Die österreichische Telekom wehrt sich gegen die Übernahme durch die deutsche Telekom
Runde zwei im Abwehrkampf

Mit ungewöhnlichen Aktionen wehren sich die Mitarbeiter des österreichischen Mobilfunkanbieters Telering gegen T-Mobile, die scheinbar Interesse am kleinen Konkurrenten gefunden haben.

WIEN. Die Stimme am Telefon kann sich kaum verständlich machen. Auskünfte? Nein. Derzeit unmöglich. „Alle Mitarbeiter sind beim Open House.“ Ist das so etwas wie eine Betriebsversammlung? „Wie? Ich kann Sie nicht verstehen. Der Geräuschpegel ist so hoch.“ „Open House“ nennt sich die Abwehrschlacht, die sich die mehr als 600 Mitarbeiter von Telering in Wien mit der Deutschen Telekom liefern. Seit am Wochenende Gerüchte aufgetaucht sind, dass die Telekom-Tochter T-Mobile für 1,3 Mrd. Euro die österreichische Nummer vier im Mobilfunkmarkt kaufen will, ist in den hell gestrichenen Räumen von Telering das durchgestrichene magentafarbene „T“ der Deutschen Telekom der Renner. Es ist als Plakat, als Anstecker, auf dem T-Shirt und als Transparent zu haben.

Treibende Kraft des Widerstands ist Betriebsrat Adolf Beauvale. Der schmächtige Mann, der beim „Open House“ mit tosendem Beifall begrüßt wird, macht mächtig Wind. Am Montag rief er öffentlich zum Streik auf und drohte damit, das gesamte Mobilfunknetz von Telering in Österreich lahm zu legen. Mehr als eine Millionen Kunden hätten dann keinen Anschluss unter ihrer Nummer gehabt.

Beauvales Angst ist berechtigt. T-Mobile ist schon jetzt in Österreich die Nummer zwei und müsste bei einer Übernahme von Telering längst nicht deren gesamte Ausstattung und schon gar nicht alle Mitarbeiter übernehmen.

Der Erfolg der Streikdrohung kam postwendend in Form einer Nachricht vom Telering-Besitzer Western Wireless. Falls die Belegschaft auf den Streik verzichte, bekomme sie im Falle des Verkaufes an einen Mitbewerber sechs Monatsgehälter als Prämie und eine „teilweise, auf sechs Monate befristete Jobgarantie“, übermittelte Telering-Geschäftsführer Michael Krammer. Die erhitzten Gemüter konnte er damit nicht besänftigen, Beauvale schon gar nicht.

Der Betriebsrat verfasste gestern einen neuen Brief, diesmal an die Politik – und blies damit zur Runde zwei im Abwehrkampf: Der „sehr geehrte Herr Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel“ solle den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen abwenden. Statt der Deutschen solle die US-Fondsgesellschaft Permira den Zuschlag erhalten. Sie hat ebenfalls ein Angebot abgegeben, das jedoch unter dem der Telekom liegen soll. Dagegen müssten aber der zu erwartende Sozialplan gerechnet werden, was das Permira-Angebot wieder interessanter erscheinen lasse, argumentiert der Betriebsrat. Eine „rasche und eindeutige Botschaft“ der Regierung an die deutsche Adresse, dass diese Übernahme nicht genehmigt werde, sei fällig.

Dass der Betriebsrat die Höhe des deutschen Angebots anspricht, ist kein Zufall. Falls T-Mobile tatsächlich zum Zug kommt – was bei einer Aufsichtsratsitzung heute in Bonn entschieden werden könnte –, wäre die Höhe des Kaufpreises einmalig. Von den mehr als eine Million Telering-Kunden haben rund 900 000 einen Mobilfunkvertrag. Nur um diese geht es. Wenn T-Mobile 1,3 Mrd. Euro zahlt, legen die Deutschen mehr als 1400 Euro pro Kunden auf den Tisch – und damit etwa das Doppelte von dem, was in der Branche üblich ist.

Während Kanzler Schüssel noch an seiner Antwort arbeitet, hat die Opposition in der österreichischen Regierung schon ihren Standpunkt gefunden: Die Sozialdemokraten befürchten ein Oligopol. „Hier werden lediglich Marktanteile durch T-Mobile gekauft, die Arbeitsplätze im Unternehmen anschließend reduziert und die Tarife in einem immer kleiner werdenden Wettbewerb erhöht“, wettert der sozialdemokratische Politiker Kurt Eder. Offenbar trägt er wie viele andere in Österreich der Deutschen Telekom nach, dass sie vor fünf Jahren Maxmobil weggeschnappt hat, die in Österreich ebenfalls eine starke Marke waren. Damals hatten die Deutschen durch diesen Kauf ihre Position als Nummer zwei im österreichischen Mobilfunkmarkt errungen. Jetzt kommen sie zum zweiten Mal, fegen wieder eine Marke weg und vernichten dazu noch Arbeitsplätze, lauten die Bedenken.

Experten fürchten deshalb, dass der Kauf T-Mobile nicht nur Freude bereiten wird. „Es wird zu massiven Abwanderungen und einer Wertvernichtung bei Telering kommen“, sagt ein Kenner und gießt damit Wasser auf die Mühlen des Betriebsrats.

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