Digitale Medizin
Telekom will im Gesundheitsmarkt Millionen verdienen

Einen dreistelligen Millionenumsatz erwartet die Telekom vom Geschäft mit der Gesundheit. Andere europäische Telekomkonzerne verdienen ebenfalls immer mehr mit digitalen Angeboten für Ärzte und Patienten.
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Frankfurt Digitale Krankenakten im Ipad, Blutdruckmessung via Handy, mobile Herzschrittmacher-Überwachung - Telekomkonzerne drängen in den Gesundheitsmarkt. Für die Deutsche Telekom gehört er zu vier neuen Wachstumsbereichen neben Internet im Auto, intelligenten Stromnetzen, und einem digitalen Medien-Kiosk, mit denen die Telekom bis 2015 rund eine Milliarde Euro Umsatz erreichen will. Der Gesundheitsbereich soll laut Axel Wehmeier, Leiter dieses Konzerngeschäftsfeldes, einen dreistelligen Millionenbetrag dazu beitragen.

Ebenso wie der deutsche Marktführer tummeln sich auch die spanische Telefónica, France Télécom und Vodafone auf dem wachsenden Gesundheitsmarkt. Netzausrüster Ericsson entwickelt vor allem Dienste für chronisch Kranke, denen eine genaue Überwachung von Körperfunktionen ein Leben zuhause ermöglichen soll. So zeichnet etwa ein Brustgurt das EKG auf und überträgt es per Funk an den Arzt, ein Clip am Finger macht dasselbe mit dem Puls. Der Arzt kann so bei verschlechterten Werten sofort einschreiten.

Das Wachstumspotenzial für Informations- und Telekommunikationstechnik im deutschen Gesundheitswesen ist groß. Die Branche hat hohen Nachholbedarf. Allein im Bereich Software und IT-Services erwartet das Münchner Marktforschungsunternehmen Pierre Audoin Consultants in den nächsten drei Jahren ein durchschnittliches Wachstum der Investitionen von rund acht Prozent auf dann 1,7 Milliarden Euro.

Großen Modernisierungbedarf gibt es nach Ansicht des Branchenverbandes Bitkom vor allem im Informationsaustausch zwischen Versicherungen, Krankenhäusern und Ärzten. Erst seit diesem Jahr etwa ist die Online-Abrechnung für Ärzte am Quartalsende Pflicht. Bislang wurden CDs verschickt.

Deutschland ist nicht das einzige Land, in dem digitale Gesundheitsangebote boomen. Die EU-Kommission geht davon aus, dass der so genannte E-Health-Markt in Europa in den nächsten drei Jahren jeweils um rund elf Prozent wächst - von derzeit rund 25 auf dann knapp 38 Milliarden Euro.

Nach Ansicht von Wehmeier wird auch der elektronische Datenaustausch von Patientendokumenten demnächst zum Alltag im deutschen Gesundheitssystem gehören. Röntgenbilder, Laborberichte, Befunde und andere Dokumente werden dann elektronisch zwischen Ärzten und ausgetauscht.

Jüngste Idee unter den Dutzenden Projekten, die die Telekom mit Partnern angestoßen hat, ist das Ipad im Krankenhauseinsatz. Auf dem so genannten Checkpad Med sollen die Ärzte jederzeit auf die digitalen Krankenakten ihrer Patienten zugreifen können.

Bereits seit 2007 testet die Telekom in der T-City Friedrichshafen Zukunftsprojekte, auch für den Gesundheitsbereich. Die Ärzte des Brustzentrums beispielsweise treffen sich zur wöchentlichen Besprechung der Patientenbehandlungen online auf der so genannten Tumorkonferenz. Mit Patienten testet die Telekom die Mobile Visite - das Arztgespräch via Fernseher, Set-Top-Box und Breitbandanschluss.

Perspektivisch sieht Telekom-Manager Wehmeier große Wachstumschancen in speziellen Angeboten für den Endkunden, den Patienten. "Die Bereitschaft der Menschen für ihre Gesundheit selbst zu zahlen, steigt", sagt Wehmeier. Diabetiker beispielsweise können mittlerweile ihre Blutzuckerwerte via Smartphone an den Hausarzt schicken. Die nötige Ausrüstung vom Teststreifen bis zum Messaufsatz verkauft die Deutsche Telekom demnächst in ihren T-Punkten.

Trotz aller Wachstumsmöglichkeiten gibt es aber noch zahlreiche Stolpersteine. Zum einen fehlt ein Standard, der dafür sorgt, dass die vielen unterschiedlichen Geräte miteinander kommunizieren. Zum anderen sind Angebote wie die mobile Visite noch gar nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen verankert und können deshalb auch nicht abgerechnet werden.

Und selbst wenn die Telekom-Konzerne davon ausgehen, dass ihre telemedizinischen Lösungen dazu beitragen, die Kostenexplosion im Gesundheitswesen abzumildern, ist eine Frage noch nicht geklärt: Wie groß der Effizienzgewinn der vernetzten Gesundheits-Lösungen tatsächlich ist.

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