Disney soll aufgespalten werden
Investoren fordern Kurswechsel von US-Medienkonzernen

Der US-Medienkonzern Time Warner bekommt derzeit ungewohnten Rückenwind von der Börse. Dümpelte das Papier sonst auf dem kläglichen Niveau des Jahres 2002 herum, stieg das Handelsvolumen vergangene Woche zeitweilig auf mehr als 50 Millionen Stück. Der Kurs stieg innerhalb von drei Tagen um fast sechs Prozent.

tor NEW YORK. Grund für diesen plötzlichen Auftrieb sind Spekulationen, der amerikanische Großinvestor Carl Icahn könnte zusammen mit anderen institutionellen Anlegern den Medienkonzern zu einem radikalen Kurswechsel zwingen. Mit einem Aktienrückkauf von 15 Mrd. Dollar und der Abspaltung mehrerer Unternehmensteile, so verlautete aus Kreisen um den als aggressiven „Raider“ bekannten Icahn, könne Time Warner den Wert seiner Aktie von zuletzt 18,24 Dollar auf 27 Dollar steigern. Das würde den Marktwert des Konzerns um rund 46 Prozent heben.

Der Druck von Icahn auf Time Warner offenbart einen Trend, der alle großen Medienkonzerne in den USA erfasst hat. Viacom-Chef Sumner Redstone hat bereits seinen Konzern in zwei Teile zerlegt. Der Musiksender MTV sowie die Paramount Filmstudios fahren demnächst getrennt von dem weniger wachstumsstarken Geschäft rund um den TV-Sender CBS. Rupert Murdoch wehrt sich heftig gegen Versuche, sein Unternehmen News Corp. aufzuspalten. Gerade erst hat er seine Abwehrmaßnahmen gegen eine unerwünschte Einflussnahme des Großinvestors John Malone verstärkt. Doch auch Murdoch erkennt den Veränderungsdruck und will in den nächsten Jahren kräftig in das stark wachsende Internet-Geschäft investieren.

Vor ähnlichen Problemen steht auch der neue Disney-Chef Robert Iger. Der Unterhaltungskonzern wurde in der Vergangenheit immer wieder mit Forderungen konfrontiert, die Vergnügungsparks und die TV-Kette ABC abzustoßen. Und auch für Time-Warner-Chef Dick Parsons sind die Ideen von Icahn nicht neu. Der größte US-Medienkonzern hat sich bereits von seinem Musikgeschäft getrennt und offen über eine Abspaltung seiner Kabelaktivitäten nachgedacht. Auch der Onlinedienst AOL stand in den vergangenen Jahren immer wieder zur Disposition.

„Alle Medienkonzerne stehen vor der Frage, wie sie in einem reifen Markt schneller wachsen können“, sagt Medienanalyst Harold Vogel. Groß sei die Frustration der Wall Street über die Branche, schreibt Jessica Reif Cohen, Analystin beim Investmenthaus Merrill Lynch.

Um dem zu begegnen haben die Unternehmen zum Teil recht abrupte Strategiewechsel vollzogen. Nach dem Platzen der Internetblase verloren sie zunächst den Glauben an das neue Medium und konzentrierten sich wieder auf ihr klassisches Geschäft mit Print-, TV- und Radioprodukten. Nachdem sich inzwischen die Erkenntnis durchsetzte, dass die Wachstumsraten in diesen Bereichen begrenzt sind und das Internet für Werbung und Vertrieb von Medien eine Wiederauferstehung erlebte, reißen die Manager das Steuer erneut herum. Die Internet-Euphorie von Murdoch ist dafür das deutlichste Signal.

Dass institutionelle Investoren wie Hedge Funds für den größten Veränderungsdruck sorgen, gehört zum neuen Aktivismus der Großanleger in den USA. Darauf setzt auch Carl Icahn. Er selbst besitzt nicht einmal ein Prozent der Time-Warner-Aktien. Aber zusammen mit gleichgesinnten Aktionären könnte er den Medienkoloss auf Trab bringen.

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