„Die Höhle der Löwen“ Darum ist die Gründershow so erfolgreich

Die zweite Folge der neuen Staffel „Die Höhle der Löwen“ bei Vox holte noch einmal bessere Quoten als die ohnehin schon gute Auftaktfolge. Woher kommt die Begeisterung des Publikums für das Gründer-Casting?
Der prominente Unternehmer füllt die ihm zugedachte Rolle in der neuen Staffel sehr gut aus. Quelle: VOX
Juror Carsten Maschmeyer

Der prominente Unternehmer füllt die ihm zugedachte Rolle in der neuen Staffel sehr gut aus.

(Foto: VOX)

1. Substanz

Hier werden echte Gründer mit guten oder zumindest interessanten Ideen präsentiert. So zum Beispiel der 60-jährige Installateur-Meister in der jüngsten Folge, der mit der „Abfluss Fee“ dem lästigen Problem von verschmutzten Waschbecken-Abflüssen zu Leibe rückte. Die meisten der Kandidaten haben tolle Ideen und Mut und Einfallsreichtum bei der Umsetzung bewiesen.

Ein anderes Beispiel aus der jüngsten Folge ist der frühere Zahntechniker, der einen revolutionären Reparatur-Stift entwickelte. Das ist echter Erfindergeist und begeistert nicht nur die Jury-Mitglieder, sondern auch die Zuschauer zu Hause. Die Show setzt auf wirkliches Talent und Können und nicht auf den schnellen Knalleffekt.

Umgekehrt sieht es der Zuschauer auch gerne, wenn überhebliche Jung-Gründer mit unausgereiften Ideen und überzogenen Forderungen sich an den Löwen die Zähne ausbeißen (die Flaschen-Zwillinge aus der zweiten Folge). Die Show funktioniert hier ähnlich wie „Rach der Restauranttester“ zu seinen besten Zeiten. Beides ist unterhaltsam anzuschauen: Die „guten“ Gründer werden belohnt, die „schlechten“ abgewatscht.

2. Jury

Die Zusammensetzung der Löwen-Runde ist auch in neuer Besetzung überaus stimmig. Dass der Elder Statesman Vural Öger im echten Leben pleite ging, hätte leicht peinlich sein können. Die Produktion fand mit Carsten Maschmeyer aber einen prominenten und durchaus umstrittenen Ersatzmann. Bislang füllt Maschmeyer die ihm zugedachte Rolle sehr gut aus. Dass er immer wieder seine Ehe mit der Schauspielerin Veronika Ferres erwähnt und über keinen absolut untadeligen Ruf verfügt – für die Show ist es unerheblich. Die schon immer eher schwache Lencke Steiner, die sowieso fast nie investierte, wurde durch den Vertriebler Ralf Dümmel ersetzt.

Das wurde aus den Deals der Start-up-Show
Die Höhle der Löwen Jury
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Die Jury der zweiten Staffel (von links): Vural Öger, Judith Williams, Frank Thelen, Lencke Wischhusen und Jochen Schweizer. Vor der Kamera schlossen sie 35 Deals. Doch nur die wenigsten kamen auch zu Stande.

Little Lunch
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Die erfolgreichsten Gründer der zweiten Staffel: Die Brüder Denis und Daniel Gibisch konnten mit ihren Bio-Suppen gleich drei der fünf Juroren überzeugen: Peter Thelen, Vural Öger und Judith Williams investierten insgesamt 100.000 Euro und bekamen im Gegenzug 30 Prozent der Anteile von Little Lunch. Mittlerweile ist nur noch Thelen investiert – aber das Unternehmen wächst rasant. Das Sortiment wurde erweitert, 18 Mitarbeiter kamen dazu, ihre Suppen sind auch in Großbritannien und China erhältlich. Die Gibisch-Brüder treiben die Expansion weiter voran und wollen im laufenden Jahr 20 Millionen Umsatz machen.

Von Floerke
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Firmengründer David Schirrmachers Pitch war so überzeugend, dass selbst „Krawattenallergiker“ Frank Thelen einsteigen wollte: Am Ende machten Vural Öger, Judith Williams und Frank Thelen gemeinsame Sache und boten 100.000 Euro für 33 Prozent des Herrenaccessoire-Start-ups. Mittlerweile finden sich die Krawatten und Fliegen der Firma bei etablierten Warenhäusern und Modeketten wie Sinn Leffers. Von Floerke soll 2016 etwa 4 Millionen Euro Umsatz machen, die Kollektionen sollen um Schuhe, Hosen und Hemden erweitert werden. Mittlerweile sind auch andere Investoren wie der Gründer und Chef von My Taxi, Nic Mewes, Anteile gezeichnet hat.

Heimatgut
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Doch längst nicht in allen Fällen, in denen vor der Kamera ein Deal geschlossen wurde, floss tatsächlich Geld. Wie das Portal Gründerszene.de recherchierte, platzten von 35 zugesagten Deals im Nachhinein 26. So sagte Juror Jochen Schweizer 125.000 Euro für 15 Prozent von Heimatgut zu, die vegane und glutenfreie Chips aus Wirsing herstellen. Doch die Unterlagen, die die Gründer im Nachhinein einreichten, überzeugten dann doch nicht, sagte der Eventmanager dem Portal. Für Heimatgut hat sich der Pitch vor Millionenpublikum trotzdem gelohnt: Ihre Internetseite war während der Ausstrahlung der Sendung nicht zu erreichen. Mittlerweile haben die Gründer Maurice Fischer und Aryan Moghaddam ihr Sortiment deutlich erweitert.

Koawach
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Auch beim Startup Koawach versprach Juror Jochen Schweizer zunächst viel – doch ein Deal kam schließlich nicht zu Stande. Die Gründer Heiko Butz und Daniel Duarte stellen eine mit natürlichen Koffein aus Guarana versetzte Trinkschokolade her. Schweizer wollte 120.000 Euro für einen Anteil von zehn Prozent an Koawach zahlen. Doch der Deal platzte ebenfalls. Beide Seiten hätten festgestellt, dass ein Investment nicht passend sei, sagte Co-Gründer Duarte dem Hamburger Abendblatt. Doch der Auftritt bei Vox hat sich dennoch gelohnt: Seit der Ausstrahlung der Sendung im Oktober 2015 gingen 30.000 Bestelllungen ein. Im ersten Jahr der Firmengründung waren es nur 1000 Online-Bestellungen. 2016 will das Unternehmen mehr als 4 Millionen Euro umsetzten, Expansionen in die Niederlande und Großbritannien sind laut Abendblatt geplant.

Scoo.me
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Mit der Vermietung von E-Rollern in großen deutschen Städten überzeugten die Scoo.me-Gründer Christoph Becker und Magnus Schmidt Jurorin Lencke Steiner. Sie bot für 30 Prozent der Anteile 100.000 Euro. Doch die beiden Gründer nutzten die Plattform Fernsehshow und zogen ein „attraktiveres Alternativ-Investment“ an, wie sie der Plattform Gründerszene verrieten. Business Angel Hubert Barth ist statt Steiner investiert. Neben dem Startmarkt München ist Scoo.me nun auch in Köln aktiv. Immerhin gibt es eine Kooperation mit „Löwe“ Jochen Schweizer. Auf dessen Event-Gutscheinshop ist auch ein Vespa-Trip durch München mit Scoo.me erhältlich.

Einhorn.my
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Sie fielen bei den „Löwen“ durch – doch der Auftritt bei der Startup-Show war auch für Waldemar Zeiler (links) und Philip Siefer ein voller Erfolg. Die beiden Gründer brachten die Juroren mit „Einhorn“, einem Start-up für vegane und fair produzierte Kondome, kollektiv zum Lachen. Zwar wollte keiner der Kapitalgeber investieren. Doch auch „Einhorn“ konnte sich über einen Kundenansturm nach der Ausstrahlung der Sendung freuen. Eine Rechtsstreit und die begleitende Medienberichterstattung über den Claim „Sieben Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen“ sorgten für zusätzliche Publicity.

Eine gute Wahl, denn Dümmel ist entscheidungsfreudiger und bringt die Spielfarbe Massenmarkt in die Show („… soundsoviele Regalmeter …“, „… ganz Deutschland zuplakatieren …“ usw.). Die drei stärksten Jurymitglieder sind aber Judith Williams mit ihrer Empathie, Frank Thelen mit einer gewissen Rabautzigkeit und Jochen Schweitzer als verständnisvoller Investor-Onkel. Die drei bilden eine gut funktionierende Kerngruppe, bei der sich die beiden Neuen passend einfügen.

3. Präsentation

Die Show verzichtet weitgehend auf rührselige oder ablenkende Hintergrund-Geschichten rund um Schicksale der Kandidaten. Im Vordergrund stehen die Ideen und Produkte sowie deren Bewertung. Es gibt ab und zu kurze Einspieler über den Werdegang eines Start-ups nachdem es in der Show war, was völlig in Ordnung ist. Der Kern der Show – Präsentation und Bewertung – ist so stark, dass man kein weiteres emotionales Beiwerk braucht. Emotionen gibt es genug bei der Präsentation, wenn etwa die Gründerin eines Hochzeits-Plan-Dienstes in Tränen ausbricht, weil sie schon zu viel an ihrem Unternehmen weggegeben hat.

Vielschichtig und dauerhaft spannend
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