Gleichzeitig gab er jedoch die Parole aus, bei Akquisitionen Vorsicht walten zu lassen. Das Kerngeschäft des Konzerns sei immer noch zu einem Großteil Deutschland. "Im deutschen Markt verdienen wir solides Geld, das wir nicht nur der Mode wegen in pauschalen und oftmals wenig fundierten Emerging-Markets-Fantasien verplanen werden."
Wo bleibt da die mitreißende Vision? Eine überzeugende Perspektive? Bei diesem Thema kann Obermann richtig wütend und ärgerlich werden. "Wer uns Fantasielosigkeit unterstellen will - dem kann ich nur sagen: Nicht Abenteurer sind gefragt, sondern mutige Kaufleute mit klarem Blick für das wirtschaftlich Sinnvolle."
Den Anlegern ist das jedoch zu wenig. "Mir wäre es wichtig, dass Obermann konkrete Ziele formuliert, wo er mittel- bis langfristig denn hinwill", sagt Andreas Mark von Union Investment. "Wenn ich keine Strategie bekanntgebe, stellt man sich schon die Frage, ob überhaupt eine vorhanden ist."
Doch die Truppe um Obermann schweigt weiter - auch vor knapp zwei Wochen, als das Gerücht aufkam, die Telekom wolle die US-Mobilfunkgesellschaft Sprint kaufen. Diese Aktion wäre wegen unterschiedlicher Technologien der beiden Mobilfunknetze hoch riskant. Deshalb ist sie wahrscheinlich nichts für den konservativen Obermann. "Wenn diese Nummer nicht sofort ans Laufen kommt, fliegt ihm der ganze Laden um die Ohren", sagt ein Kenner des Konzerns.
So ist es bereits Obermanns Vorvorgänger Ron Sommer ergangen. Der kaufte im Sommer 2000 den US-Mobilfunker Voicestream für 50 Milliarden Euro inklusive Schulden. Im Nachhinein eine gute Entscheidung, denn das US-Geschäft ist heute die wichtigste Säule des Konzerns. Damals fiel das Urteil aber anders aus: Die Telekom habe Voicestream überteuert gekauft und dadurch die Konzernschulden ins Unverantwortliche gesteigert. Am Ende führte das zu Sommers Abgang. Eine solche Situation wolle man vermeiden. "Da will keiner mehr hin", sagt ein hochrangiger Telekom-Manager.
Möglicherweise fehlt Obermann und seiner Führungsmannschaft, die er beim Amtsantritt fast komplett ausgetauscht hat, aber auch die Erfahrung mit Zukäufen. Das zeigt sich derzeit bei den Verhandlungen über den Einstieg des Konzerns bei der griechischen OTE. Mehrmals standen die Gespräche bereits kurz vor dem Scheitern.
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