Deutsche Telekom
Parteien rufen im Telekom-Tarifstreit Schlichter an

Während die Finanzgemeinde den geplanten Konzernumbau der Deutschen Telekom positiv aufnimmt, droht Vorstandschef René Obermann Ärger an einer ganz anderen Front: Am Wochenende sind die Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi gescheitert - nach vier vergeblichen Verhandlungsrunden soll nun ein Schlichter einen Kompromiss aushandeln.

DÜSSELDORF. Sie haben deshalb den ehemaligen Hamburger Bürgermeister Henning Voscherau als Schlichter angerufen. Er muss innerhalb von zwölf Werktagen eine Empfehlung aussprechen, an die die Parteien jedoch nicht gebunden sind.

Bei den Verhandlungen geht es um die Bezahlung der 50 000 Service-Mitarbeiter, die 2007 in eigenständige Gesellschaften ausgegliedert worden sind. Verdi fordert für sie 8,5 Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 220 Euro monatlich. Die Telekom bietet eine schrittweise Erhöhung um insgesamt 5,5 Prozent sowie ein Jahr längeren Kündigungsschutz. Außerdem hat Personalvorstand Thomas Sattelberger bei positiver Geschäftsentwicklung eine Erfolgsbeteiligung für die Mitarbeiter vorgeschlagen.

Ohne Komplikationen hat Obermann in der vergangenen Woche dagegen seine Umbaupläne durch den Aufsichtsrat gebracht. Er schafft ein eigenes Vorstandsressort für Südosteuropa und legt dort ebenso wie in Deutschland die bislang getrennten Sparten Mobilfunk und Festnetz zusammen. Damit reagiert der Vorstandschef auf die zunehmende Verschmelzung beider Techniken.

Börsianer halten die Pläne für richtig und hätten sie sich schon viel früher gewünscht. "Die Deutsche Telekom folgt hier eher dem Trend, andere Konzerne haben das bereits umgesetzt", sagt Analyst Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. "Jetzt sieht die Telekom, dass die anderen damit erfolgreich sind und legt nach." Als einer der ersten Konzerne hat die Schweizer Swisscom die beiden Sparten Anfang vergangenen Jahres zu einer Einheit zusammen gefasst.

In Konzernkreisen heißt es, Obermann habe bei seinem Amtsantritt Ende 2006 den Umbau noch nicht gewagt, weil er erst das Geschäft stabilisieren wollte. Investoren gehen davon aus, dass die Telekom nun stabil genug dafür ist. "Die Verschmelzung der Festnetz- und Mobilfunksparte wird zu Friktionen führen", sagt Andreas Mark, Fondsmanager bei Union Investment. "Aber die Telekom ist inzwischen so robust aufgestellt, dass sie das verkraften kann."

Die Telekom betont, dass es bei dem Umbauprogramm nicht um Personalkürzungen geht. Analysten erwarten dennoch, dass zahlreiche Stellen wegfallen. "Da machen doch jetzt viele dasselbe", sagt einer. "Die Telekom kann durch die Verschmelzung erheblich Personalkosten sparen."

Sparpotential sehen die Börsianer auch in dem neuen Ressort für Südosteuropa. Obermann schafft dafür einen Vorstandsposten, weil sich die Telekom mit der Beteiligung an der griechischen OTE im vergangenen Jahr in der Region noch einmal deutlich verstärkt hat. "Der Konzern kann die Aktivitäten dort noch viel stärker vernetzen, den Einkauf bündeln und wesentliche Synergien erzielen", sagt Analyst Rothauge. "Deshalb ist das neue Ressort der richtige Schritt."

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%