Deutsche Telekom
„Die kriegen wir, diese Plauderer“

Die Deutsche Telekom hat nicht nur Aufsichtsräten und Journalisten nachspioniert, sondern vermutlich auch ihren Managern. Noch immer ist unklar, wer den Auftrag für die Bespitzelung gab. Unter den Mitarbeitern des Konzerns wachsen Frust und Unruhe. Der wirtschaftliche und politische Schaden für die Telekom ist immens.

BERLIN/DÜSSELDORF. Es sind recht markige Worte, die Manager der Deutschen Telekom von ihren Vorgesetzten zu hören bekommen: „Wir werden die undichten Stellen schon ausfindig machen. Wenn nicht wir, wer sollte es dann schaffen?“ Oder: „Die kriegen wir schon, diese Plauderer. Wäre ja gelacht, wenn wir das nicht schaffen.“

Es sind Sprüche wie diese, die ab Januar 2005 bei dem Bonner Telekommunikationskonzern immer wieder fallen. „Mehrere Mitglieder des Vorstands haben mit großem Nachdruck solche Sätze von sich gegeben“, berichtet ein ehemaliger Manager. „Man traute sich gar nicht, von seinem Anschluss im Büro aus zu telefonieren. Irgendwie hatte man das Gefühl, belauscht zu werden“, ergänzt ein anderer Manager, der bis heute bei dem Konzern arbeitet.

Damals war das für die Mitarbeiter nur eine Ahnung. Seit dem Wochenende, seitdem die Schnüffelaffäre bei der Telekom bekanntwurde, erscheinen die kräftigen Worte in einem etwas anderen Licht.

Am Samstag gab Telekom-Vorstand René Obermann zu, dass es 2005 und 2006 zu missbräuchlicher Nutzung von Telefonverbindungsdaten des Unternehmens gekommen sei. Offenbar hat der Konzern Journalisten, Aufsichtsräte und auch die eigenen Manager bespitzelt, um herauszufinden, wer interne Informationen an die Presse weitergibt.

Dabei handele es sich „eindeutig um eine Verletzung des Fernmeldegeheimnisses“. Zu diesem Ergebnis sei ein Aufsichtsratsausschuss nach einer außerordentlichen Sitzung gekommen, heißt es in Konzernkreisen.

Auslöser für die Bespitzelungsaktion war wohl ein Artikel in dem Wirtschaftsmagazin „Capital“ über die mittelfristige Planung des Konzerns. Dieser enthielt detaillierte Zahlen über Ziele des Gesamtunternehmens sowie der Sparten. „Schon vorher waren immer wieder interne Informationen nach außen gelangt, die über die Mittelfristplanung haben das Fass aber zum Überlaufen gebracht“, heißt es in Konzernkreisen. „Von da an haben die Vorstände immer wieder angekündigt, dass man den Leuten, die das ausgeplaudert haben, das Handwerk legen wollte.“ Zwischen den Zeilen hätten sie angedeutet, den eigenen Sachverstand dafür ausnutzen zu wollen.

Bis heute ist allerdings unklar, ob das eine reine Drohkulisse war oder Mitarbeiter und ihre Telefonate tatsächlich ausgespäht wurden und in welchem Ausmaß das passierte.

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