Jeff Jarvis ist einer der renommiertesten Unternehmensberater, wenn es darum geht, alte und neue Medien miteinander zu verbinden. Der Gründer von „Entertainment Weekly“ und Blogger arbeitet gerade an einem Buch über Unternehmensstrategien im Web 2.0, das im Frühjahr unter dem Titel „WWGD - What Would Google Do?“ erscheinen wird. Im Interview mit dem Handelsblatt äußerte er sich zu den Übernahmeplänen von Yahoo durch Microsoft.
Handelsblatt: Mr. Jarvis, Microsoft kämpft weiter um Yahoo. Ist Microhoo aus Ihrer Sicht eine gute Idee?
Jeff Jarvis : Ich glaube, die Microsoft-Yahoo-Kombination ergibt wenig Sinn. Das ist Microsofts Versuch, Reichweite zu kaufen – gerade so, als ob man heute sein Publikum besitzen kann oder als ob Menschen ge- und verkauft werden könnten. Das ist die Sicht der Alten Medien: Sie kontrollieren Inhalten, vermarkten ihn, damit Leut herbeikommen, zeigen denen Werbung und verabschieden sie wieder.
Welches ist denn der richtige Weg?
Der neue Weg – der Google-Weg – bedeutet Distribution. Man muss seine Inhalte, seine Marke, seine Werbung exportier- und einbettbar machen, so wie es Google mit Adsense, Youtube-Videos oder Google Maps macht. Ich glaube, Yahoo und AOL sollten beide diesem Beispiel folgen, sie sollten alles, was sie haben, exportierbar machen und eine Plattform werden, auf der Individuen und Unternehmen Inhalte erstellen und vermischen, vielleicht sogar ein neues Geschäft starten.
Ist das die einzige Möglichkeit?
Die andere Chance wäre, das Werbenetz für die distribuierte Welt zu warden. Das Problem: Google war zuerst da. AOL und Yahoo haben ein Vermögen in Werbeplattformen investiert. Aber sie haben das eben im Stil der Alten Medien getan, wollten Publikum und Netzwerke unter ihrem Dach versammeln
Und wie sehen Sie die Übernahme für Microsoft?
Microsoft versucht sich die Online-Strategie zu kaufen, die sie selbst nicht aufbauen konnten.
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Nun versucht Yahoo sich mit AOL zu retten. Ein guter Zug?
Yahoo und AOL versuchen die Online-Strategie wiederzufinden, die sie verloren haben. Werden sie besser zusammen sein, als allein? Das hängt davon ab, wer sie führt und wer eine Strategie vorlegt. Offensichtlich haben die Amtsinhaber in beiden Unternehmen versagt. Nun wäre eine Führung nötig, die die neue Architektur der Medienwelt versteht. Ich bin mir nicht sicher, ob die beiden eine solche Person finden. Die beiden verfehlten Strategien und unterschiedlichen Kulturen zusammenzunageln, damit etwas Neues daraus wird, ist eine undankbare Aufgabe.
Was steckt nach Ihrer Meinung denn hinter dem Interesse von News Corp.?
News Corp. ist sehr schlau. Das Unternehmen versucht Risiken bei Myspace abzuwälzen. Viele Leute haben den Kauf von Myspace anfangs belacht. Er stellte sich aber als sehr klug heraus, wie viele Züge Murdochs, die zunächst belächelt werden. Myspace ist viel wert, aber seine Strategie ist irgendwie unklar, während Facebook – und noch mehr neue Plattformen wie Twitter – den Markt aufräumen und eine engere Beziehung zu ihren Mitgliedern entwickeln. Wenn Murdoch also Wert aus Myspace ziehen kann, und das am derzeitigen Höhepunkt, wird er froh sein.
Wie wird denn die Schlacht um Yahoo enden?
Ich denke, am Ende könnte Microsoft noch immer gewinnen, weil sie die einzigen sind, die ein Premium zahlen wollen. Time Warner ist ein wenig verzweifelt beim Versuch AOL loszuwerden, aber sie werden den Wert des Unternehmens nicht zu niedrig ansetzen, nachdem sie ihn einst zu hoch taxierten. News Corp. hat schon einmal gezeigt, dass sie kein Premium zahlen wollen.
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