Immer mehr Kunden entscheiden sich für Apple statt für Vista-Rechner, trotz höherer Preise. Dies machen sie gewiss nicht, weil sie den Argumenten von Frau Kroes folgen. Man sollte fair bleiben: Apple agiert wie Microsoft. Die Apple-Systeme sind gegenüber dem Wettbewerb nicht minder abgeschottet wie die von Microsoft. Und wie die Redmonder verkauft auch die Apfelmarke ihre Rechner mit vorinstalliertem Media-Player.
Aber Apple kann punkten: beim Design und bei der Bedienung. Das kommt an. Die längst etablierte und bei der Nutzerfreundlichkeit verwöhnte iPod-Generation, sie ist für Microsoft eine schwer zu befriedigende Klientel.
Denn der Konzern steckt in einem Dilemma. Auf der einen Seite schiebt er mächtige Altlasten vor sich her. Auch Programme, die für frühere Betriebssysteme geschrieben wurden, sollen von den neueren Versionen beherrscht werden können. Was auf den ersten Blick nach Investitionsschutz und echter Kundenorientierung aussieht, hat sich längst zum Bremsklotz für Innovationen entwickelt. Noch so pfiffige Programmierer stoßen angesichts der garantierten „Abwärtskompatibilität“ an ihre Grenzen.
Auf der anderen Seite muss Microsoft gerade wegen der weiten Verbreitung seiner Betriebssysteme Rücksicht auf eine Unmenge von Zulieferern nehmen, die Druckern, Grafikkarten oder Software liefern. Das macht das System noch komplexer. Es ist paradox: Das, was den europäischen Kartellhütern ein Dorn im Auge ist, ist zugleich die größte Bedrohung des Konzerns.
Wie heißt jene leicht abgewandelte Redewendung aus der Zeit der französischen Revolution doch gleich? Der Erfolg frisst seine Eltern.

