Die Firma Medien-Tenor nimmt Zeitungen und Fernsehen für Kunden aus Politik und Wirtschaft unter die Lupe
Die Erbsenzähler der Medienwelt

Die Firma Medientenor in Bonn betreibt Medienforschung für Wirtschaft und Politik. Minuziös notiert und bewertet sie Informationen und Meinungen in der deutschen Medienlandschaft für ihre Kunden, die nicht nur aus Deutschland kommen.

BONN. Seinen Augen und Ohren entgeht nichts. Simon Rieger konzentriert sich auf seinen Computerbildschirm, über den gerade das „heute-journal“ mit Anchorman Claus Kleber vom Vorabend läuft. Minuziös notiert und bewertet er die Informationen und Meinungen des einflussreichen ZDF-Nachrichten Flaggschiffes. Rieger ist einer von Dutzenden so genannter Codierer bei Medien-Tenor in Bonn.

Die Firma, die in einer alten, renovierungsbedürftigen Gründerzeitvilla im ehemaligen Bonner Regierungsviertel zu Hause ist, betreibt Medienforschung für Wirtschaft und Politik. „Ein Drittel aller Dax-Unternehmen sind unsere Kunden“, schwärmt Geschäftsführer und Gesellschafter Wolfgang Stock. Die Geschäfte laufen gut. „Der Gewinn entwickelt sich erfreulich“. Zahlen will der frühere FAZ-Korrespondent aber nicht nennen. Nur so viel: Die Umsätze in diesem Jahr bewegen sich zwischen vier und fünf Mill. Euro. „Gerade in schwierigen Zeiten sind unsere Informationen entscheidend“, sagt der 45-Jährige über das Interesse seiner Kunden, von denen die meisten aber ungenannt bleiben wollen.

Auf die Codierer, die für Stundenlöhne zwischen knapp sieben bis 17,50 Euro arbeiten, kommt in diesen Tagen viel Arbeit zu. Seit einiger Zeit werden zusätzlich 20 arabische Fernsehsender analysiert. Auftraggeber ist das amerikanische Außenministerium. Das State Department lässt von den Bonner Medienforschern prüfen, ob der Antiamerikanismus zunehme. Aber auch große Konzerne schätzen das Zitate-Ranking und die Inhaltsanalysen von Medien-Tenor: Allianz, BMW, Vodafone oder der Krisen geschüttelte Finanzdienstleister MLP. Auch Medienunternehmen wie die Deutsche Welle, das Handelsblatt und früher auch die Kirch-Gruppe schätzen die Dienste der Bonner.

175 Mitarbeiter aus über 35 Ländern sitzen in engen, hohen Räumen vor den Bildschirmen und werten minuziös Tag für Tag alle wichtigen Blätter von der „Sächsischen Zeitung“ über „El Pais“ bis zu Wirtschaftsmedien wie „Les Echos“ aus. „PR ist eine der ganz wenigen Bereiche in einem Konzern, der sich mit Zahlen nicht messen lässt. Das hat sich mit uns geändert“, sagt Stock selbstsicher. Doch längst sind nicht alle Kommunikationschefs von den Ergebnissen begeistert, vor allem dann nicht, wenn sie eigene Fehlleistungen dokumentieren. Konflikte sind bisweilen unvermeidlich.

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