Deutscher Verlag lotet Chancen auf Übernahme bei britischer Regierung aus
Springer greift nach dem Telegraph

Der deutsche Axel Springer Verlag hat mit der Londoner Regierung Kontakt aufgenommen, um die Chancen für eine Übernahme der britischen Tageszeitung „Daily Telegraph“ auszuloten. „Bei solch einem Investment ist so etwas natürlich eine ganz entscheidende Frage“, hieß es aus verhandlungsnahen Kreisen.

and/dpa LONDON. Die beiden zuständigen Ministerinnen hätten sich keineswegs ablehnend geäußert. Sowohl Kulturministerin Tessa Jowell als auch Wirtschaftsministerin Patricia Hewitt können die Übernahme an die Aufsichtsbehörden geben.

Springer habe weiterhin ein „starkes strategisches Interesse“ daran, die zum Verkauf stehende größte britische Tageszeitung mit einer Auflage von knapp 900 000 zu übernehmen, sagte ein an den Verhandlungen Beteiligter. Die Deutschen wollen 500 bis 600 Mill. Pfund bieten. Der endgültige Preis stehe aber noch nicht fest, da er vom Einblick in die Finanzen der Gruppe abhänge. Bislang hatte Springer nur begrenzten Zugang zu den Daten.

Die Telegraph-Gruppe, zu der neben der Tageszeitung noch die Sonntagsausgabe des Telegraph sowie das Polit-Magazin „Spectator“ gehören, ist profitabel und gilt als Chance zum Einstieg in den hart umkämpften englischen Zeitungsmarkt. Von einst 50 Interessenten sind noch sechs Bieter im Rennen.

Eine Vorentscheidung könnte Ende der Woche fallen, wenn der Verkäufer – die US-Gruppe Hollinger International – bekannt gibt, welche Bieter im Rennen bleiben. In London wird spekuliert, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen von Springer und den britischen Barclay-Brüdern geben könnte. Die beiden Millionäre waren bei einem ersten Übernahmeversuch des Telegraph im Januar gescheitert. Denkbar ist auch, dass noch Partnerschaften der bisherigen Bieter gibt, sagt ein Beobachter. Die britische „Sunday-Times“ berichtete bereits gestern, Holliger International habe das Springer-Gebot als zu niedrig eingestuft und abgelehnt. In Springer Kreisen war von solch einer Entscheidung nichts bekannt.

Bei der von der Investmentbank Lazard veranstalteten Auktion sollen noch der britische Rivale „Daily Mail“ sowie die Kapitalgesellschaften 3i, Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Apax zusammen mit Candover im Rennen sein. Und das Magazin „Spiegel“ berichtete am Wochenende von einem neuen Interessenten: Richard Branson. Der Gründer der Virgin-Gruppe habe mit Springer über einen gemeinsamen Einstieg beim „Telegraph“ verhandelt. Branson wolle sich dem Springer-Angebot anschließen und dann 51 % an der Londoner Zeitungsgruppe übernehmen, hieß es in Verhandlungskreisen. Da Springer aber selbst an der Mehrheit interessiert sei, seien die Gespräche ergebnislos geblieben. Offen sei, ob Branson mit anderen Bietern zusammengehe.

Springer hatte Überlegungen, mit einem Konsortium für alle Titel der Hollinger-Gruppe zu bieten, verworfen. Der Grund: Eine spätere Weitergabe der ebenfalls zum Verkauf stehenden „Jerusalem Post“ und der „Chicago Sun-Times“ würde hohe Steuerzahlungen mit sich bringen. Nach Medienberichten sollen bislang nur die US-Investoren von KKR für alle Hollinger-Titel Interesse zeigen.

Ein endgültiger Verkauf des Telegraph wird frühestens im Herbst erwartet. Da Hollinger noch in rechtliche Auseinandersetzungen mit dem Ex-Besitzer Konrad Black verstrickt sei, werde das Geschäft „eher Monate als Wochen“ dauern, heißt es auch bei Springer.

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