Diversity-Debatte in der Tech-Industrie
Weiß, männlich, Silicon Valley

Google, Apple & Facebook wollen die Zukunft der Menschheit konstruieren. Ihre Macher stammen aus einer erstaunlich homogenen Mittelschicht. Frauen und Afro-Amerikaner sind in den Tech-Firmen unterrepräsentiert. Warum?
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San FranciscoWenn sie wütend werden will, muss sich Nnena Ukuku nur an die Geschichte in dieser Bar erinnern. Wie die weiße Frau ihr den letzten Hocker wegschnappen wollte und sie, die schwarze Kontrahentin, reflexartig zugriff. Wie die andere verärgert auf sie einredete. Das habe sie ja noch nie erlebt, so eine Frechheit, Ukuku solle jetzt endlich den verdammten Stuhl loslassen. Und wie sie selbst immer verbissener wurde und so lange um ihren Platz kämpfte, bis sie den blöden Hocker am Ende behalten durfte.

Es gab im Leben der Jurastudentin aus Atlanta viele solcher kleinen und größeren Diskriminierungen. Aber im Silicon Valley, dem Tal der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten, hätte sie damit nicht mehr gerechnet. Die digitale Industrie war für die junge Frau, deren Eltern aus Nigeria stammen, die Neuauflage des amerikanischen Traums. Dort wird fröhlich an der Welt von übermorgen experimentiert, dachte sie.

Dort sind Karrieren vom Tellerwäscher zum Tech-Millionär noch immer möglich. Eine multikulturelle Spielwiese. Wer sich richtig anstrengt, so das Versprechen der US-Westküste, der schmiedet innerhalb von ein paar Jahren aus der Garagenfirma einen globalen Konzern. Die Nerds von heute sind die Stars von morgen. Alle starten mit den gleichen Chancen.

Aber ausgerechnet hier, wo doch die Zukunft erfunden werden soll, herrscht eine erstaunlich homogene Truppe: weiß, männlich, Mittelklasse. Farbige haben es dagegen ebenso schwer wie Frauen. Das Urteil der jungen Juristin Ukuku: „Das Einzige, was schlimmer ist, als eine Frau in der Technologiewelt zu sein, ist es, dort eine schwarze Frau zu sein.“

Die Atmosphäre in vielen Start-ups sei frauenfeindlich, schwarze Gründer würden von Investoren oft gar nicht ernst genommen. „Und wenn ich mich wehre, stecken sie mich in die Schublade ‚wütende schwarze Frau‘.“ Ukuku gewann den Kampf. Heute berät die Juristin und Investorin Firmen im Start-up-Bezirk „South of Market“. Aber an den geradezu mittelalterlichen Verhältnissen an der Wiege der Menschheit 2.0 ändert das nichts.

Frauen bilden eine krasse Minderheit, Afroamerikaner sind vor allem beim Abwasch in der Restaurantküche anzutreffen. Kaum ein Drittel der Belegschaft in den Firmen ist weiblich, bei den Programmierer-Jobs halbiert sich diese Summe erneut. Noch weit geringer ist mit nur einem Prozent der Anteil schwarzer Tech-Mitarbeiter.

Kommentare zu " Diversity-Debatte in der Tech-Industrie: Weiß, männlich, Silicon Valley"

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  • @ Herr San Yukon13.11.2015, 18:54 Uhr
    „Jede Firma sucht sich die besten Mitarbeiter aus, oder würden sie eine Putzfrau einstellen die blind ist aber eine Farbige ist?“
    Nö, würde ich nicht. Ich würde nur versuchen, den besten Mitarbeiter herauszufinden.

    OHNE mich dabei in meiner Auswahl an geeigneten Kandidaten durch ebenso dämliche wie überflüssige und engstirnige Vorurteile einschränken zu lassen.

  • "...Jurastudentin aus Atlanta ... Kaum ein Drittel der Belegschaft in den Firmen ist weiblich, bei den Programmierer-Jobs halbiert sich diese Summe erneut. Noch weit geringer ist mit nur einem Prozent der Anteil schwarzer Tech-Mitarbeiter."
    Fuer Programmierer-Jobs werden meistens Programmierer eingestellt, keine Juristen. Fuer Jura-Jobs werden meisten Juristen eingestellt und keine Programmierer. Da steckt System hinter, ist gar nicht so schwer zu begreifen.
    Das die meisten Programmierer Weisse sind stimmt allerdings nicht. Ich wuerde mal sagen 90% maennlich, 30% Weisse, 30% Inder, 30% Chinesen und 10% sonstige.

  • Der Grund ist einfach: In Silicon Valley arbeiten zum allergrößten Teil totale technische Nerds, und das sind nun mal häuptsächlich Männer. Allerdings - wie im Artikel auch gesagt, nicht nur "caucasians", sondern auch Asiaten, Inder usw. Jemand mit normaler sozialer Kompetenz und Verhalten, also meist Frauen, passt in diese "spezielle" Gesellschaft nicht so gut rein.

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