Der IT-Konzern fordert künftig Intel und Microsoft heraus
Sun tritt die Flucht nach vorne an

Scott McNealy, Mitgründer und Vorstandschef des US-Konzerns Sun Microsystems, tritt die Flucht nach vorne an. Statt einer von Analysten wegen rückläufiger Umsätze geforderten Konzentration und weiteren Massenentlassungen will der Computerkonzern zusammen mit dem Chiphersteller AMD offensichtlich das Duopol des Chipherstellers Intel und Microsoft frontal angreifen.

jkn/tnt BERLIN. Nach der jüngst vereinbarten Kooperation mit AMD kündigte Sun-Chef McNealy gestern auf der Kundenmesse Sun Network in Berlin an, den auf Intel setzenden Konkurrenten wie Dell und Hewlett-Packard mit Billigpreisen im unteren Marktsegment Konkurrenz zu machen.

Bislang galt Sun vor allen Dingen als Anbieter großer Netzwerkrechner. Doch das Geschäft mit „Low-end-Servern“ scheint sich rechnen. „Wir wachsen in diesem Bereich zweistellig und damit stärker als alle Konkurrenten“, sagte McNealy vor rund 6000 Kunden.

Erstmals findet die Sun-Hausmesse nicht San Francisco sondern in Europa statt. „Wir sind von dem Besucherandrang in Berlin selbst überrascht“, sagte McNealy im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das große Interesse zeige, dass die zuletzt aus Analystenkreisen massiv geäußerte Kritik an der Strategie von Sun nicht berechtigt sei. In Deutschland konnte Sun im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern zulegen.

Sun kämpft seit zwei Jahren mit drastischen Umsatzrückgängen. Seit 2001 ist der Umsatz von 18,2 Mrd. $ auf 11,4 Mrd. $ in 2003 (zum 30.Juni) gesunken. Der Kurs der Sun-Aktie stürzte von Höchstständen um 70 Euro auf rund 3,50 Euro ab. Angesichts dessen hatte die Investmentbank Merrill Lynch in einem offenen Brief sogar die Ablösung von McNealy gefordert. Den Analysten spricht der Sun-Chef jedoch das notwendige Wissen ab, die Sun-Strategie richtig beurteilen zu können. „Es sind oft Leute, die noch nie in ihrem Leben selbst ein Computersystem installiert haben. Was für mich zählt, ist die Meinung unserer Kunden und die Einschätzung unserer Technologen.“

McNealy setzt auf agressive Verteidigung

Dass McNealy seine geschwächte Marktposition künftig aggressiv verteidigen will, dokumentiert Sun mit weiterhin ungebrochenen Milliardeninvestitionen in Forschung und Entwicklung . Alleine die in Berlin vorgestellten Produktneuerungen kosteten rund eine halbe Milliarde Dollar.

Ein wichtiger Pfeiler von McNealys Strategie ist die Kooperation mit AMD. Künftig sollen die günstigeren Sun-Server mit den von AMD gefertigten 64-bit-Opteron-Prozessoren ausgestattet werden.

Experten begrüßen die neue Partnerschaft. Marktforscher von IDC bescheinigen dem Opteron Vorteile gegenüber seinem Pendant von Intel (Itanium), weil der AMD-Chip auch die noch weitverbreiteten 32- bit-Programme verarbeiten kann. „Die Kooperation mit Sun ist sehr wichtig. Mit der 64-bit-Technologie haben wir die Chance, bestehende Marktstrukturen aufzureißen“, sagte AMD-Chef Hector Ruiz im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Zudem will Sun künftig komplette Lösungen, bestehend aus Hardware, Systemsoftware bis hin zu Office-Anwendungen anbieten. So ist vor wenigen Wochen die Software-Offensive mit den Paketen „Java Enterprise System“ und „Java Desktop System“ angelaufen. Auch eine Verstärkung über Zukäufe schließt Sun nicht aus, dessen Kasse mit 5,7 Mrd. $ gefüllt ist. Hinweise, wonach Sun an dem vom US-Konzern Novell gekauften Linux-Distributor Suse interessiert war, wollte McNeily nicht kommentieren.

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