„Der Untergang“ wird Verkaufsschlager: Deutsche Filme sind wieder gefragt

„Der Untergang“ wird Verkaufsschlager
Deutsche Filme sind wieder gefragt

Bei den deutschen Rechtehändlern, Produzenten, und Kinobesitzern herrscht auf der diesjährigen Berlinale großer Optimismus. Denn der deutsche Film ist im Heimatmarkt und im Ausland wieder gefragt.

DÜSSELDORF/BERLIN. Für Cineasten ist die diesjährige Berlinale bisher eher eine Enttäuschung. Sowohl der französische Eröffnungsfilm „Man to Man“ als auch der Pubertätsstreifen-Streifen „Thumbsucker“ aus den USA überzeugten das Festivalpublikum nicht. Dennoch herrscht bei deutschen Rechtehändlern, Produzenten, und Kinobesitzern großer Optimismus. Denn der deutsche Film ist im Heimatmarkt und im Ausland wieder gefragt. „Das war ein Super-Jahr“, berichtet Thilo Kleine, Chef der Bavaria Film. „Es gibt eine begründete Aufbruchstimmung“, sagte Michael Schmid-Ospach, Chef der Filmstiftung NRW am Sonntag.

Für die deutsche Kino- und Filmwirtschaft läuft es derzeit prächtig. Beki Probst, Leiterin der Filmmesse auf der Berlinale, hält auch eine Erklärung für den Erfolg bereit: „Ins Kino locken eben Filme, die ein Stück Leben erzählen und nicht nur von Spezialeffekten leben.“ Allein im vergangenen Jahr lockten nach Angaben der Filmförderungsanstalt deutsche Filme knapp 37 Mill. Besucher in die Filmtheater. Das ist ein Plus von 23,8 Prozent. Unter den fünf meist gesehenen Produktionen waren drei aus Deutschland: „(T)Raumschiff Surprise“ (Constantin), „Sieben Zwerge – Männer allein im Wald“ (UIP) und „Der Untergang“ (Constantin).

Der Markterfolg ist auch gut für den Verkauf. Der „European Film Market“ auf der Berlinale hat in diesem Jahr ein besonders hohe Nachfrage. „Die Attraktion in Berlin ist, dass die Berlinale eine Kombination aus Festival und Markt ist“, sagt Messechefin Probst.

Die Filmmesse in der Hauptstadt leidet diesmal nicht mehr wie früher unter dem fast zeitgleich stattfindenen „American Film Market“ in Santa Monica. Die wichtige US-Messe wurde auf November verschoben. Das kommt nun der Berlinale zu Gute. „In Berlin gibt es eine spürbare Belebung. In diesem Jahr sind mehr Einkäufer da, vor allem aus Asien und Südamerika“, sagt Thilo Kleine, Chef der Bavaria Film, des größten deutschen Filmstudios. „Die Berlinale ist eine große Verkaufsmesse“, bestätigte auch Georgia Tornow, Generalsekretärin der Produzentenvereinigung „Film 20“, zu deren Mitgliedern Branchengrößen wie UFA oder Constantin Film gehören. Im kommenden Jahr soll die Messefläche in Berlin verdoppelt werden. „Die Berlinale ist wirtschaftlich viel wichtiger geworden“, sagt Filmrechtehändler Jan Mojto, Chef des Medienunternehmens EOS.

Der ehemalige Stellvertreter von Leo Kirch verkauft den Hitler-Film „Der Untergang“ weltweit. Nach Angaben von EOS gingen Kino- und Fernsehrechte bereits in 51 Ländern. Mojto ist daher mit dem internationalen Vertrieb hoch zufrieden. „Der Verkauf vom ,Untergang’ läuft sehr, sehr gut“, berichtet der Medienunternehmer. Nächste Woche startet der Streifen mit dem Schweizer Schauspieler Bruno Ganz in der Hauptrolle in 110 Kopien in Spanien. „Der Untergang“, der auch für den Oscar nominiert ist, wird derzeit in sechs europäischen Ländern im Kino gezeigt, darunter Frankreich und Polen. Dort sahen ihn bisher 1,6 Millionen Zuschauer bei einem Umsatz von rund neun Mill. Euro.

Auf dem internationalen Parkett genießt der deutsche Filme, nicht zuletzt durch den weltweiten Erfolg der Ost-Komödie „Good Bye, Lenin“, einen guten Ruf. „Es gab noch nie so viele Filme, die im Ausland chancenreich sind“, sagt Filmförderer Schmid-Ospach. „Die Kunden wissen, dass gute Filme aus Deutschland keine Eintagsfliegen sind“, weiß auch Mojto. Ob sich die Erfolge fortsetzen, ist unklar. „Das Superjahr für die Filmwirtschaft beruht nur auf drei Filme. Noch steht der Zuschauererfolg nicht auf einer breiten Basis“, warnt Bavaria-Chef Kleine.

Auf der Berlinale kam der erste deutsche Beitrag im Wettbewerb um den Golden Bären am Samstag gut an. Der Episodenfilm „One Day In Europe“ des Regisseurs Hannes Stöhr erhielt viel Lob auch von ausländischen Festivalbesuchern. Großes Interesse gab es auch für „Sophie Scholl – Die letzten Tage“. Der Film von Marc Rothemund stand am Sonntag auf dem Programm. „Sophie Scholl stößt bei den Einkäufern auf großes Interesse“, sagte gestern ein Studio-Mitarbeiter.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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