DeTeMedien-Verlag vor Verkauf
Telekom will Telefonbücher loswerden

Die Telekom setzt offenbar ihre Telefonbuch-Tochter DeTeMedien auf die Verkaufsliste. Das liegt auch an einem handfesten Streit: Von „Knebelverträgen“ ist bei Verlagen die Rede, sie fühlen sich über den Tisch gezogen.
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DüsseldorfIm Frühjahr des Jahres 1881 war es so weit. Nur fünf Jahre nachdem Alexander Graham Bell sein Patent für das Telefon angemeldet hatte, wurde am 1. April in Berlin das erste öffentliche Telefonnetz in Deutschland eröffnet – mit 48 Teilnehmern. Es waren vor allem Unternehmer, die sich die neuartige Technik leisteten. Doch um telefonieren zu können, benötigten sie auch ein Nummernverzeichnis.

So begann vor etwa 134 Jahren auch die Erfolgsgeschichte des Telefonbuchs, die bis heute reicht. Erst kürzlich sind Millionen Haushalte wieder mit Exemplaren von Telefonbüchern, den „Örtlichen“ und den „Gelben Seiten“, versorgt worden.

Jetzt plant die Deutsche Telekom nach Informationen von Handelsblatt und WDR, sich von dem Geschäft zu verabschieden. Mit der Sache vertraute Personen bestätigten Gespräche über den Verkauf der Tochter DeTeMedien. Verhandlungsführer für die kooperierenden Regionalverlage sind der Heinz Heise Verlag aus Hannover und der Nürnberger Medienunternehmer Gunther Oschmann (Müller Medien). Weder die Fachverlage noch die Telekom wollten sich offiziell zu den Gesprächen äußern. Auch macht die Telekom keine Angaben zu Umsatz, Gewinn oder Wert der DeTeMedien.

Die DeTeMedien kooperiert bislang mit rund 100 Regionalverlagen. Sie vermarkten die Anzeigenplätze in den Nummer-Verzeichnissen und kümmern sich um Druck und Vertrieb der Bücher. Die Aufgabe der DeTeMedien ist es im Wesentlichen, die Daten, also Adressen und Telefonnummern zu liefern und die Marken zu pflegen. Dafür müssen die Verlage einen Teil ihrer Anzeigenerlöse an die DeTeMedien abführen. Doch die seit Jahrzehnten für beide Seiten so erfolgreiche und einträgliche Zusammenarbeit könnte nicht mehr lange Bestand haben.

Dass die Telekom DeTeMedien nun offenbar loswerden will, hat verschiedene Gründe. So hat die Digitalisierung dem Gewinnbringer zugesetzt. Außerdem sind junge Leute heute kaum mehr interessiert, in Telefonverzeichnissen gelistet zu sein. So erodiert die Datenbasis, und die Werbeplätze verlieren an Attraktivität.

Das Geschäft hatte jahrelang hohe Profite abgeworfen, wie Handelsblatt und WDR herausfanden. Allerdings mit leicht abnehmender Tendenz: 2010 waren es 88,2 Millionen Euro, ein Jahr darauf 84,9 Millionen. 2012 führte die DeTeMedien 84 Millionen Euro an die Konzernmutter Deutsche Telekom ab. Laut eigener Aussage verteilt die DeTeMedien mehr als 100 Millionen Bücher in Deutschland pro Jahr. Es sei ein ideales Beispiel für funktionierende Arbeitsteilung, heißt es auf der Webseite der Telekom-Tochter.

Doch ist diese Zusammenarbeit lange nicht so harmonisch, wie es nach diesen Worten scheint. Denn neben den sinkenden Erlösen gibt es wahrscheinlich noch einen weiteren wichtigen Grund für die Verkaufsabsicht: Die Telekom und die Fachverlage haben sich auseinandergelebt.

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