Digitale Concierge-Services
Der Butler per SMS

Eine SMS, schon ist der Arzttermin gemacht und das Hotel reserviert. Wofür man sonst oft keine Zeit hat, erledigen nun Concierge-Services wie GoButler. Und das ganz digital. Doch der SMS-Butler bestellt nicht nur Pizza.
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Berlin/DüsseldorfEin Hotelzimmer zu reservieren ist zeitaufwendig und lästig. Besonders wenn man die Stadt, in der man nächtigen will, nicht kennt. Es soll zentral liegen, nicht zu teuer und trotzdem schön sein. Man will sich wohl fühlen, selbst wenn es nur für ein bis zwei Übernachtungen ist. Geschäftsleute geben Aufgaben wie diese an ihre Assistenten, Reiche lassen Butler für sich arbeiten. Doch: Seit diesem Jahr muss man dafür nicht mehr reich sein. Der traditionelle Butler wurde ersetzt, zumindest etwas. War er in vergangenen Jahrhunderten noch im schwarzen Frack gekleidet, die Fliege fest um den Hals, ist heute nur noch ein Smartphone nötig. Man klingelt nicht mehr nach James oder Adalbert, sondern schreibt eine SMS.

Also schrieb das Handelsblatt eine Nachricht an GoButler, den bekanntesten Concierge-Service in Deutschland, um ein Hotelzimmer im französischen Straßburg buchen zu lassen. Dort, wo Parlamentarier, Touristen und Einheimische aufeinander treffen, bedeutet „zentral“ die Altstadt oder Parlamentsnähe. Das Zimmer, das die Mitarbeiterin von GoButler, die sich Sophia nennt, gebucht hatte, liegt fernab beider Orte. Mit Gepäck ist die Innenstadt nur mit dem Taxi zu erreichen, was auf die Dauer teuer wird. Die Fotos des Hotels geben mehr Schein als Sein wieder, Hotelbesucher bemängeln das Frühstück und den langsamen Aufzug. Eine positive Überraschung gibt es aber: Die Rechnung ist bereits bezahlt. Auf Nachfrage bei GoButler antwortet Sophia: „Das prüfen wir sofort – aber nette Überraschung, oder nicht? :-)“ Der Name, der auf der Rechnung steht: Navid Hadzaad, Gründer von GoButler. Ein Versehen. Das Geld könne einfach überwiesen werden.

GoButler ist ein digitaler Butler-Service, ein Geschäftsmodell, das in Deutschland erst seit wenigen Monaten an Fahrt gewinnt. Gleich mehrere deutsche Start-ups buhlen um die Position des Platzhirschen – allen voran Hadzaads Jungunternehmen. Die Firma wurde im Februar in einer Wohngemeinschaft in Berlin gegründet, am 6. März ist der Dienst online gegangen. Neben Navid Hadzaad sind Jens Urbaniak und Maximilian Deilmann Gründer. Sie starteten nach wenigen Tagen die erste Seed-Finanzierungsrunde, zogen aus der WG in ein Büro und holten Fernsehsternchen Joko Winterscheidt in die Geschäftsführung.

Alle drei Gründer hatten vorher bei der Start-up-Schmiede Rocket Internet gearbeitet, das sei ein Vorteil gegenüber ihren Konkurrenten gewesen, meint Navid Hadzaad: „Wir haben bereits erfolgreich an diversen Start-ups gearbeitet. Wir wussten also, was für den Start von GoButler wichtig sein wird  und wie wir skalieren müssen.“ Mit „skalieren“ meint Hadzaad die Größenordnung des Firmenwachstums einzuschätzen, abhängig von Konzept und Kapital. Die Samwer-Brüder sind dafür bekannt, bei Start-ups auf schnelles Wachstum Wert zu legen.

Inzwischen hat GoButler 50.000 Kunden in Deutschland. Laut eigenen Angaben seien „so gut wie alle“ im Mai aktiv gewesen. Aktuell ist das Start-up in 13 Ländern vertreten, von den 120 Mitarbeitern sind 60 in New York tätig. Das Büro dort wurde Mitte April eröffnet. Teilweise bearbeitet ein Agent, wie Hadzaad seine Butler nennt, 20 Anfragen pro Stunde. „Mit diesem Erfolg haben wir natürlich trotzdem nicht von Anfang an gerechnet“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Auf die Frage, warum er und seine Mitgründer sich nicht erst einmal auf Deutschland konzentrieren wollten, sagt er: „Wir wollten GoButler von Anfang groß machen. Es ist eine Philosophiesache, ob man die Risiken solchen schnellen Wachstums auf sich nimmt.“

Doch, wie ist dieser wachsende Hype zu erklären? Bei Hadzaads Start-up sind es mehr als 300.000 Anfragen seit März und 75.000 aktive Nutzer weltweit. Haben die Menschen bloß darauf gewartet, einen Butler per SMS herumzukommandieren? Angenommen, der Arbeitstag ist stressig, man hat keine Zeit, zu telefonieren – trotzdem braucht man dringend einen Zahnarzttermin. Per SMS schickt man die Kontaktdaten von seinem Arzt an den Butler sowie mögliche Tage und Uhrzeiten für die Behandlung. Und schon hat man (sogleich) einen Termin.

Für einen Termin oder eine Recherche muss der Kunde bei GoButler nichts bezahlen. „Der Nutzer trägt nur die tatsächlich anfallenden Kosten. Wenn wir also zum Beispiel einen Flug oder eine Bahnfahrt buchen, dann zahlt der Nutzer den gleichen Preis, den er bezahlen würde, wenn er diese Buchung selbst vornehmen würde.“, sagt Navid Hadzaad. Bezahlen könne er per Paypal und Kreditkarte. Umsatz generiere das Start-up mit Affiliate Marketing, einem Provisionsmodell. Dabei erhält GoButler einen prozentualen Anteil an dem Ertrag der gebuchten Fahrt oder des bestellen Essens, zum Beispiel von Lieferheld. Meist liegt der Anteil zwischen acht und zehn Prozent.

Bei Magic, dem US-Vorbild von GoButler, das kurz vor dem Berliner Start online gegangen ist, zahlt der Kunde einen Aufpreis von bis zu 20 Prozent. Ansonsten gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen GoButler und dem Concierge-Service aus Übersee. Deshalb wird Hadzaad und Co. immer wieder vorgeworfen, das Unternehmen „kopiert“ zu haben. „Magic war nicht das erste Startup, das diesen Dienst angeboten hat. Versuche gab es in den letzten Jahren immer wieder“, sagt Hadzaad dazu.

Kommentare zu " Digitale Concierge-Services: Der Butler per SMS"

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  • Und die nächste Datensammelrake.

    Das Ganze ist vielleiht für Hoelzimmer zu gebrauchen, aber auf keine Fall für Arzttermine.

    Meine Meinung:
    Bevor man mögliche Termine in eine SMS packt, die Arztdaten noch dazu, hat man schon dreimal selbst angerufen und einen Termin vereinbart.
    Bei Arzdaten läßt sich schnell eine Übersicht über die mögliche Gesundheit des Betroffenen zusammenstellen. Was man mit solchen Daten anfangen kann, das kann sich jetzt jeder selber ausmalen, der Pantasie eine Grenzen gesezt.

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