Die beiden IT-Konzerne legen jahrelangen Streit durch einen Milliardenvergleich bei
Sun düpiert EU-Kommission

Die überraschende Einigung zwischen den Konzernen Microsoft und Sun setzt EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti unter Druck. Mit Sun verliert er einen seiner wichtigsten Verbündeten im Kartellverfahren gegen Microsoft.

je/sce/tnt SAN FRANCISCO/BRÜSSEL. Der Computerkonzern bekommt insgesamt vom Softwareriesen 1,95 Mrd. $ zur Beendigung kartell- und patentrechtlicher Streitigkeiten. Sun hatte die Programmiersprache Java 1995 mit dem Versprechen auf den Markt gebracht, auf Java-Basis geschriebene Software sei universell einsetzbar. Microsoft reagierte sofort, lizenzierte die Software, veränderte sie aber so, dass sie am besten unter dem eigenen Windows-Programm lief. Java soll die Verwendung derselben Programme auf unterschiedlichen Geräten – von Computern bis zu Handys – unabhängig vom Betriebssystem ermöglichen. Sun zog vor Gericht und reichte auch bei der EU-Kommission Klage gegen Microsoft ein. Die EU hatte im März nach einem jahrelangen Prüfverfahren ein Bußgeld von fast 500 Mill. Euro gegen Microsoft verhängt.

Am Freitag dann die überraschende Wende. Beide Firmen einigten sich nach ihrem jahrelang erbittert geführten Streit durch den Milliardenvergleich friedlich. Die Einigung spült zu einem Zeitpunkt viel geld in die Sun-Kassen, zu dem der Konzern nach einer deutlichen Umsatz- und Ergebniswarnung für das dritte Quartal die Entlassung von 3 300 Mitarbeitern angekündigt hat. Gleichzeitig sprang der Sun-Aktienkurs um rund 20 % auf 5,06 $. Sun entwickelt Netzrechner (Server) und Software, die in Teilen mit Microsofts Windows konkurriert.

„Ich weiß, die meisten von Ihnen denken, das ist bizarr, er und ich hier zusammen“, sagte Sun-Chef Scott McNealy auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Microsoft-Chef Steve Ballmer. In der Vergangenheit war McNealy wiederholt durch verbale Attacken gegen die „Bestie aus Redmond“ aufgefallen. Doch „unsere Kunden nutzen beide Technologieplattformen und wollen endlich Frieden zwischen uns“, sagte McNealy.

Doch der überraschende Burgfrieden könnte auch für das EU-Wettbewerbsverfahren gegen Microsoft Folgen haben. Vor kurzem hatte die EU-Kommission Microsoft zu einer Rekordbuße von 497 Mill. Euro und Auflagen für die künftige Produktgestaltung verdonnert. Sun ist einer der Hauptkläger im Teilstreit um die Offenlegung von Schnittstelleninformationen durch Microsoft, die für das Zusammenspiel von Servern mit unterschiedlichen Betriebssystemen notwendig sind. Die Einigung öffnet nun die Tür für die gegenseitige Lizenzierung von Patentrechten und eine Zusammenarbeit der Technologieplattformen beider Firmen.

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