Deutsche BenQ-Handy-Geschäft steht vor Insolvenz
Ende einer deutsch-taiwanesischen Ehe

Viel ist in den vergangen Tagen gemunkelt worden, vom Verkauf von BenQ-Werken war die Rede, vom Verlust der gesamten europäischen Fertigung. Jetzt herrscht Klarheit: Die deutsche Handysparte von BenQ steht vor der Insolvenz. Dass die Taiwanesen aber Knall auf Fall den Geldhahn zudrehen, raubt allen den Atem.

MÜNCHEN „Stammessen heute nur bis 12 Uhr 45“ steht auf dem Bildschirm der Kantine im Hauptquartier des deutschen Handy-Konzerns BenQ-Mobile in München. Es ist nur ein kleiner Hinweis für die Mitarbeiter, dass dies ein erschütternder Tag für sie werden soll. „Es ist so verdammt ruhig, vielleicht die Ruhe vor dem Sturm“, hatte am Morgen noch eine Mitarbeiterin erzählt. Um die Mittagszeit ist es in der BenQ-Zentrale, einem ziemlich alltäglichen Verwaltungshochhaus am Rande des Münchener Ostbahnhofs, fast wie immer.

Draußen sitzen die Raucher, sie wissen von nichts. Drinnen, vor der Kantine, kickern die Ingenieure wie noch an jedem Tag. Oben im sechsten Stock aber schickt die Presseabteilung Punkt zwölf den Text in die Welt: Die taiwanesische Mutter in Taiwan stellt ab sofort die Zahlungen ein, die deutsche BenQ, vor gar nicht so langer Zeit die muntere Handy-Sparte des stolzen Siemens-Konzerns, steht vor der Insolvenz. Mindestens 3000 Jobs stehen hier zu Lande auf der Kippe, weltweit sind es Hunderte mehr. Die Geschichte der Globalisierung in Deutschland, sie hat ein neues, trauriges Kapitel mehr.

Die Leute mit den lila Hausausweisen reagieren erst ungläubig, dann schweigen sie. Viel ist in den vergangen Tagen gemunkelt worden, vom Verkauf von Werken war die Rede, vom Verlust der gesamten europäischen Fertigung, die ohnehin nur noch einen kleinen Teil der BenQ-Aktivitäten hier zu Lande ausmacht. Das Manager-Magazin hatte gar schon die Namen der Käufer parat. Dass die Taiwanesen aber Knall auf Fall den Geldhahn zudrehen und Tausende zum Teil hoch qualifizierte Beschäftigte, die meisten von ihnen mit Siemens-Vergangenheit, im Regen stehen lassen, das raubt manchen von ihnen buchstäblich den Atem. Schockstarre am Haidenauplatz.

Es muss alles rasend schnell gegangen sein, ganze 20 Minuten liegen zwischen persönlichem Anruf der Pressestelle in den Redaktionen und der Eröffnung der Konferenz. Der Pressesprecher ringt um Worte, liest die vorgefertigte Pressemitteilung, das Wort „Insolvenz“ geht ihm kaum über die Lippen, so, als müsse er sich daran verschlucken.

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