Sowohl Michael Dell, der bereits 14 Prozent hält, seine Investmentfirma MSD Capital und die Partner würden Bargeld aufbringen, hieß es. Hinzu kämen Kredite von vier Banken. Der Deal soll bis Ende Juli abgeschlossen sein, Anteilseigner und Wettbewerbshüter müssen allerdings noch zustimmen.

Es ist die große Chance für den 47-jährigen Dell, sein Lebenswerk zu retten. Im Umfeld des Firmengründers heißt es, er sorge sich zunehmend um sein Vermächtnis. Der milliardenschwere Rückkauf mit all seinen Risiken sei ihm ein persönliches Anliegen: „Es ist ganz einfach – sein Name steht an der Tür“, sagte ein ehemaliger Spitzenmanager dem „Wall Street Journal“.

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  • Das Tor was Apple mit dem iPad aufgeschlagen hat wird nicht mehr zu schließen sein. Dell war ein "Konfigurierer", kein Erfinder. Ob er mit einem eigenen(!) Produkt in den Markt gehen kann, ist zu bezweifeln. Microsofts Unterstützung ist sicher kein gutes Zeichen für einen Neuanfang. Der private PC Markt ist tot. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis eine neue Generation von Softwareentwicklern und Büro-Anwendern die PC Software sterben lassen und so auch der "Desktop Windows PC" aus den Büros verschwindet. Treiberprobleme? Securitysoftware? Kompatibiltät? Gerätemanager? Adminrechte? "leck mich doch am Arsch mit dem Zeug" schreit die neue Generation und tippelt glückseelig auf dem iPad herum. Und mittlerweile merke ich: Sie haben nicht nur Recht, sie haben auch die Macht.

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