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18.08.2008  | Aktualisiert 18.08.2008, 20:18 Uhr 
Infineon-Chef Peter Bauer im Interview

„Die Chip-Branche bleibt in Europa“

von Joachim Hofer

Die zweistelligen Wachstumsraten in der Halbleiterbranche sind nach Ansicht des neuen Infineon-Chefs Peter Bauer für immer vorbei. „Die ganz großen Sprünge wird es nicht mehr geben“, sagte der Vorstandssprecher des Münchener Chipherstellers. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt er außerdem, warum er für den Chipstandort Deutschland eine Zukunft sieht.

Die zweistelligen Wachstumsraten in der Halbleiterbranche sind nach Ansicht des neuen Infineon-Chefs Peter Bauer für immer vorbei. Nach wie vor könne die Branche aber Jahr für Jahr um einen hohen einstelligen Prozentsatz zulegen, so Bauer im Interview mit dem Handelsblatt. Foto: apLupe

Die zweistelligen Wachstumsraten in der Halbleiterbranche sind nach Ansicht des neuen Infineon-Chefs Peter Bauer für immer vorbei. Nach wie vor könne die Branche aber Jahr für Jahr um einen hohen einstelligen Prozentsatz zulegen, so Bauer im Interview mit dem Handelsblatt. Foto: ap

Handelsblatt: Herr Bauer, Halbleiter sind in fast alle Bereiche unseres Lebens eingezogen. Trotzdem lässt das Wachstum der Branche seit einiger Zeit nach. Was läuft schief?

Peter Bauer: Die Stückzahlen sind in der Vergangenheit stark gestiegen, und sie werden auch in der Zukunft steigen. Auf der anderen Seite ist dieses Geschäft aber extrem wettbewerbsintensiv, das führt zu fallenden Preisen. Wenn man das gegeneinander aufrechnet, ergibt sich mittlerweile Jahr für Jahr ein hohes einstelliges Wachstum. Das ist nicht schlecht, es gibt kaum Industrien, die das schaffen. Wir sind nur etwas verwöhnt, weil vor der Internet-Blase die Halbleiterei im Schnitt 15 Prozent gewachsen ist.

Muss sich die Branche von den 15 Prozent Wachstum auf Dauer verabschieden?

Ich denke schon, denn unsere Branche kommt jetzt weltweit in eine Reifephase. Das liegt unter anderem daran, dass wir mit unseren Chips schon in sehr vielen Produkten vertreten sind, die Durchdringung steigt also nicht mehr so stark wie früher. Deshalb wird es die ganz großen Sprünge in der Zukunft nicht mehr geben.

Was heißt das für die Anbieter?

Grundsätzlich stellen wir uns in zwei Aspekten darauf ein. Erstens durch strenges Kosten- und Produktivitätsmanagement. Zum Zweiten durch Innovationen. Und das schaffen wir am besten, wenn wir den Endkunden-Nutzen noch besser verstehen lernen. Das gilt zum Beispiel für das wichtige Thema Energieeffizienz, wo unsere Chips schon einen gehörigen Beitrag leisten.

Immer mehr Konzerne aus Ihrer Branche geben einen Teil ihrer eigenen Fertigung auf, um Geld zu sparen. Wird sich das durchsetzen?

Da gibt es keinen einheitlichen Trend. Im Speichergeschäft, das wir als Infineon ja nicht mehr als Kerngeschäft betreiben, gehören Fertigung und Entwicklung untrennbar zusammen. Die Produktivität in diesem Massenmarkt kommt aus den Werken. Anders sieht es aus, wenn es um Chips mit sehr kleinen Strukturen geht, die für spezielle Anwendungen entwickelt werden. Da geht es in Richtung der Fremdfertiger. Das liegt daran, dass hier die Skaleneffekte fehlen. Keiner der Anbieter kann sich die nötige Fabrik für drei Milliarden Dollar alleine leisten. In anderen Gebieten, wo die Chips nicht ganz so klein sein müssen, fertigen auch wir, wie viele andere, noch selbst.

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