Dell übernimmt EMC
Schneller in die falsche Richtung

Dell und EMC? Man muss kein IT-Experte sein, um zu sehen: Diese Fusion löst keines der Probleme, vor denen die Unternehmen jeweils stehen. Am Aktienmarkt zeichnen sich mögliche Folgen bereits ab.

San FranciscoDer größte Speicher-Hersteller verbindet sich mit dem zweitgrößten Server-Hersteller, um das größte Tech-Unternehmen in Privatbesitz zu gründen. Ein Volumen von 67 Milliarden Dollar macht die Fusion von Dell und EMC zur größten Übernahme in der Technologiebranche, und das bedeutet - schlicht gar nichts.

Auf der einen Seite steht Dell, der Computer-Hersteller auf dem Abstellgleis, auf der anderen Seite steht EMC, ein Speicher-Unternehmen, dessen Produkte vor fünfzehn Jahren einmal Stand der Technik waren. Die beiden alten Riesen kuscheln sich nun im Orkan der sich ändernden Märkte aneinander, um sich zu wärmen - mittels einer mit einer Schuldenorgie finanzierten Übernahme.

Man muss kein IT-Experte sein, um zu sehen, dass diese Fusion keines der Probleme löst, vor denen beide Unternehmen stehen. Der PC-Markt rutscht von Jahr zu Jahr weiter ab, und damit auch Dell.

Michael Dell träumt deshalb von einer Neuausrichtung als „mobile cloud“-Unternehmen. Doch seit Dell nicht mehr an der Börse notiert ist, lassen sich die Fortschritte kaum mehr nachvollziehen, die vielleicht gemacht worden sind, um das Unternehmen in neue Geschäftsfelder zu bringen. Und das ist so gewollt.

Auch EMC flieht von der Börse, um den bohrenden Fragen nervender Aktionäre nach der Zukunft zu entgehen. Die Aktie, die zur Höhe des Dotcom-Booms 100 Dollar gekostet hat, verabschiedet sich nur für 30 Dollar.

EMC ist mit einem einfachen Modell angetreten: Daten anderer Leute auf dicken Rechnern speichern. Das sah gut aus damals, als die „Cloud“, das Computern und Datenspeichern im Internet, noch eine wolkige Versprechung war.

Heute läuft es mit der EMC-Idee nicht mehr so gut. Erst vergangene Woche erklärten Banken wie Capital One auf Amazons Cloudmesse in Las Vegas, von einst acht Datencentern würden 2018 nur noch drei übrigbleiben.

Deshalb versucht sich EMC nun an einem komplexen und komplizierten Angebot von Cloud-Technologien. Das fängt an mit der Tochter VMWare und geht bis zur Neuakquisition Virtustream im Juli für 1,2 Milliarden Dollar.

So wie etwa HP oder Oracle kauft sich EMC derzeit hastig eine Expertise zusammen, um so schnell wie möglich in das Rennen einzusteigen, das heute von Microsoft und Amazon beherrscht wird. In diesem Licht erscheint die Monsterfusion von Dell und EMC als Zusammenschluss, der mit einem klaren Fokus auf Hardware den Problemen einer Welt begegnen will, die sich der Software zugewandt hat.

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