Der Standort Bombay ist für den Konzern längst eine feste Größe im weltweiten Produktionsnetzwerk
Siemens’ Indien-Tochter ist mehr als eine Werkbank

Der rasant wachsende IT-Dienstleister Siemens Information Systems Ltd. gedeiht in einem entlegenen Winkel des verzweigten Konzerns und tritt nach außen kaum in Erscheinung. Im Hausjargon heißt die indische Tochter trocken SISL.

BOMBAY. Ihr Sitz verbirgt sich in einem grauen Betonklotz in einer Nebenstraße Bombays, doch ein Mauerblümchen ist SISL nicht. Früher baute Siemens darin Röntgengeräte für den indischen Markt. Heute werden in den selben anonymen Wänden immaterielle Werte produziert: Wissen für den Export.

SISL ist ein Beispiel dafür, wie westliche Konzerne von Indien aus Chancen auf dem Weltmarkt nutzen, von denen sie vor kurzem nicht geträumt hätten. Ein Vorreiter dafür ist General Electric (GE): Ins Land gekommen waren die Amerikaner wie Siemens, um Kraftwerke und Medizintechnik zu verkaufen. Inzwischen nutzt GE indische Fachkräfte intensiv zur Entwicklung neuer Produkte und zur Bereitstellung von Dienstleistungen weltweit.

Siemens beschreitet einen ähnlichen Weg, und SISL spielt dabei eine wichtige Rolle. Während ihre große, in Deutschland beheimatete Schwester Siemens Business Services (SBS) im vergangenen Quartal Verluste schrieb, wächst die indische IT-Tochter kräftig und ist hoch profitabel. Im laufenden Geschäftsjahr dürfte der Umsatz um 40 Prozent auf 100 Mill. Dollar anziehen. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich seit dem Vorjahr von 1600 auf 2400 erhöht. Doch selbst in Indien ist SISL kaum bekannt. Das mag an einem Anglizismus liegen: Outsourcing. Dabei schwingt der Verlust von Arbeitsplätzen im Westen mit. Und damit will SISL nicht in Verbindung gebracht werden. „Ein Teil unserer Arbeit könnte wie Outsourcing aussehen,“ wiegelt Geschäftsführer Anil Laud gleich beim ersten Händeschütteln ab, „aber bitte täuschen Sie sich nicht. Wir sind keine verlängerte Werkbank von Siemens.“

Für den selbstbewussten Inder ist SISL keine der vielen hausinternen Offshoring-Töchter, bei der Konzerne Arbeitsschritte abladen, um Kosten in Hochlohnländern zu senken. Davon hat Siemens in Indien andere. „Wir arbeiten eigenständig und konzentrieren uns auf die Entwicklung von Endprodukten und kompletten Lösungen,“ erläutert der Manager. Als Beispiel führt er das Krankenhaus-Verwaltungs-System an, ein „globales Produkt“, weltweit vertrieben von der Medizin- sparte, weitgehend in Indien entwickelt.

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