Die Telekom-Spitzelaffäre
Attacke gegen den Ex-Aufseher der Telekom

Fünf Jahre war Klaus Zumwinkel als Aufsichtsratschef der starke Mann bei der Telekom. Doch sein Ende als Post-Chef bedeutete auch den Rückzug bei der Deutschen Telekom. Warum der Bonner Konzern jetzt Schadensersatz von dem einst so gefeierten Manager fordert.

DÜSSELDORF. Der Dank fällt extrem unterkühlt und nüchtern aus, für einen solchen Anlass ein ungewöhnliches Vorgehen. „Klaus Zumwinkel hat die Entwicklung der Deutschen Telekom während seiner Zeit als Vorsitzender des Aufsichtsrates maßgeblich mitgestaltet“, heißt es zu seinem Abschied von diesem Posten. Man danke ihm für seinen Einsatz, lässt Telekom-Chef René Obermann per Pressemitteilung ausrichten.

Das war's. Zwei dürre Sätze. Mehr hat der Bonner Konzern nicht für Zumwinkel übrig, als er Mitte Februar 2008 ankündigt, sein Mandat als oberster Telekom-Kontrolleur nach fünf Jahren niederzulegen. Einen Tag zuvor hatte die Bochumer Staatsanwaltschaft Zumwinkels Privatvilla durchsucht – Verdacht auf Steuerhinterziehung.

Heute, 14 Monate später, hat Zumwinkels Einsatz für die Telekom ein juristisches Nachspiel, das die dürftigen, distanzierten Worte von damals in ein anderes Licht rückt: Die Telekom fordert von ihrem einstigen Aufsichtsratschef Schadensersatz für die Spitzelaffäre, die das Telekommunikationsunternehmen belastet.

Dass der ehemalige Chefaufseher in die Affäre verwickelt war, darauf hatte Obermann bereits im Februar vergangenen Jahres eindeutige Hinweise. Doch damals war der Skandal noch nicht öffentlich bekannt.

Zumwinkel soll der Konzernsicherheit den Auftrag gegeben haben, Informationslecks im Aufsichtsrat zu finden. Der Manager gilt als eine Schlüsselfigur in diesem Skandal um ausgespähte Kontrolleure, Journalisten und Gewerkschafter.

Schon bevor Zumwinkel Mitte Februar 2008 wegen seiner privaten Steuervergehen in die Schlagzeilen geriet, war er als Telekom-Aufsichtsratschef unter Druck geraten. Wichtige Großaktionäre waren unzufrieden mit seiner Amtsführung, vor allem dem Finanzinvestor Blackstone war sie zu lasch. Ansonsten aber galt Zumwinkel bis zu jenem 14. Februar, an dem die Staatsanwälte sein Haus durchsuchten, als Ehrenmann, als Vorzeigemanager, der die Post groß machte, als sparsamer Bundesverdienstkreuzträger, der öffentlich gern und ausführlich über Moral in den Führungszirkeln sprach, über Transparenz und Fairness.

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