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21.01.2008 
Medizintechnik

Der Kranke im digitalen Workflow

von Joachim Hofer

Die Gesundheitssparte des Siemens-Konzerns hat ein neues Kundenzentrum eröffnet: In Erlangen wartet der Münchner Konzern mit einer ungewöhnlichen Präsentation auf, ganz im Zeichen der sich wandelnden Medizintechnik-Branche. Das elektronische Gesundheitssystem soll gute Geschäfte garantieren – doch auch die Konkurrenz setzt auf die digitale Vernetzung.

Eine Medizinstudentin im Siemens-Magnetresonanztomografen. Foto: dpaLupe

Eine Medizinstudentin im Siemens-Magnetresonanztomografen. Foto: dpa

ERLANGEN. Nein, wie im Ausstellungsraum eines Medizintechnikherstellers sieht es hier nicht aus. Der große, viereckige Raum gleicht eher einer jener schicken, kühlen Bars, die vor einigen Jahren in New York und Schanghai eröffnet haben und inzwischen auch in den Kreisstädten zwischen Flensburg und Garmisch zum gewohnten Bild gehören. Da beleuchten viele tausend Leuchtdioden in allen möglichen Farben riesige fischförmige Plastiklampen und Stehtische laden zum Plausch ein.

Doch dies ist keine Kneipe, sondern die Zentrale der Gesundheitssparte des Siemens-Konzerns in der Erlanger Henkestraße. Auf 2 000 Quadratmetern zeigt der Medizintechnikhersteller im Erdgeschoss seines ansonsten betont nüchternen Hauptquartiers, was er alles kann. Deshalb ist die bunte Beleuchtung auch nicht dazu da, den Gästen den Weg an die Bar zu weisen. Die 100 LED-Lampen stellen vielmehr einen Schwarm von Fischen dar – als Symbol für die unterschiedlichen Beteiligten im Gesundheitssystem.

Die Idee der Vertriebsleute des Konzerns: Die Besucher müssen nur dem Schwarm folgen. Dabei schwimmen sie gleichsam wie ein Patient durch alle Stationen einer Krankheit, von der Vorsorge und Früherkennung über Diagnose und Therapie bis zur Pflege. So sollen sie erleben, was Siemens zu bieten hat.

Die für einen Medizintechnikhersteller ungewöhnliche Präsentation ist kein Zufall. Der Münchener Konzern will seinen Kunden vor Augen führen, dass sich die Medizintechnik schwer gewandelt hat. Wenn Sparten-Chef Erich Reinhardt durch seinen Showroom führt, dann spricht er lieber von digitalem Workflow als von den althergebrachten medizinischen Arbeitsabläufen. „Alles ist vernetzt und aufeinander abgestimmt“, sagt der Manager voller Stolz.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Patientendaten sollen elektronisch verteilt werden.

Tatsächlich ist in dem erst am vergangenen Donnerstag eröffneten Kundenzentrum viel mehr zu sehen als moderne Röntgengeräte oder bullige Computertomographen. Die mehr als 10 000 Gäste, die Siemens hier Jahr für Jahr erwartet, sollen erkennen, dass die Software im Hintergrund immer wichtiger wird.

Wenn es nach den Vorstellungen der Strategen in der Medizintechnikbranche geht, dann sind die Zeiten vorbei, in denen in den Kliniken die Aktenberge von einer Abteilung in die andere geschoben wurden. Von der Notaufnahme über den Operationssaal bis hin zum Hausarzt sollen bald alle Patientendaten elektronisch analysiert und verteilt werden. „Die Qualität steigt, die Kosten sinken“, verspricht Siemens-Vorstand Reinhardt. Künftig muss niemand mehr mit den Röntgenbildern unterm Arm vom Radiologen zum Hausarzt humpeln.

Erzrivale General Electric hat bereits vor zwei Jahren sein neues Kundenzentrum für die Medizintechnik eröffnet. Den Standort haben die Amerikaner bewusst gewählt, nicht zuletzt um Siemens zu ärgern: Der Ausstellungsraum liegt nur einige Kilometer nördlich der Münchener Siemens-Zentrale und ist über die große Werbung von der Autobahn aus gut zu sehen. Allerdings: Der weltgrößte Industriekonzern präsentiert seine Geräte wesentlich nüchterner als der deutsche Konkurrent.

Siemens hingegen lässt nichts unversucht, um seine Gäste aus der ganzen Welt zu umschmeicheln. Vom Ausstellungsraum im Erdgeschoss geht es mit dem Aufzug in den 14. Stock des Bürogebäudes. Dort ist nicht nur ein hervorragendes Restaurant. Von der Höhe aus zeigt sich auch all die Macht von Siemens. Der Blick zeigt viele Kilometer Werksgelände, hier, und nicht im feinen München, wird das Geschäft gemacht. „Hier ist der Sektor präsent“, sagt Vorstand Reinhardt. „Sektor“, so heißen die Siemens-Bereiche seit drei Wochen, seit der neue Konzernchef Peter Löscher den Koloss wegen der Korruptionsaffäre völlig umgebaut hat. Doch das ist eine andere Geschichte.

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