Die neue Mobilfunk-Welt: Europäische Netzbetreiber müssen nachrüsten

Die neue Mobilfunk-Welt
Europäische Netzbetreiber müssen nachrüsten

Die Zeit drängt in Europa: Immer mehr Menschen leisten sich ein Smartphone – und das bringt die teilweise altersschwachen Mobilfunknetze an ihre Grenzen. Noch zögern allerdings viele Betreiber, denn die Erträge leiden unter den günstigen Daten-Flatrates.
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StockholmMit prall gefüllter Geldbörse sind die Telekomkonzerne zur Jahrtausendwende in das Geschäft mit mobilen Datendiensten eingestiegen. Milliarden gaben sie für den Erwerb der Mobilfunkfrequenzen aus,  allein in Deutschland waren es 50 Milliarden Euro. Viel Geld floss dann in den Aufbau der Netze. Die aber blieben ungenutzt, sehr zum Missfallen der Manager etwa bei der Deutschen Telekom oder Vodafone. Die schnelle, neue Mobilfunkwelt drohte ein Flop zu werden.

Wurde sie aber nicht: Mit der Ausbreitung von Blackberry, iPhone und anderen Smartphones boomt das Geschäft derart, dass die Netze schon heute in manchen Stunden verstopft sind. Marktforscher erwarten, dass der Datenverkehr in den kommenden Jahren massiv zunehmen wird.

Einer, der diese Entwicklung mit Wohlgefallen betrachtet, ist Hans Vestberg. Wenn heute in Barcelona die größte Branchenmesse der Welt, die Mobile World, startet, wird der Chef der schwedischen Ericsson mit den Managern von Nokia Siemens Networks (NSN), Alcatel-Lucent sowie den chinesischen Huawei und ZTE um Milliardenaufträge von den Netzbetreibern kämpfen.

Die Mobilfunkanbieter müssen nachrüsten: „Steigt der Datenverkehr, müssen die Betreiber reagieren“, sagt Vestberg dem Handelsblatt. Ericsson hofft als Branchenprimus auf einen Investitionsschub bei den Netzbetreibern. Denn viele Netze sind alt und müssen wegen des gestiegenen Datenverkehrs nachgerüstet oder modernisiert werden.

In Europa ist der Erneuerungsbedarf am größten, denn hier gibt es die meisten alten Mobilfunknetze. Europa war Vorreiter beim Ausbau des Mobilfunks, die ältesten GSM-Netze wurden vor 20 Jahren gebaut. Und selbst die ersten UMTS-Netze sind zehn Jahre alt. „Es gibt rund fünf Millionen Basisstationen weltweit, und eine Million von ihnen muss demnächst erneuert werden. Viele dieser Stationen stehen in Europa“, sagt Vestberg. Die Zeit drängt, da die Preise für die digitalen Alleskönner im Taschenformat sinken. „Immer mehr Menschen werden sich ein Smartphone leisten können, und das wird sich im Datenverkehr widerspiegeln.“

150 Milliarden Euro Investitionen nötig

Nach Schätzungen von Marktforschern wird sich das Investitionsvolumen in den kommenden sechs Jahren auf bis zu 150 Milliarden Euro belaufen. Noch aber zögern viele Netzbetreiber. Sie stecken in einem Dilemma: Denn Flatrates beim Datenverkehr, die Deckelung der Roaminggebühren bei grenzüberschreitendem Mobilfunkverkehr und Internet-Telefonie, die mit den meisten Smartphones zu niedrigen Preisen möglich ist, belasten die Erträge der Netzbetreiber – und damit deren Investitionswillen.

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