Deutsche Telekom
Der Handyausfall als Kulturschock

Der stundenlange Ausfall des größten deutschen Handynetzes war ein Kulturschock für Millionen Deutsche - für die meisten war er Fluch, für manchen aber auch Segen.

HB HAMBURG. Tuut, tuut? Nein, tot - Anruf fehlgeschlagen, oder die Sendung der SMS. "Für den Homo Connectus ist Leben da, wo er Netz hat", überschrieb einst Miriam Meckel, Kommunikationswissenschaftlerin und Buchautorin ("Das Glück der Unerreichbarkeit") einen Artikel über den ständig vernetzten Menschen. Die "Bild"-Zeitung titelte am Mittwoch "Mio. Handys tot!" - die Seite-Eins-Überschrift zeigt, wie wichtig und auch vermenschlicht tragbare Telefone im heutigen Leben geworden sind.

"Die haben fast Entzugserscheinungen gehabt", beschreibt der Soziologe Prof. Dr. Günter Burkart im Gespräch mit dem Audio-Dienst der dpa ein Experiment, bei dem Studenten drei Tage lang ihr Handy abgeben mussten. Die jungen Leute hätten Probleme gehabt, sich im Alltag zu organisieren. Der hohe Zugewinn an Mobilität, Flexibilität und Freiheit, den das bequeme Handy bedeute, habe plötzlich gefehlt, sagt der Professor von der Universität Lüneburg. Er ist Autor des Buches "Handymania: Wie das Mobiltelefon unser Leben verändert hat".

Bei fast keinem anderen Thema werden Generationenunterschiede so deutlich. Handys gibt es erst seit gut 15 Jahren. Für manchen war es nun also ein paar Stunden fast wie früher, für viele Jüngere brach hingegen ihre Welt zusammen.

Dem einen oder anderen dürften am Dienstag Verabredungen geplatzt sein oder er konnte sie erst gar nicht treffen. Bei manchem banalen Telefonat, dass man in Bus oder Bahn manchmal mithören muss, liegt der Gedanke nahe, dass es nicht schade war, wenn es mal nicht stattfinden konnte. Doch die ernste Seite des Ausfalls ist nicht zu unterschätzen: T-Mobile merkte es selbst, als es Probleme gab, Techniker aus dem Feierabend zu klingeln - das Handy ging ja nicht.

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