Deutliches Plus
Enthüllungsblatt „Guardian“ stark im Online-Geschäft

Die Enthüllungen über die NSA haben den „Guardian“ nicht nur berühmt gemacht: Die britische Zeitung kann auch den Umsatz im Online-Geschäft steigern. Ob der Verlag profitabel arbeitet, ist aber zweifelhaft.
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DüsseldorfDie britische Qualitätszeitung „The Guardian“ macht regelmäßig mit Enthüllungen über die NSA von sich reden. Doch der journalistische Erfolg zahlt sich wirtschaftlich nicht aus, die Muttergesellschaft Guardian Media Group schreibt Verluste. Nun verschafft sie sich Luft für den Umbau zu einem digitalen Medienhaus: Sie verkauft ihren verbliebenen Anteil von 50,1 Prozent am Online-Portal „Auto Trader“ zum Preis von 619 Millionen Pfund (751 Millionen Euro). Käufer der Verkaufsplattform ist der bisherige Partner, der Finanzinvestor Apax.

Der Abschluss des im Januar angekündigten Verkaufs werde dem Verlag erlauben „Weltklasse-Journalismus aus einer Position der finanziellen Stärke zu liefern“, ließ Verlagschef Andrew Miller mitteilen. „Der einzigartige Beitrag, den der "Guardian" zur nationalen und internationalen Debatte leistet, ist nun für die nächsten Generationen gesichert“, erklärte Liz Forgan, die Präsidentin des Scott Trust, in dem die Geschäfte gebündelt sind. Der einstige Eigentümer John Scott hatte sein Vermögen 1936 in die Stiftung überführt.

Die Digitalstrategie des Verlags, der auch die Wochenzeitung „The Observer“ herausgibt, zeigt unterdessen Erfolge. Im bis März laufenden Geschäftsjahr wird das Unternehmen seine Digitalerlöse um 25 Prozent auf 70 Millionen Pfund steigern können. Dazu trügen neben Werbung auch Stellenanzeigen, Apps sowie die Dating-Plattform Guardian Soulmates bei, heißt es in der Mitteilung. Der Gesamtumsatz lege um 5 Prozent auf mehr als 200 Millionen Pfund zu.

Ob die in den vergangenen Jahren verlustbringende Zeitung die Gewinnzone erreicht hat, teilte der Verlag aber nicht mit. Im vergangenen Jahr hatte das Zeitungsgeschäft der Gruppe einen Verlust von rund 30 Millionen Pfund gemacht – es werde eine Verbesserung erwartet, hieß es lediglich. Die detaillierten Zahlen werden im Sommer veröffentlicht.

Der „Guardian“ hat in den vergangenen Jahren mit mehreren weitreichenden Enthüllungen international auf sich aufmerksam gemacht. So durchleuchtete die Zeitung gemeinsam mit dem Journalisten und Blogger Glenn Greenwald die Abhörpraktiken des US-Geheimdienstes NSA (Greenwald hat inzwischen das Nachrichtenportal The Intercept gegründet). Die Zeitung legte außerdem Bestechungen beim britischen Rüstungskonzern BAE Systems offen, brachte den Abhörskandal um Medienmogul Rupert Murdoch ins Rollen veröffentlichte gemeinsam mit Wikileaks-Gründer Julian Assange geheime Botschaftsdepeschen der USA.

Trotz dieser Schlagzeilen bröckeln dem „Guardian“ die Erlöse aus dem Printgeschäft weg. Die wachsenden Einnahmen aus dem Online-Geschäft gleichen sie nicht aus, 2012 schrieb der Verlag ein Minus von 75,6 Millionen Pfund. Damit steht er stellvertretend für die Branche, die weiterhin nach einem Geschäftsmodell für das Internetzeitalter sucht.

Anders als viele andere Verlage setzt die „Guardian“-Gruppe konsequent auf ein Gratismodell: Die Website ist kostenlos, selbst investigative Artikel erscheinen dort noch vor der Veröffentlichung in der Zeitung. Geld bringt Werbung ein. Zuletzt konnte der „Guardian“ seine Online-Reichweite vergrößern, vor allem in den USA, wo es inzwischen eine eigene Ausgabe gibt.

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