Deutsche Telekom
Von wegen Ex-Staatskonzern

Der Bund kann etwa 20 Jahre, nachdem die Deutsche Telekom privatisiert worden ist, noch immer nicht die Finger vom ehemaligen Staatskonzern lassen. Im Gegenteil: Er hat seine Beteiligung noch weiter aufgestockt.

DüsseldorfRund 20 Jahre ist es nun her, dass die Bundesregierung beschlossen hat, die Deutsche Telekom zu privatisieren. So ganz kann der Bund die Finger nicht von dem Bonner Konzern lassen, hält er doch noch immer 32 Prozent Firmenanteile. Dabei wurden in den vergangenen Jahren wiederholt Forderungen laut, diese Anteile zu verkaufen. Das soll den Einfluss des Staates auf den Konzern reduzieren. Der Erlös soll in den Bundeshaushalt fließen und in bessere Infrastruktur investiert werden. Doch der Bund sieht das offenbar bis heute anders: Er hat seinen Anteil an der Telekom sogar leicht erhöht.

Der Konzern bietet seinen Aktionären seit vier Jahren an, sich die Dividende in neuen Aktien auszahlen zu lassen. Das Bundesfinanzministerium hat das Angebot in diesem Jahr angenommen – und zwei Drittel seiner Dividendenansprüche in neue Aktien getauscht. Die staatliche Förderbank KfW nutzte die Hälfte ihrer Papiere dazu.

Dafür verzichtet der Bund auf mehr als die Hälfte seiner Bardividende von rund 805 Millionen Euro, mehr als 463 Millionen Euro. Damit erhöht sich der Staatsanteil an der Telekom leicht von 31,8 auf 32 Prozent.

Wäre es darum gegangen, die Anteile durch die Kapitalerhöhung – die eine solche Aktiendividende im Prinzip ist – nicht verwässern zu lassen, hätte es gereicht, sich nur die Hälfte der Papiere in Aktien auszahlen zu lassen. Die KfW hat das getan und ihr Anteil an der Telekom ist mit rund 17,5 Prozent gleichgeblieben. Hätte der Bund dasselbe getan, hätte er immerhin noch 180 Millionen statt nun 120 Millionen Euro Bardividende bekommen.

Das Finanzministerium erklärt dem Handelsblatt dazu, die Deutsche Telekom hätte mit der Aktiendividende allen Aktionären „ein interessantes Angebot“ unterbreitet: „Bund und KfW haben dieses Angebot unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Interessenlagen sorgfältig geprüft und sich an dem Wahlrecht beteiligt.“ Die Auswirkungen auf den Aktienanteil seien für die Entscheidung nicht leitend gewesen.

So erklärt es auch die KfW: „Insgesamt haben Bund und KfW die Bezugskonditionen als attraktives Angebot betrachtet“, sagte eine Sprecherin. „Weder sollte ein wirtschaftlich günstiges Angebot ausgeschlagen noch ein ungünstiges Angebot angenommen werden.“ Deswegen hätten sich Bund und KfW an dem Angebot beteiligt.

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Das Aktien-Angebot ist verlockend

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