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18.03.2008 
Einstieg in Griechenland

Deutsche Telekom expandiert im Hinterhof

von Gerd Höhler, Sandra Louven und Hans-Peter Siebenhaar

Mit dem Einstieg bei der griechischen Hellenic Telecom (OTE) wird die Deutsche Telekom zum dominierenden Spieler in Südosteuropa. Die Region gilt als einer der letzten Wachstummärkte auf dem alten Kontinent. Mittlerweile erzielt der Bonner Konzern mehr als die Hälfte der Erlöse außerhalb des stagnierenden Heimatmarkts.

Durch die Beteiligung an OTE wird die Telekom zum dominierenden Spieler in Südosteuropa. Foto: dpaLupe

Durch die Beteiligung an OTE wird die Telekom zum dominierenden Spieler in Südosteuropa. Foto: dpa

ATHEN/DÜSSELDORF. Mit dem Einstieg in Griechenland ließ sich Telekom-Chef René Obermann viel Zeit. Immer wieder habe er in den vergangenen Jahren mit der griechischen Regierung über eine Beteiligung an Hellenic Telecom (OTE) gesprochen, sagt Obermann. Gestern konnte er bei Griechenlands führendem Telekomkonzern mit zahlreichen Beteiligungen auf dem Balkan Vollzug melden: Der Bonner Konzern kündigte den Erwerb von knapp 20 Prozent an OTE für 2,5 Mrd. Euro an. Verkäufer ist die griechische Investmentgesellschaft Marfin Investment Group.

Mit der Akquisition wird die Telekom zum dominierenden Spieler in Südosteuropa: OTE besitzt Töchter in Bulgarien, Rumänien, Albanien, Mazedonien und eine Beteiligung in Serbien. "Damit decken wir fast alle zentraleuropäischen Länder ab", sagte Obermann. Die Telekom ist bereits in zahlreichen osteuropäischen Ländern vertreten. Mittlerweile erzielt der Bonner Konzern mehr als die Hälfte der Erlöse außerhalb des stagnierenden Heimatmarkts.


Tabelle  Infografik: Griff nach Südosteuropa.


Der Deal in Griechenland kommt allerdings nur zustande, wenn Obermann das Management von OTE bestimmen und zusätzliche Anteile von der griechischen Regierung übernehmen kann. Athen ist mit 28 Prozent immer noch größter Anteilseigner von OTE. "Wir haben nicht die Absicht, die Gesellschaft voll zu übernehmen", sagte Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick. Ihm geht es vielmehr um die Kontrolle des Managements. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass die Telekom OTE in ihrer Bilanz konsolidieren kann, obwohl sie nicht die Mehrheit besitzt (siehe: "Der trickreiche Einstieg ..."). Experten gehen davon aus, dass die Bonner diesen Weg wählen, weil das die preiswertere Alternative ist.

OTE gehört mit seinen osteuropäischen Ablegern zu den führenden Mobilfunkanbietern. "Das sind hochattraktive Länder", sagte Obermann. Zwar besitzt auch in Osteuropa bereits fast jeder Einwohner mindestens ein Handy - die Wachstumsaussichten dort sind dennoch besser als im Westen. Grund dafür ist das häufig schlecht ausgebaute Festnetz dort. Das führt dazu, dass das Handy nicht nur für Telefonate verwendet wird, sondern auch den klassischen DSL-Anschluss ersetzt.

Die Telekom verspricht sich hohe Wachstumsraten bei mobilen Datendiensten wie E-Mails oder dem Surfen im Internet. Experten halten das für durchaus realistisch: "Im Abdeckungsgebiet von OTE sehen wir noch Nachholbedarf bei mobilen Internetlösungen und mobilen Breitbanddiensten. Auch im DSL-Bereich sehen wir noch gute Wachstumschancen in Griechenland", sagte Telekomanalyst Stefan Borscheid von der Düsseldorfer WestLB.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie der Bonner Konzern den Einstieg bei OTE vollziehen will.

Die Märkte spendeten der Ankündigung nur verhaltenen Beifall. Der Telekom-Kurs verlor gestern rund ein Prozent, während der Dax gut drei Prozent im Minus lag. "Das wäre ein vernünftiges Geschäft, aber kein Riesendeal", sagte ein Analyst.

Die Regierung in Athen begrüßte den Einstieg der Telekom. Der Bonner Konzern zeigte sich zuversichtlich über die anstehenden Gespräche mit Athen. Sie sollen innerhalb der kommenden sechs Wochen abgeschlossen werden. Lässt sich dabei keine Einigung erzielen, kann die Telekom von ihrem Geschäft mit Marfin zurücktreten, ohne dass ihr dabei Kosten entstehen.

Die Suche nach einem Investor für OTE war bislang ein schwieriges Unterfangen. Seit ihrem Amtsantritt 2004 suchte die konservative griechische Regierung bereits nach einem strategischen Investor für den ehemaligen Staatskonzern OTE. Weil Athen dringend Geld brauchte, verkaufte der Staat im Juni 2007 bereits ein Paket von 10,7 Prozent der OTE-Aktien an der Börse. Im vergangenen Jahr interessierte sich zudem Telekom Austria für Hellenic Telecom. Doch den Griechen war die Telekomfirma aus der Alpenrepublik zu klein. Die Athener Regierung sehnte sich nach einem großen Investor von der Kragenweite einer spanischen Telefónica oder Deutschen Telekom.

Der jetzt vereinbarte Preis von 2,5 Mrd. Euro für knapp 20 Prozent gilt in der Branche als hoch. Er entspricht 26 Euro je Aktie und einer Prämie von 19 Prozent auf den Durchschnittskurs von OTE in den vergangenen drei Monaten. Bei vergleichbaren Deals wurden zwar ähnliche Prämien gezahlt. Dabei handelte es sich aber um komplette Übernahmen. Für eine Beteiligung sei die Bewertung recht üppig, sagten Analysten. Die Telekom verspricht sich von dem Deal langfristig Synergien in Höhe von rund zwei Mrd. Euro - unter anderem durch niedrigere Roaming-Gebühren in Griechenland.

Telekom-Chef Obermann setzt insbesondere auf das Management der OTE. Seit dem Wahlsieg der konservativen Regierung vor vier Jahren führt der ehemalige Banker Panagis Vourloumis den Telekomanbieter. In den vergangenen Jahren schickte Vourloumis fast 5 000 der einst 15 000 quasi unkündbaren Beschäftigten in den Vorruhestand und stellte jüngere, höher qualifizierte Mitarbeiter zu flexibleren Konditionen ein. Vourloumis internationalisierte die OTE. Die Mobilfunktöchter in Albanien, Mazedonien, Bulgarien und Rumänien tragen inzwischen mit rund ein Viertel der Konzerneinnahmen zum Ergebnis bei. Für die ersten neun Monate 2007 meldete das Unternehmen einen Gewinn (Ebitda) von 1,72 Mrd. Euro, knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Die Ebitda-Marge stieg gegenüber 2006 von 30,2 auf 32,6 Prozent. Die Nettoverschuldung liegt bei rund 4,9 Mrd. Euro.

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