Der Jubel über die Strategie des US-Softwarekonzerns hält sich in Grenzen
Oracles riskante Einkaufstour

Der US-Softwarekonzern Oracle will sich einen weiteren Konkurrenten einverleiben. Profitlogic, ein kleinerer Anbieter von speziellen Steuerungsprogrammen für Einzelhandelsfirmen, wäre nach Retek die zweite Oracle-Akquisition in diesem Jahr. Analysten schätzen den Kaufpreis auf 110 bis 160 Millionen Dollar und applaudieren dem Deal, der die Softwareprogramme von Retek ergänzt und Oracles Angebot an Anwendungen für Datenbank-Kunden sinnvoll erweitert.

Unklar ist indessen noch, ob sich Oracles bisher größter Zukauf, die 10,6 Milliarden Dollar teure Übernahme von Peoplesoft nach 18 Monaten erbittertem Kleinkrieg gelohnt hat. Zwar beteuert die Oracle-Führung, Peoplesoft sei „voll integriert“ und habe zu „phantastischen Ergebnissen“ beigetragen. Aber die nackten Zahlen sehen nüchterner aus.

Der Umsatz für das vierte Quartal des Oracle-Geschäftsjahres, das Ende Mai ablief, entsprach mit 3,9 Milliarden Dollar den Erwartungen, der Nettogewinn lag mit 1,02 Milliarden leicht darüber. Positiv überraschte die Zunahme des Neugeschäftes mit Anwendungs-Lizenzen, das die frühere Peoplesoft einschließt, um gut die Hälfte auf 350 Millionen Dollar. Aber das vierte Quartal ist traditionell das umsatzstärkste, außerdem sind die kombinierten Lizenzerlöse geringer als die der beiden separaten Firmen vor einem Jahr. Datenbank-Software ist immer noch das Geschäft, in dem Weltmarktführer Oracle den Most holt. Insgesamt nahmen die Erlöse um ein Viertel zu, aber die Betriebskosten kletterten um 48 Prozent und damit fast doppelt so schnell.

Die Börse bleibt trotz flotter Sprüche von Oracle-Chef Larry Ellison vorsichtig. Der Kurs hängt weiter – wie schon seit drei Jahren – im Korridor zwischen 10 und 14 Dollar fest. Analysten warten ab, was die nächsten Quartale bringen.

Trotz der Übernahmen ist Oracle vom erklärten Ziel, Marktführer SAP bei Anwendungsprogrammen zu überholen, noch weit entfernt. In Europa gewinnt SAP weiter Anteile und in Nordamerika halten die Walldorfer gut mit. Ihre Netweaver-Software zur Integration vieler verschiedener Programme hat bereits zahlreiche Fans im Markt. Die „Fusion“-Software, mit der Oracle seine Datenbank- und Anwendungsprogramme integrieren will, ist dagegen frühestens 2007 fertig.

Während SAP im Software-Geschäft mit Großkonzernen bislang keinen Boden abgibt, drängt Microsoft mit einem wachsenden Softwareangebot für kleine und mittlere Firmen in den Markt. Weil das den Raum für organisches Wachstum einengt, ist Oracles Weg in die Zukunft mit Übernahmen gepflastert. An Mitteln dafür mangelt es nicht.

Aber es bleibt die Frage, wie viele notorisch schwierige Software-Akquisitionen der Konzern gleichzeitig verdauen kann. Risiken haben den begeisterten Segler Ellison indessen noch nie zurückgehalten. Und mit der Ernennung von Greg Maffei, der als Übernahmestratege gilt, zum neuen Finanzchef machte er klar, dass seine Einkaufstour noch nicht zu Ende ist.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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