09.04.2008

Standortsuche: Die IT-Branche zieht es in die Schweiz

Yahoo, Ebay, Google – immer mehr Unternehmen verlegen ihre Europazentrale in die Alpenrepublik. Ausschließich der niedrigen Steuern wegen, könnte man meinen. Die Unternehmen selbst führen davon abgesehen noch ganz andere Argumente ins Feld.

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ZÜRICH. Die Kiesauffahrt knirscht. An der Schranke richtet sich ein elektronisches Auge auf den Besucher, bevor sie nach oben klappt. Drinnen im ehemaligen Bauernhaus am Zuger Berg im Schweizer Steuerparadies haben Architekten weiß-nüchterne Büroatmosphäre zwischen braun-warmes Fachwerk gestopft.

Hier oben mit Blick auf Apfelbäume und den Zuger See residiert der gesamte Vorstand des finnischen Unternehmens Elcoteq, das mit weltweit 25 000 Mitarbeitern für Nokia und andere Handys zusammenschraubt. Auch wegen der schönen Aussicht und der hiesigen niedrigen Steuern? "Nein, das wäre ein bisschen zu billig" entgegnet Carsten Barth, der für die Strategie bei dem IT-Ausrüster verantwortlich ist.

Elcoteq ist vielleicht der unspektakulärste Fall einer ganzen Reihe von Umzüglern aus der IT-Branche, die die Schweiz als neuen Hauptstandort für ihr Europa-Geschäft entdeckt haben. Zu den klingenderen Namen gehören Ebay, Google und demnächst auch Yahoo, die sich am Genfer See niederlassen wollen. Ebenfalls mit Blick auf Obstbäume und auch mit der Aussicht, vom Fiskus nicht zu sehr bedrängt zu werden.

Künftig soll bei Yahoo ein Teil des europäischen Geschäfts vom waadtländischen Dorf Rolle aus gelenkt werden, statt von der britischen Finanzmetropole London. In dem knapp 5 000 Einwohner großen Städtchen in Seenähe werden bald schon an die hundert Angestellte des kalifornischen Technologieunternehmens beschäftigt sein. Wie der Direktor der Waadtländer Wirtschaftsförderung, Jean Frédéric Berthoud, bestätigte, profitiert der Konzern von Steuererleichterung, die im vergangenen Jahr im Rahmen eines Wirtschaftsförderungsprogramms beschlossen worden sind.

Google hat in Zürich im vergangenen Monat sein Entwicklungszentrum eröffnet, den größten Forschungsstandort außerhalb der USA. Er beherbergt 300 "Googlers", wie sich die Mitarbeiter selbst nennen, aus 40 Nationen. Das Büro auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei ist nicht nur optisch der letzte Schrei, sondern auch auf Zuwachs gebaut: 500 Mitarbeiter mehr fänden hier auch noch Platz.

Zürich liege geographisch ideal, biete eine sehr gute Lebensqualität und sei investitionsfreundlich, heißt es aus der Google -Zentrale zur Begründung, warum die Schweiz das Rennen um den Standort gewonnen hat. Darüber hinaus sei die Beantragung von Visa unkompliziert und - man höre und staune - das Lohnniveau hoch. Für die IT-Forscher ist das im Wettbewerb um die besten Köpfe offenbar ein Pluspunkt.

Im Vergleich zu diesen Neuankömmlingen sind Ebay und Elcoteq, einst durch den Kauf eines ABB -Werkes in der Schweiz gelandet, alte Hasen. Als Ebay im Jahr 2003 nach Bern zog, um künftig von dort aus seine internationales Geschäft zu steuern, überschlugen sich die Stadtoberen mit Willkommensgrüßen: "Die Ansiedlung eines der führenden dot-com Unternehmen weltweit macht die Dynamik in diesem Kanton deutlich", meinte die damalige Regierungsrätin Elisabeth Zölch und führte "unschlagbare Vorteile" ihres Kantons ins Feld: An erster Stelle kamen auch hier wieder die Steuersätze, die im nationalen Umfeld in Bern zwar nicht besonders günstig, im internationalen Vergleich aber attraktiv erscheinen. Touristische Sehenswürdigkeiten in kurzer Entfernung sowie viele qualifizierte, mehrsprachige Arbeitskräfte sind weitere Vorteile, mit denen die Wirtschaftsförderer erfolgreich auf Werbetour gehen.

Verfangen diese Argumente wirklich? Elcoteq-Stratege Barth erzählt. Wie so viele Firmen der Branche hat auch sein Unternehmen in wenigen Jahren ein stürmisches Umsatzwachstum erlebt. Das habe die Internationalisierung des Standorts notwendig gemacht: "Wir brauchten einen Standort und eine Identität, die deutlich über die Nationalität hinausreicht." Da kam die politisch neutrale und wirtschaftlich noch gesunde Schweiz gerade recht. "Mit einem Standort hier", glaubt Barth, "laufen wir nirgendwo in der Welt Gefahr, Vorurteilen zu unterliegen."

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