Die Einzelheiten, die publik werden, sind erschreckend. So beschafften sich die Detektive unter falschem Namen die Telefondaten der Betroffenen, durchsuchten sogar deren Müll. Als Putzpersonal verkleidete Ermittler sollten gar in den Redaktionsbüros spitzeln, ein Plan, der aber niemals umgesetzt wurde.
Das ist weit mehr als das, was bislang bei der Deutschen Telekom bekannt ist. Dennoch liefert das, was bei HP
folgte, einen Vorgeschmack darauf, was in den kommenden Monaten auf den Bonner Konzern niederprasseln könnte. Verwaltungsratschefin Dunn musste ihren Hut nehmen, ebenso zwei weitere führende Manager. Eine Flut von Klagen und Ermittlungen ergoss sich über HP
, obwohl der Konzern in einem ersten Vergleich 14,5 Millionen Dollar zahlte. Dennoch verklagten Journalisten den IT-Riesen auf Schadensersatz. Verwaltungsratschefin Dunn wurde zwar von allen Vorwürfen freigesprochen, dies aber wohl vor allem wegen ihrer schweren Krebserkrankungen. Auch in der Politik sorgte der Skandal für Aufsehen, es wurden gar Parallelen zu der Watergate-Affäre gezogen. In einer im Fernsehen übertragenen Anhörung mussten Hurd und Dunn Stellung beziehen. Am Ende blieb nur HP
-Chef Hurd unbehelligt. Er sprach später von einem echten "Schurkenstück".
Eine Spitzelaffäre hat auch den Ex-Monopolisten Telecom Italia erschüttert. Allerdings ist dieser Fall anders gelagert als bei HP
und der Telekom
. Im September 2006 hatte die Justiz einen Abhörring aufgedeckt, der sich unter anderem aus Vertretern des Sicherheitsdienstes des Unternehmens zusammensetzte. Die Täter sollen über zehn Jahre Zehntausende Menschen, darunter auch Manager, Politiker, Fußballstars und Journalisten abgehört oder zumindest die Verbindungen registriert haben, um die Informationen weiterzuverkaufen. Schlüsselfigur des Skandals war Giuliano Tavaroli, der Sicherheitsbeauftragte des Konzerns. Er soll gemeinsam mit einem Privatdetektiv und dem Ex-Vize des italienischen Sismi-Geheimdienstes, Marco Mancini, geheime Informationen gestohlen haben. Auch korrupte Polizisten sollen dabei geholfen haben. Der Erlös für diese Spitzeldienste: 20 Millionen Euro. jkn/kk

