Diabetes-Therapie

Wie Apple den Medizin-Markt erobern will

Die Tech-Größen aus dem Silicon Valley erobern den Medizin-Markt. Apple und Google wollen mit modernen Sensoren die Diabetes-Therapie revolutionieren. Warum ein Durchbruch aber noch nicht in Sicht ist.
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Auf dem Apple-Campus forschen Wissenschaftler an einer neuen Diabetes-Therapie. Quelle: Reuters
Silicon Valley

Auf dem Apple-Campus forschen Wissenschaftler an einer neuen Diabetes-Therapie.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfEs ist die Volkskrankheit Nummer eins und ein riesiger Markt für die Gesundheitsbranche: Mehr als 400 Millionen Menschen sind weltweit an Diabetes erkrankt, als einer chronischen Erhöhung des Blutzuckerwertes. Die Zahl der Patienten hat sich seit 1980 vervierfacht, allein in Deutschland erkranken Schätzungen zufolge jedes Jahr 300.000 Menschen neu.

Wer Diabetes hat, muss regelmäßig seinen Blutzucker messen und sich das Hormon Insulin spritzen – ein einträgliches Geschäft für Medizintechnikhersteller und Pharmafirmen. Doch die sind längst nicht mehr allein: Die Technologiekonzerne aus dem Silicon Valley haben sich die Behandlung von Diabetes zum neuen Mega-Markt erklärt.

Das jüngste Signal dafür kommt von Apple. Laut dem US-Sender CNBC hat der iPhone-Konzern ein Team von rund 30 Wissenschaftlern zusammengestellt, die außerhalb der Zentrale in Palo Alto an einer neuen Messtechnologie arbeiten: Es geht um Sensoren, die kontinuierlich den Blutzuckerwert überwachen. Der Clou: Die Apple-Technologie soll ermöglichen, dass die Werte ohne Durchstechen der Haut ermittelt werden können.

Das würde für Betroffene die unangenehme Messung per Stich und Messgerät deutlich erleichtern. Die jüngste Form der Überwachungstechnik kommt bislang vom US-Medizintechnikkonzern Abbott. Es ist ein Sensor, der am Oberarm befestigt wird und in die Haut eindringt. Die Patienten können mit einem Lesegerät über den Sensor streichen und auf diese Weise ständig ihren Blutzuckerspiegel messen. Alle 14 Tage muss der Sensor ausgetauscht werden.

Wie genau die Apple-Technologie aussehen könnte, ist nicht bekannt. Doch Projekte anderer Technologiekonzerne geben Hinweise: So arbeitet Google seit zwei Jahren gemeinsam mit dem Schweizer Pharmakonzern Novartis an einer Kontaktlinse, mit der Blutzucker-Werte bestimmt werden können. Das geschieht über die Tränenflüssigkeit. Bisher haben die Unternehmen aber noch keinen Prototypen hergestellt, die für Ende 2016 geplante Testphase wurde nach hinten verschoben.

Das zeigt, wie komplex eine solche Technologie zur Blutzuckermessung ist, bei der nicht in die Haut gepikst wird. Auch von Apple ist dabei kurzfristig kein Durchbruch zu erwarten. Dass der Konzern die Diabetes-Behandlung als neues Geschäft auserkoren hat, zeichnete sich bereits im Sommer 2016 ab, als Apple den renommierten Diabetes-Arzt Rajiv Kumar von der Stanford Clinic verpflichtete.

Wer bei Apple die Fäden zieht
Apple-Legenden
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Seine Visionen spielen bei Apple immer noch eine große Rolle. Steve Jobs (links) gründete den Konzern 1976 zusammen mit Steve Wozniak (rechts) in einer Garage. Das Bild zeigt die beiden 1984 mit dem damaligen Apple-Chef John Sculley. 1985 verließ Jobs nach einem Machtkampf das Unternehmen, kehrte aber 1997 zurück. Mit dem iMac, dem iPhone und dem iPad führte er den angeschlagenen Konzern zurück auf die Erfolgsspur und machte ihn zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt. 2011 starb Jobs an einer Krebserkrankung.

Tim Cook
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Der Manager ist seit 1998 im Konzern und übernahm 2011 die Zügel von Gründer Steve Jobs, der nur wenige Wochen später verstarb. Der Sohn eines Werftarbeiters arbeitete zunächst bei IBM und Compaq. Beim iPhone-Konzern brauchte er lange, um aus dem Schatten von Übervater Jobs hervorzutreten. Unter anderem wurde ihm vorgeworfen, keine neuen Produktinnovationen an den Start gebracht zu haben. Darauf reagierte er unter anderem mit der Einführung der Apple Watch. 2014 outete er sich als erster Chef eines amerikanischen Großkonzerns als homosexuell.

Jonathan Ive
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Der Brite hat als Chefdesigner einen der einflussreichsten Posten im Konzern. Seit 1992 arbeitet er für Apple. Sein erstes großes Projekt war der iMac, dessen Formsprache Apple-Produkte wie das iPhone oder das iPad bis heute beeinflusst. Im Mai 2015 übernahm er den neu geschaffenen Posten als Designvorstand. Ive ist ein großer Bewunderer des Braun-Designers Dieter Rams.

Luca Maestri
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Der Italiener ist seit 2013 im Vorstand von Apple für die Finanzen zuständig. Zuvor sammelte er zahlreiche internationale Erfahrung, unter anderem bei General Motors, Nokia Siemens Networks und Xerox.

Jeff Williams
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Williams ist seit 1998 im Konzern und seit Dezember 2015 Chief Operating Officer. Zuvor arbeitete er 13 Jahre lang für den Computerriesen IBM. Er spielte zunächst eine wichtige Rolle beim Einstieg des Konzerns in den Smartphone-Markt und leitete später die Entwicklung der Apple Watch.

Eddy Cue
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Eddy Cue ist ein echtes Apple-Urgestein. Der studierte Informatiker arbeitet seit 1989 für den Konzern. Er trieb zunächst den Aufbau des Online-Geschäfts von Apple voran und war später auch für den iTunes-Store und den App Store verantwortlich. Als Senior Vice President für Internet-Software und Dienstleistungen unterstehen ihm heute alle Online-Marktplätze. 2014 wurde er für seine Verdienste um die Entwicklung der Medienbranche mit dem „Spirit of Live“-Prize ausgezeichnet.

Craig Federighi
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Der Manager ist studierter Informatiker und Elektroingenieur. 1996 lernte er beim Computerhersteller Next den Apple-Gründer Steve Jobs kennen. Nach drei Jahren beim IT-Unternehmen Ariba kehrte er 2009 zu Apple zurück. Er leitet die Entwicklung der Betriebssysteme iOS und macOS. Das für Apple charakteristisch gewordene minimalistische Design geht auch auf sein Konto.

Apple und Google investieren seit einigen Jahren stark in die Medizintechnik. Denn auch hier geht es um das Kerngeschäft mit Daten: Apples Diabetes-Sensor könnte den Blutzuckerspiegel permanent ans iPhone oder an die Apple-Watch übertragen, wo er mit Hilfe von Apps analysiert wird.

Verbunden mit Daten über die Bewegung und Ernährung des Patienten könnte die Erkrankung so besser verstanden und therapiert werden. Apple stellt bereits mehrere Apps bereit, mit denen Patienten sich mit ihrem Arzt vernetzen können oder an klinischen Studien teilnehmen können. 

Die Tech-Szene im Valley hat die sogenannte Bioelektronik zum nächsten heißen Markt erklärt. Google-Mutter Alphabet hat im Herbst 2016 die gemeinsamen Pläne mit dem französischen Arzneispezialisten Sanofi vorgestellt. Ein Joint-Venture soll Geräte entwickeln, die den Patienten automatisch die korrekte Menge an Insulin verabreichen. Mit dem britischen Pharmakonzern Glaxo Smithkline betreibt Alphabet ebenfalls ein Gemeinschaftsunternehmen. Dabei geht es um die Entwicklung von winzigen, bioelektronisch gesteuerten Geräten, mit denen die Nervensignale im Körper beeinflusst werden können. Damit sollen chronische Erkrankungen wie Diabetes und Asthma besser behandelt werden.  

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