Deutsche Telekom
Was nun, Herr Obermann?

Schwerer Rückschlag für Telekom-Chef Obermann: Der milliardenschwere Verkauf von T-Mobile USA an AT&T ist endgültig geplatzt. Jetzt muss eine neue Lösung für die schwächelnde US-Tochter her. Die Zeit ist knapp.
  • 11

BonnRené Obermann hat alles versucht, um den Deal mit AT&T noch zu retten. Persönlich war der Telekom-Chef nach Washington gereist, um gemeinsam mit AT&T-Chef Randall Stephenson vor dem Kongress den Verkauf von T-Mobile USA an den amerikanischen Telekom-Riesen zu verteidigen. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel konnte Obermann mobilisieren, die laut Konzernkreisen bei US-Präsident Barack Obama kurz nach Bekanntgabe des Deals angerufen hat, um für das Geschäft zu werben. Alles umsonst.

Die Deutsche Telekom bleibt auf ihrer ungeliebten Mobilfunktochter T-Mobile USA sitzen. Der US-Branchenriese AT&T hat nach dem Widerstand der Wettbewerbshüter in Washington die 39 Milliarden Dollar (30 Milliarden Euro) schwere Übernahme abgeblasen. Es ist unklar, wie es nun mit T-Mobile USA weitergeht, dem viertgrößten Mobilfunkanbieter des Landes. Noch schwerer wiegt das Scheitern aber für Obermann und seine Telekom.

Und so kritisierte er die US-Aufsichtsbehörden am Dienstag scharf. Von Seiten der Wettbewerbshüter habe es „keine Unterstützung“ für ein Gelingen der Übernahme gegeben. „Bis zum Schluss war keine Bereitschaft zu erkennen, sich im Detail mit Zugeständnissen zu befassen.“ Es sei „nicht nachvollziehbar“, dass die Behörden eine Transaktion behindert hätten, die dazu beigetragen hätte, das Ziel einer flächendeckenden Ausstattung der USA mit mobilem Internet voranzutreiben.

Zwar erhält der Bonner Großkonzern von AT&T ein Trostpflaster in Höhe von drei Milliarden Dollar in bar plus Roaming-Rechte und begehrte Funkfrequenzen. Doch ursprünglich hatte die Telekom auf einen Erlös in Höhe von 25 Milliarden Dollar in bar und 14 Milliarden über einen Aktientausch gehofft.

Mit einem Teil des Geldbatzens sollten dann Verbindlichkeiten des Unternehmens um mindestens 13 Milliarden Euro verringert und für weitere fünf Milliarden Euro eigene Aktien zurück gekauft werden. Verglichen damit sind drei Milliarden ein Klacks - ganz abgesehen davon, dass sich die Telekom ja nicht nur wegen schrumpfender Kundenzahlen weitgehend aus dem US-Markt zurückziehen wollte, sondern vor allem auch wegen anstehender Milliardeninvestitionen. T-Mobile USA ist ein echter Problemfall.

Kommentare zu " Deutsche Telekom: Was nun, Herr Obermann?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • die Börse in Amerika spricht eine eindeutige Sprache
    alle Telcos in Amerika profitieren vom Betrug an der Deutschen Telekom mit dem geplatzten Deal.

  • Sie haben völlig recht. Ich habe mal die Zeit genommen um die DT genauer zu untersuchen. Die DT hat keine klare Strategie und ist viel zu diversifiziert.Offensichtlich ist da fundamental irgendwo nicht in Ordnung,denn was den Gewinn pro Aktie betrifft, erhöht sich in 2012 die Analystenzahl von21 auf 27.Auch die Londoner Börse und die Eurex sind finster.Auch der cashflow ist nicht in Ordnung.Die Zeit ist tatsächlich knapp und Goldman Sachs hat mal wieder mitvärhandelt.

  • und wieder mal wird ein deutsches Unternehmen von den USA betrogen.
    Nieder mit Amerika !!!!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%