Der Eurofighter gerät beim Prestigeauftrag in Singapur in Bedrängnis
Poker auf Asiatisch

Die laufende Ausschreibung Singapurs für neue Kampfjets gilt in der Rüstungsbranche als Wettbewerb mit hohem Prestigewert. Die Konstrukteure des Eurofighters sind bei dem anspruchsvollgen Projekt aus dem Rennen: Das Verteidigungsministerium erteilte ihnen vergangene Woche eine Absage.

DÜSSELDORF. Klein aber fein – Singapur nimmt es nicht nur mit der Sauberkeit der Bürgersteige sehr genau: Der asiatische Stadtstaat gilt ebenfalls als anspruchsvoll, wenn es um den Kauf von Waffen geht. Die laufende Ausschreibung für neue Kampfjets gilt in der Rüstungsbranche als Wettbewerb mit hohem Prestigewert. Um so ärgerlicher für die Konstrukteure des Eurofighters, dass vergangene Woche eine dürre E-Mail des singapurischen Verteidigungsministeriums bekannt gab, dass die teuerste, jemals gebaute europäische Kampfmaschine aus dem Rennen sei.

Den Schlussspurt um den rund eine Milliarde Dollar teuren Auftrag absolvieren nun Boeing mit seiner F-15 und der französische Hersteller Dassault mit der Rafale. Dem „Typhoon“ – wie der Eurofighter fesch im internationalen Marketing heißt – wäre ein wichtiger Referenzauftrag durch die Lappen gegangen.

Wäre? Über den Auftrag hat sich der für Rüstungsgeschäfte charakteristische Nebel aus hoher Politik, Gegengeschäften und trickreicher Desinformation gelegt. BAE Systems, als britischer Part im Eurofighter-Konsortium für die Vermarktung des Jets in Asien zuständig, „wägt die Möglichkeiten ab“, lässt sich einer ebenfalls dürren E-Mail entnehmen. Die britische Presse spekuliert über ein neues Angebot. „No comment“ aus London – dafür dampft die Gerüchteküche wie eine heiße Wan-Tan-Suppe.

Die Rüstungsauguren verweisen auf eine Reihe von Ungereimtheiten: So sei die „News“ über Probleme des Typhoon in Singapur zuerst von einer französischen Nachrichtenagentur gemeldet worden. Dann nahm sich der Branchendienst Jane’s der Sache an und erst Tage später erfolgte die offizielle Reaktion des singapurischen Verteidigungsministeriums.

Hätte die Firma Dassault, die für ihre teure Eigenentwicklung Rafale noch keinen einzigen internationalen Referenzkunden gefunden hat, nicht ein Interesse, dem europäischen Rivalen eins auszuwischen? Eine kleine Indiskretion, die dann zur Steilvorlage für den Kunden wird, um finanzielle Nachbesserungen durchzusetzen?

Der Preisdruck auf die Europäer dürfte groß sein, schätzt der britische Rüstungsexperte Francis Tusa. Zumal der starke Euro dies noch unterstützt. Hinzu kommt: Auch Boeing braucht den Auftrag in Asien, um die Fertigungsstraße für seine F-15 am Laufen zu halten. Das Programm geht nämlich seinem Ende entgegen. Immerhin: Beim 4,5 Mrd. Dollar schweren Kampfjet-Wettbewerb in Südkorea konnte die F-15 Typhoon und Rafale ausstechen – obwohl, so berichten Branchenkreise, die Rafale den technischen Kriterien der Ausschreibung gemäß gewonnen hätte. Damals erhoben die Europäer eine laute Klage über die unlauteren Geschäftsmethoden der Amerikaner. Dabei räumen Vertreter des Eurofighter-Konsortiums aus BAE Systems, EADS und Finmeccanica hinter vorgehaltener Hand Fehler ein.

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