Diskussion um Rückzug der ARD beim Münchener Filmkonzern
Druck auf Umbau der Bavaria wächst

Die Bavaria Film AG muss nach dem Aufdecken illegaler Schleichwerbung mit weitreichenden Konsequenzen rechnen. Medienexperten fordern bereits ein Ende des Expansionsdranges der ARD-Tochter und ihren Umbau.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. „Die ARD-Anstalten sind gut beraten, sich bei der Vielzahl ihrer Produktionsfirmen ein Stück zurückzunehmen“, sagte der Chef der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, Martin Stadelmaier, dem Handelsblatt. Er ist ein Vertrauter des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD), dem Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder.

Bavaria ist mehrheitlich im Besitz der vier ARD-Anstalten Westdeutscher Rundfunk (WDR), Bayerischer Rundfunk (BR), Südwestrundrunk (SWR) und Mitteldeutscher Rundfunk (MDR). In Branchenkreisen heißt es, die zuletzt kräftig ausgeweiteten Aktivitäten der Bavaria würden nun sehr genau unter die Lupe genommen.

Der Filmkonzern verfügt über mehr als zwei dutzend Tochterfirmen. Dazu zählen die Odeon Film AG und der Bild- und Tonbearbeiter Cinemedia AG, den die Bavaria zusammen mit dem Filmhändler Herbert Kloiber betreibt. Beide Firmen sind börsennotiert.

Bavaria-Konkurrenten fordern ebenfalls einen Rückzug der ARD. „Steigen die gebührenfinanzierten Anteilseigner bei der Bavaria aus, gibt es endlich die Chance auf einem fairen Wettbewerb“, sagt ein langjähriger TV-Produzent. „Bavaria-Chef Kleine hat viel zu viel in Angriff genommen, das stößt in der Branche vielen sauer auf“, sagte ein anderer Produzent, der ebenfalls nicht mit Namen zitiert werden will. Öffentlich will sich kaum ein Fernsehproduzent äußern, denn die Bavaria könnte für fast jede Firma eines Tages zum Kunden oder Kooperationspartner werden.

Die Bavaria ist wegen unerlaubter Schleichwerbung in den ARD-Serien „Marienhof“, „In aller Freundschaft“ und „Tatort“ ins Gerede gekommen. Am Freitag wurde Bavaria-Geschäftsführer Thilo Kleine beurlaubt. Es ist nicht der einzige Skandal, der die ARD derzeit erschüttert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Unregelmäßigkeiten in der Sportberichterstattung beim Hessischen Rundfunk (HR) und MDR rund um den inhaftierten Ex-HR-Sportchef Jürgen Emig und den MDR-Kollegen Wilfried Mohren.

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