Internationale Konkurrenten haben ehrgeizigere Pläne. So hat France Télécom im April angekündigt, die finnisch-schwedische Telia Sonera übernehmen zu wollen. Die spanische Telefónica hatte sich zuvor bereits einen Anteil an Telecom Italia gesichert - der erste Schritt zu einer Komplettübernahme des italienischen Konkurrenten. Die Konsolidierung der europäischen Telekombranche hat begonnen. Und wer zu lange wartet, läuft Gefahr, leer auszugehen.
So einfach ist die Sache für Obermann aber nicht. Offenbar gibt es eine Debatte unter den Aktionären, wie sinnvoll ein Milliardendeal jetzt wirklich wäre, und das schränkt Obermanns Handlungsspielraum ein. Nach Informationen aus Regierungskreisen drängt der Bund auf einen größeren Zukauf, damit die Telekom in der europäischen Konsolidierung der Branche nicht ins Hintertreffen gerät. Die übrigen Aktionäre fürchten jedoch, dass eine teure Übernahme den Aktienkurs - zumindest kurzfristig - weiter drücken könnte. Die Sorge ist nicht unbegründet: Als France Télécom ihr Interesse an Telia Sonera bekanntgab, sank der Kurs der Franzosen um mehr als zehn Prozent.
Eine ähnliche Reaktion der T-Aktie auf Expansionspläne der Telekom ist ein Horrorszenario für René Obermann. Schließlich hat er sein Schicksal an der Spitze der Telekom an die Entwicklung des Aktienkurses gekoppelt. "Meine Mission wäre gescheitert", sagte er im Herbst vergangenen Jahres, "wenn die T-Aktie keinen Anschluss an die Kursentwicklung vergleichbarer Wettbewerber" fände.
Davon ist das Unternehmen weit entfernt. Der Aktienkurs dümpelt zwischen 11 und 12 Euro. Das ist deutlich unter den 13,50 Euro bei Obermanns Antritt im Herbst 2006 und schlechter als der Branchenindex.
Anfang des Jahres ist offenbar ein etwas kühnerer Übernahmeplan der Telekom gescheitert, der möglicherweise die Fantasie der Anleger beflügelt hätte. Nach Angaben aus dem Umfeld des Konzerns stand Obermann kurz davor, die ägyptische Orascom Telecom zu kaufen. Das Unternehmen ist an der Börse knapp elf Milliarden Euro wert und in Italien sowie in Schwellenländern im Nahen Osten und Afrika vertreten.
Man habe sich bereits auf einen Preis geeinigt, heißt es. Doch dann kam der "schwarze Freitag" - der 18. Januar, der alle Telekomwerte in Europa auf Talfahrt schickte. Unter den neuen Vorzeichen sei der Deal, der teilweise mit Aktien finanziert werden sollte, zu teuer, entschieden die Finanzstrategen der Telekom.
Ganz vom Tisch sei die Option aber noch nicht. Das Pikante an der Geschichte: Ex-Telekom-Chef Ron Sommer berät die Orascom-Mutter Weather Investment.
Offiziell will sich die Telekom zu Orascom nicht äußern, genauso wenig wie zu ihren grundsätzlichen Auslandsplänen. "Ich halte nichts von lauten Tönen", erklärte Obermann seinen Spitzenkräften in einer Sitzung Anfang vergangener Woche. "Während die anderen spekulieren", so Obermann weiter, "machen wir die Deals."
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