Deutsche Telekom
Außer Kontrolle

Die Deutsche Telekom steckte schon Anfang 2005 in einer schwierigen Phase. Um so mehr ärgerte sich die Konzernspitze, dass vertrauliche Informationen nach außen drangen, im Verdacht standen vor allem Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Der Beginn eines beispiellosen Abhörskandals.

HB BONN/DÜSSELDORF. „Die Telekom war löchrig wie ein Schweizer Käse,“ klagt der frühere Vorstandschef Kai-Uwe Ricke. „Die mussten reagieren“, meint denn auch ein frühere Manager in Rickes Diensten. Dieser habe sehr darunter gelitten, dass „in einer schwierigen Lage für das Unternehmen ständig gnadenlos vertrauliche Informationen an die Presse weitergegeben wurden“. Besonders ärgerlich: Viele der Interna, die regelmäßig in den Medien ausgebreitet wurden, waren nur dem engsten Führungskreis bekannt.

Ricke, der seit seinem Amtsantritt Ende 2002 versuchte, den hochverschuldeten Konzern wieder in die Offensive zu bringen, wurde zunehmend ungehaltener. Egal ob schrumpfende Umsatzzahlen, geplante Strukturveränderungen oder geheime Pläne für Stellenabbau – kaum hatte man in den Führungsetagen solche brisanten Themen besprochen, fanden sie sich wenig später in den Zeitungen wieder.

Auch der damalige Aufsichtsratschef der Telekom, Klaus Zumwinkel, war höchst verärgert über die offensichtliche Weitergabe von Firmeninterna. „Zumwinkel hat mit Ricke darüber gesprochen, dass man diese Durchstechereien nicht hinnehmen könne“, heißt es im Umfeld des Aufsichtsrates. Anfang 2005 überschlugen sich dann die Ereignisse: Zu Beginn des Jahres tauchte die gesamte Mittelfristplanung des Konzerns detailliert in einem Magazin auf. Nur wenige Monate später wurde der geplante Bau des VDSL-Netzes veröffentlicht, obwohl dieses milliardenschwere Projekt für eine superschnelle Datenübertragung zu diesem Zeitpunkt streng geheim war. Als dann schließlich im November 2005 das 32 000 Arbeitsplätze umfassende Stellenabbauprogramm in die Presse kam, platzte Ricke der Kragen.

Im Konzernvorstand, dem auch der damalige T-Mobil-Chef René Obermann angehörte, wurde erregt darüber diskutiert, wie man das Weiterreichen wichtiger Informationen verhindern könne. „Die ganze Sache hat den Vorständen die Zornesröte ins Gesicht getrieben“, erinnert sich jemand aus dem Umfeld.

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