Vor zwei Jahren wurde der IT-Riese Hewlett-Packard von einem heftigen Spitzelskandal erschüttert – ähnlich wie jetzt die Deutsche Telekom. Fast könnte man glauben, der Bonner Konzern hätte sich HP zum Vorbild für das eigene Handeln genommen. Die Parallelen in der Entwicklung geben einen Vorgeschmack darauf, was in den kommenden Monaten auf die Telekom zukommen könnte.
Wegen der Spitzelaffäre musste Vorstandsvorsitzende Patricia Dunn ihren Job an den HP-Chef Mark Hurd abgeben. Foto: ap
FRANKFURT/MAILAND. Die Nervosität ist dem Mann mit dem gescheitelten dunklen Haar anzumerken. Mit zittriger Stimme trägt er sein Statement vor. Er spricht von "betrüblichen Methoden" und entschuldigt sich bei den Betroffenen. Es geht um einen Spitzelskandal, um fragwürdige Methoden, undichte Stellen im Unternehmen aufzudecken. Und es geht darum, das Vertrauen zurückzugewinnen.
Nein, die Rede ist nicht von René Obermann, dem Chef der Deutschen Telekom. Es ist September 2006. Am Mikrofon steht Mark Hurd, der Chef des IT-Riesen Hewlett
-Packard. Der . Wäre es nicht so tragisch, so erschreckend, fast könnte man glauben, Geradezu frappierend sind die Parallelen.
Heute, bei der Telekom
, wie damals bei HP
sollen Mitglieder der Kontrollgremien und Journalisten ausgespäht worden sein. Heute wie damals stehen sensible Telefondaten wie Anruflisten, Anrufhäufigkeit und die Gesprächsdauer der betroffenen Personen im Mittelpunkt des Skandals.
Heute wie damals geht es um Unternehmen, die gerade mit Blick auf den Datenschutz und den sensiblen Umgang mit Informationen besonders in der Öffentlichkeit stehen: die Deutsche Telekom als gesetzlicher Träger des Kommunikationsgeheimnisses, HP
mit den von den beiden Gründern Bill Hewlett und Dave Packard von Beginn an hochgehaltenen ethischen Standards, dem viel zitierten "HP-Way".
Alles beginnt Ende 2004. CEO Carly Fiorina steht nach der schwierigen Übernahme des Rivalen Compaq unter Druck. Immer wieder dringen Details der Debatten im Verwaltungsrat, dem Kontrollgremium, an die Presse. Das bleibt auch so, als Fiorina schließlich durch Hurd ersetzt wird. Verwaltungsratschefin Patricia Dunn ist sauer und beauftragt die Detektei Security Outsourcing Solutions mit der Untersuchung des Falls, Codename "Kona 1". Zwar werden die Ermittlungen im Herbst 2005 abgebrochen. Doch als kurze Zeit später erneut vertrauliche Informationen in den Medien auftauchen, startet "Kona 2". Es ist schließlich Verwaltungsratsmitglied Thomas Perkins, enttäuschter Compaq-Aktionär, der die Vorgänge Ende 2006 an die Öffentlichkeit zerrt.
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Die Einzelheiten, die publik werden, sind erschreckend. So beschafften sich die Detektive unter falschem Namen die Telefondaten der Betroffenen, durchsuchten sogar deren Müll. Als Putzpersonal verkleidete Ermittler sollten gar in den Redaktionsbüros spitzeln, ein Plan, der aber niemals umgesetzt wurde.
Das ist weit mehr als das, was bislang bei der Deutschen Telekom bekannt ist. Dennoch liefert das, was bei HP
folgte, einen Vorgeschmack darauf, was in den kommenden Monaten auf den Bonner Konzern niederprasseln könnte. Verwaltungsratschefin Dunn musste ihren Hut nehmen, ebenso zwei weitere führende Manager. Eine Flut von Klagen und Ermittlungen ergoss sich über HP
, obwohl der Konzern in einem ersten Vergleich 14,5 Millionen Dollar zahlte. Dennoch verklagten Journalisten den IT-Riesen auf Schadensersatz. Verwaltungsratschefin Dunn wurde zwar von allen Vorwürfen freigesprochen, dies aber wohl vor allem wegen ihrer schweren Krebserkrankungen. Auch in der Politik sorgte der Skandal für Aufsehen, es wurden gar Parallelen zu der Watergate-Affäre gezogen. In einer im Fernsehen übertragenen Anhörung mussten Hurd und Dunn Stellung beziehen. Am Ende blieb nur HP
-Chef Hurd unbehelligt. Er sprach später von einem echten "Schurkenstück".
Eine Spitzelaffäre hat auch den Ex-Monopolisten Telecom Italia erschüttert. Allerdings ist dieser Fall anders gelagert als bei HP
und der Telekom
. Im September 2006 hatte die Justiz einen Abhörring aufgedeckt, der sich unter anderem aus Vertretern des Sicherheitsdienstes des Unternehmens zusammensetzte. Die Täter sollen über zehn Jahre Zehntausende Menschen, darunter auch Manager, Politiker, Fußballstars und Journalisten abgehört oder zumindest die Verbindungen registriert haben, um die Informationen weiterzuverkaufen. Schlüsselfigur des Skandals war Giuliano Tavaroli, der Sicherheitsbeauftragte des Konzerns. Er soll gemeinsam mit einem Privatdetektiv und dem Ex-Vize des italienischen Sismi-Geheimdienstes, Marco Mancini, geheime Informationen gestohlen haben. Auch korrupte Polizisten sollen dabei geholfen haben. Der Erlös für diese Spitzeldienste: 20 Millionen Euro. jkn/kk

