Auch den Zeitpunkt des Einstiegs halten Analysten für schlecht gewählt: Wenige Tage nachdem die Telekom einen Preis für OTE bekanntgegeben hatte, veröffentlichte das griechische Unternehmen schwache Quartalszahlen, und der Kurs der T-Aktie rutschte in den Keller. "Da hat sich die Telekom über den Tisch ziehen lassen", sagt ein Analyst.
In Bonn verteidigt man die Aktion: Man habe schnell handeln müssen, weil auch die französische Vivendi bei OTE einsteigen wollte.
Trotz der fehlenden Wachstumsstrategie - eine Alternative zu Obermann gibt es bislang wohl nicht. Stattdessen Lob und wortreiche Beteuerungen: Man halte an ihm fest. "Obermann hat unser vollstes Vertrauen", heißt es in der Spitze des Finanzministeriums. Selbst der Finanzinvestor Blackstone überschüttet ihn mit Komplimenten, obwohl er mit seinem Telekom-Engagement bislang im Minus ist. "Obermann ist einer der besten Vorstandschefs, die wir in unseren 50 Portfolio-Unternehmen haben", sagt Lawrence Guffey, der für Blackstone im Telekom-Aufsichtsrat sitzt.
Sogar die Arbeitnehmer äußern sich zufrieden - und das, obwohl Obermann im Sommer 2007 mehr als 45 000 Mitarbeiter in eine neue Service-Einheit ausgliederte, wo sie für weniger Geld länger arbeiten. "Die Mitarbeiter schöpfen unter seiner Führung mehr Hoffnung als unter seinem Vorgänger Kai-Uwe Ricke", sagt Betriebsratschef Wilhelm Wegner.
Ob es Obermann bei der morgigen Hauptversammlung auch gelingt, die Kritik der Kleinaktionäre im Keim zu ersticken? Ob er vielleicht doch mehr als nur eine schemenhafte Auslandsstrategie vorweisen kann?
So schwer dürfte es ihm nicht fallen, denn erst jüngst hat er mal wieder die Erfahrung gemacht: Weit weg vom Heimatmarkt ist so manches viel einfacher. "Die Amerikaner finden es toll, dass die Telekom ihre Krankenversicherung bezahlt", berichtete er einem engen Vertrauten nach einer Reise zu der US-Tochter der Telekom vor vier Wochen. "In Deutschland klagen die Mitarbeiter dagegen über fehlende Dächer über den Fahrradständern."
Mitarbeit: Sven Afhüppe

