Deutscher Film ist gefragt
Auf Hollywoods Spuren

Deutsche Fernsehfilme sind im Ausland so gefragt wie nie: Auf dem zweitgößten Fernsehrechtemarkt der Welt, der Mip-TV in Cannes, können Filmproduzenten vor allem aufwendige Doku-Dramen wie „Dresden“ oder „Die Sturmflut“ glänzend verkaufen.

CANNES. Am klotzigen Festivalgebäude in Cannes prangt ein haushohes Transparent. „Ein Fenster der Möglichkeiten“ verspricht die Fernsehmesse Mip-TV den Produzenten, Filmhändlern und Senderchefs aus aller Welt. Die Deutschen nutzen ihre Möglichkeiten wie nie zuvor, ihre Fernsehproduktionen ins Ausland zu verkaufen. Der deutsche Film erlebt auf der Messe an der Côte d’Azur einen Boom. „Wir schwimmen auf einer Welle des Erfolgs“, schwärmt Fernsehproduzent Jan Mojto. Der frühere Stellvertreter des Medienunternehmers Leo Kirch und heutige Chef der Produktions- und Rechtefirma EOS Entertainment hat in den vergangenen Jahren Miniserien und Filme („Napoleon“, „Der Untergang“) in alle Welt verkauft.

Die Bedarf an Qualitätsfernsehen wächst. Darin sind sich Produzenten und Sender einig. „Die Nachfrage nach deutscher Ware im Ausland steigt, weil die Qualität zugenommen hat“, berichtet Oliver Schündler, Rechte- und Koproduktionschef der Bavaria Film („Die Manns“, Speer und Er“).

Mojto, der das Geschäft seit Jahrzehnten kennt und über ein enges Netzwerk zu allen großen Sendern verfügt, hat in diesen Tagen keine Zeit, die Schönheit des südfranzösischen Städtchens zu genießen. Rund 50 Termine im Stundentakt bewältigt der Medienmanager. Im Schatten der Palmen auf dem Prachtboulevard Croisette eilt er von einem Hotel ins andere. Im Gepäck für seine Verhandlungen hat Mojto aufwendige Fernsehfilme wie das 8,5 Mill. Euro teure Hamburger Hochwasserdrama „Die Sturmflut“ oder den Antikriegsfilm „Dresden“. Der Rechtehändler ist mit sich und der Welt zufrieden. Im Fall von „Sturmflut“ sind bereits Verträge für über 40 Länder unter Dach und Fach. Der Zweiteiler „Dresden“, der dem ZDF einen Rekord mit über zwölf Millionen Zuschauern bescherte, verkauft sich glänzend.

„Wir haben ,Dresden’ überall in der Welt verkauft. Die Verträge für Frankreich, Italien und Spanien sind bereits unterschrieben“, berichtet der Rechtehändler. Jetzt kommt Großbritannien hinzu. Sein Partner, der Berliner Produzent Nico Hofmann, Chef und Mitgesellschafter der Bertelsmann-Tochter Teamworx („Der Tunnel“, „Stauffenberg“), hat für die internationale Verwertbarkeit vorgesorgt. Seinen Regisseur Roland Suso Richter ließ er „Dresden“ in Englisch drehen. Das Motiv ist klar: der englischsprachige Fernsehmarkt. Denn britische Zuschauer schätzen keine synchronisierten Filme. Im Gegensatz zu Kontinentaleuropa galt Großbritannien für die Deutschen lange als uneinnehmbar. Mojtos Verkauf des Hitler-Epos „Der Untergang“ und des Zweiteilers „Dresden“ an den britischen Sender Channel 4 ist der Durchbruch.

Der deutsche Film galt international lange als schwer verdauliche Kost. „Früher wurde ein Problem inszeniert“, sagt Jens Richter, Chef des Filmrechtehandels bei der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1. Zu kompliziert, zu fade, zu provinziell erschienen die Produktionen aus München, Berlin oder Hamburg. „Die Zeit des gefilmten Kammerspiels ist aber schon lange vorüber“, sagt Bavaria-Manager Schündler. „Die neue Generation von Filmemachern ist mit der amerikanischen Erzählweise groß geworden. Das prägt.“ Für den Boom der deutschen Fernsehproduktionen sind jedoch nicht nur bessere Drehbücher und eine höhere technische Qualität verantwortlich. Den Deutschen gelingt es nach Meinung von Fachleuten auch, schauspielerisch aufzuholen. Ein Beispiel dafür ist der Zweiteiler „Die Luftbrücke“ auf Sat 1. In dem Berliner Nachkriegsepos spielt Bettina Zimmermann an der Seite von Heino Ferch die Hauptrolle. „Das ist die junge Julia Roberts“, schwärmt ein niederländischer Fernsehmanager beim Einkauf des Zweiteilers, den Pro Sieben Sat 1 in Cannes verkauft.

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