Der neue Präsident von Seiko Epson im Handelsblatt-Interview
„Wir müssen wieder mehr wagen“

Seiji Hanaoka ist seit Ende März der neue Präsident von Seiko Epson. Er spricht in einem Handelsblatt-Interview über die Ertragsprobleme, die sich aus dem derzeitigen Preisverfall im Displaygeschäft ergeben, und die Angst japanischer Unternehmen, übernommen zu werden. Deutschland zählt für Seiko Epson regional gesehen nicht zu den wichtigen Märkten - die Osteuropäischen Länder versprechen mehr Wachstum.

Herr Hanaoka, was wird sich unter Ihnen als neuem Präsidenten an Epsons Strategie ändern?

Grundsätzlich nichts. Ich habe den Mittelfristplan, den wir vor zwei Jahren präsentiert haben, mitformuliert, insofern besteht da keine Kluft. Ich möchte aber darauf drängen, dass Epson wieder ein wenig mehr an seine Stärken - Kreativität und Herausforderung - denkt. Wir haben in der Vergangenheit viele Produkte als erster auf den Markt gebracht. Derzeit konzentrieren wir uns ein bisschen zu sehr darauf, unsere jetzige Arbeit zu machen. Wir müssen wieder mehr wagen, um unseren Kunden Neues zu bieten. Zudem ist mir wichtig, dass künftig unser Druckergeschäft und unser Displaygeschäft parallel gut laufen. Bisher ging es dem einen gut, wenn es dem anderen schlecht ging, und umgekehrt.

Wie wollen Sie das machen?

Das wird wohl zwei bis drei Jahre dauern. Zum einen wollen wir unser Displaygeschäft breiter aufstellen, neben Handybildschirmen auch Bildschirme für PDAs und Autodisplays liefern. So soll das Geschäft stabiler werden, weniger anfällig für Branchenschwankungen. Zum anderen wollen wir bei unserem Druckergeschäft noch stärker in die Fotowelt. Bisher werden Drucker noch sehr mit dem PC verbunden. Aber Fotodrucker brauchen keinen PC mehr, werden direkt an die Digitalkamera angeschlossen. So sollen unsere Drucker mehr als Familienprodukt fürs Wohnzimmer wahrgenommen werden.

Im vergangenen Jahr sind sie außerdem ins Fernsehgeschäft eingestiegen.

Mit Rückprojektionsfernsehern, ja. Und 2007 wollen wir mit einer neuen Technologie - Bildschirme aus organischen Leuchtdioden - in einem Fernseher auf den Markt. Fernsehen ist da neben Auto- oder Grafikdisplays nur eine der möglichen Anwendungen - sie passt gut in unser Konzept, eine Image-Company zu werden.

Aber völlig ohne Vertriebserfahrung und Bekanntheit im Fernsehmarkt? Müssten Sie da nicht erst einmal Ihre Marke stärken?

Im Fernsehmarkt setzen wir derzeit vor allem auf Direktmarketing über Fernsehkauf und Internet. Wir denken, dass sich die Vertriebswege in fünf, sechs Jahren insgesamt ändern werden. Was die Marke angeht, das stimmt. Für Drucker ist unsere Marke stark. Bei Displays müssen wir daran arbeiten.

Auch Epson hat den heftigen Preisverfall im Displaygeschäft zu spüren bekommen. Wann sehen Sie ein Ende?

Der Markt selbst entwickelt sich gut. Für uns ist ja vor allem der für Mobiltelefone wichtig. Hier wird nach 550 Millionen verkauften Handys im vergangenen Jahr mit 600 Millionen Stück in diesem Jahr gerechnet. Die Preise aber sind stärker als von uns erwartet gefallen - für 2005 um 40 Prozent. Ich glaube nicht, dass sie 2006 noch sehr viel weiter fallen. Sonst müssten wir die Displays ja fast umsonst abgeben.

Mit wieviel Prozent Preisverfall rechnen Sie?

Das kann ich nicht sagen, aber das sollte wirklich nicht mehr so viel sein.

Der Preisverfall hat auch Ihre Gewinne nach unten gezogen. Gilt das Ziel, bis zum Geschäftsjahr 2006 eine operative Umsatzrendite von neun Prozent zu erreichen, trotzdem noch?

Ja. Wir hoffen, dass die Preisrückgänge in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2005 aufhören und dass wir dann positive Ergebnisse sehen - sowohl im Drucker- als auch im Displaygeschäft.

Sie haben Ihr Displaygeschäft im vergangenen Jahr mit dem von Sanyo zusammengelegt. Müsste es nicht zu einer weiteren Konsolidierung in der Branche kommen?

Es gibt auf jeden Fall zu viele Anbieter. Da wird der Druck zunehmen, bei den Herstellern kleiner Bildschirme ebenso wie bei denen von Fernsehern. Für uns war es wichtig, vor der großen Konsolidierungswelle unsere Position zu stärken mit dem Zusammengehen mit Sanyo, damit die Marke Epson nicht verloren geht. Und damit wir bei den kleinen Displays Weltmarktführer bleiben.

Derzeit geht unter japanischen Firmen die Angst um, übernommen zu werden - viele arbeiten an Schutzmechanismen. Seiko Epson auch?

Es gibt meiner Meinung nach viele Arten von Übernahmen und Fusionen. Wir selbst haben ja auch etwa mit Sanyo das Displaygeschäft zusammengelegt. Wenn beiden Firmen auf Sicht von fünf oder zehn Jahren mit dem M&A-Schritt geholfen ist, dann ist das gut für die Aktionäre und Mitarbeiter. Dagegen wollen wir uns nicht schützen und haben derzeit auch keine Schutzmechanismen erarbeitet. Anders sieht das bei kurzfristig motivierten Übernahmen ohne langfristige Ziele aus. Da müssen wir über ein Schutzsystem nachdenken.

Sie machen jetzt bereits zwei Drittel Ihres Umsatzes im Ausland. Was sind für künftiges Wachstum regional gesehen Ihre wichtigsten Märkte?

China bleibt für uns wichtig. In Russland haben wir derzeit enorme Wachstumsraten, und Indien steht künftig auf dem Programm. Außerdem arbeiten wir derzeit intensiv an den osteuropäischen Märkten Polen, Ungarn und Tschechien und nehmen den Vertrieb selbst in die Hand.

Die Fragen stellte Nicole Bastian.

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