Deutschsprachiger Kanal soll 2007 Gewinn machen
Pro Sieben Sat 1 startet Sender in den USA

In wenigen Wochen kann Haim Saban, Mehrheitsgesellschafter des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1, in seiner amerikanischen Heimat sein eigenes Fernsehprogramm mit Sendungen wie „Der Bulle von Tölz“ und „TV Total“ sehen.

hps DÜSSELDORF. Zu Jahresbeginn startet der Kanal „Pro Sieben Sat 1 Welt“ in den USA. Bereits 2007 soll der neue Sender, der über Satellit verbreitetet wird, schwarze Zahlen liefern. „Bei bereits 25 000 Abonnenten erreichen wir die Gewinnzone“, sagte gestern ein Insider.

Die Kosten für den deutschsprachigen Sender in den USA sind bescheiden. Wie Unternehmenskreise berichten, belaufen sich die jährlichen Übertragungskosten gerade mal auf 80 000 Euro. „Es ist uns gelungen, mit sehr überschaubarem Aufwand ein aktuelles und attraktives Auslandsprogramm zu entwickeln, das wir in Zukunft in weitere Märkte exportieren wollen“, sagte Pro Sieben Sat 1-Chef Guillaume de Posch. Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien begrüßte gestern die Expansion. Präsident Wolf-Dieter Ring betonte in Anspielung auf die Amerikanisierung der deutschen Medienbranche, dass die Globalisierung keine Einbahnstraße sein dürfe.

Für Pro Sieben Sat 1 ist der neue Kanal ein überschaubares Investment. Im Gegensatz zu den früheren Zeiten unter dem Pro-Sieben-Gründer Leo Kirch gehören dem Konzern die Weltrechte an den Sendungen. Deshalb entstehen keine zusätzlichen Programmkosten. Als einzigen Luxus hat sich der neuen Kanal die Live-Übertragung zweier Bundesliga-Spiele pro Woche geleistet.

Herkömmliche deutsche Fernsehprogramme können in den USA nicht empfangen werden. Der neue Unterhaltungskanal trifft dennoch in Übersee auf öffentlich-rechtliche Konkurrenz. Das von ARD, ZDF und Deutsche Welle betriebene Auslandsfernsehen „German TV“ sendet bereits seit 2002 in den USA.

Allerdings hat der deutschsprachige Kanal, der wie „Pro Sieben Sat 1 Welt“ über Abo-Gebühren finanziert wird, bisher nur horrende Verluste eingefahren. Gerade mal 10 300 Haushalte in den Vereinigten Staaten haben ihn abonniert. Aber erst mit 70 000 Zuschauern würde der Sender die Gewinnzone erreichen.

Die Geduld der Bundesregierung mit dem Projekt geht offenbar allmählich zu Ende. Im zweiten Halbjahr 2005 soll endgültig über die Fortführung des staatlichen Auslands-Fernsehen entschieden werden. Zuletzt hatte der Bund der Steuerzahler „German TV“ als „Millionengrab“ scharf kritisiert. Der Bund finanziert das Projekt bis 2006 mit jährlich 5,113 Mill. Euro. Der Sender war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Verantwortung für den umstrittenen Kanal trägt Erik Bettermann, Intendant der Deutschen Welle.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%