Deutsche IT
Brauchen wir ein deutsches Microsoft?

Weg von Microsoft, Google und Intel: Politiker, Unternehmer und IT-Experten fordern die Entwicklung einer deutschen IT – zum Schutz gegen die Spitzel des US-Geheimdienstes. Doch der Plan ist nicht so gut, wie er klingt.
  • 68

DüsseldorfImmer wenn es darum geht, dass der Staat die Wirtschaft massiv subventionieren soll, muss Airbus als Beispiel herhalten. Nur dank staatlicher Förderung von Frankreich und Deutschland konnte der europäische Flugzeughersteller den Abstand zum einstigen Monopolisten Boeing aufholen. Heute ist Airbus in der Luftfahrt nicht mehr wegzudenken.

Daher überrascht nicht, dass Politiker eine deutsche IT fordern. Bundeskanzlerin Angela Merkel kommentiert die Bespitzelungsaffäre mit dem Satz, dass Europa dort aufholen müsse, wo es „eigene technische Fähigkeiten verloren“ habe. Beim Satellitensystem Galileo und eben bei Airbus gibt Europa bereits kontra. Folgt die IT-Branche?

Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Dieter Wiefelspütz sagt: „Wenn Washington die Marktmacht amerikanischer Unternehmen in der Internet-Branche missbraucht, dann müssen wir angemessene Alternativen schaffen.“ Und der CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl meint, die Regierung müsse „dreistellige Millionenbeträge“ für IT-Sicherheit „Made in Germany“ aufbringen.

Geht es nach solchen Äußerungen, ist jetzt wieder Zeit für Industriepolitik im großen Stil: Die Berichte über die Abhörprogramme des US-Geheimdienstes machen schmerzhaft deutlich, dass die vernetzte Gesellschaft kaum ohne chinesische Chips und amerikanische Software auskommt. Eine IT „Made in Germany“ oder „Made in Europe“ soll verhindern, dass ausländische Geheimdienste deutsche Staatsgeheimnisse und die Erfindungen des Mittelstandes ausspionieren. Doch es ist höchst fraglich, ob eine Förderung nach dem Prinzip Airbus hilft, das Internet weniger amerikanisch zu machen.

Bislang sind keine handfesten Beweise an die Öffentlichkeit gedrungen, dass fremde Staatsschnüffler deutsche Firmen ausspionieren. Allerdings ist die Zuordnung digitaler Angriffe schwierig. In einer Umfrage des Sicherheitsdienstleisters Corporate Trust unter 600 Unternehmen gaben rund 21 Prozent an, durch Spionage bereits Schäden erlitten zu haben. Immerhin 14 Prozent der Opfer gehen davon aus, dass ausländische Nachrichtendienste die Finger im Spiel hatten.

Die Forderungen nach einer deutschen IT klingen gut, gerade im Wahlkampf, und lenkt davon ab, wie wenig die Politiker derzeit gegen die Bespitzelung tun können oder wollen. Doch so einfach ist das nicht. Dagegen sprechen grundsätzliche Zweifel an der Industriepolitik, deren Erfolgsquote niedrig ist. Für jede erfolgreiche Förderung stehen mehrere misslungene Projekte. Auch in der IT-Branche.

Kommentare zu " Deutsche IT: Brauchen wir ein deutsches Microsoft?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Unsere gesellschaftlichen Regelungen sind aber auf diese mechanische Welt gepolt und die alternde Gesellschaft ist schwerer in der Lage als eine junge Gesellschaft ihr Abstraktionsvermögen den neuen Gegebenheiten anzupassen."

    Was für ein dummer, sinnloser Satz!!!

    Gerade die Älteren, die den Übergang in die digitale Welt mitgestalteten, haben wesentlich besseres Verständnis für alle diese Zusammenhänge!!!

    Die Generation NULL, die nur Touchscreen kennt, ist mit der neun, digitalen Welt völlig überfordert, weil sie Null Ahnung hat, aber davon jede Menge!!!

  • "Unsere gesellschaftlichen Regelungen sind aber auf diese mechanische Welt gepolt und die alternde Gesellschaft ist schwerer in der Lage als eine junge Gesellschaft ihr Abstraktionsvermögen den neuen Gegebenheiten anzupassen."

    Genauso siehts aus.

  • @hermann.12,

    Ihre Arroganz ist unerträglich und unwahr!
    Ich verwende seit Jahren OpenOffice.org geschäftlich für alle Anwendungen, inclusive numerische Berechnungen, etc...
    Nicht umsonst wird OpenOffice.org schon seit Jahren von dem rennomierten Computermagazin CT gelobt!

    MS Office hat sich ins Abseits hineinmanövriert seit der Einführung der neuen Oberfläche, die anwenderunfreundlich ist! Millionen Anwender beschweren sich disbezüglich müssen sich aber letztlich damit abfinden, weil eben Angestellte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%