Doping
Heftige Vorwürfe gegen die Telekom

Die Telekom soll vom Doping ihres Rennradteams „Team Telekom“ gewusst haben. Das behauptet der Sportwissenschaftler Andreas Singler. Der Konzern wehrt sich gegen die Vorwürfe, doch der Singler bleibt bei seiner Meinung.

BerlinDer Vorfall ist einer der unerfreulichen in der Historie der Deutschen Telekom: 2007 wurde bekannt, dass das von ihr gesponserte Radrennteam „Team Telekom“ rund um den beliebten Radler Jan Ulrich gedopt hat. Der Konzern stoppte das Sponsoring. Eine Kommission untersuchte, welche Rolle Ärzte des Teams der Universität Freiburg gespielt hatten und welche die Telekom. Sie kam zu dem Ergebnis, dass die Bonner nichts davon gewusst haben.

Dieser Bescheinigung widerspricht nun einer, der früher selber mit in dieser Kommission gesessen hat: Andreas Singler. Der Sportwissenschaftler hat ein Gutachten veröffentlicht, in dem er erklärt: „Vieles, wenn nicht alles, deutet darauf hin, dass das Unternehmen vom Doping der Fahrer wusste“. Die Telekom weist den Vorwurf als „absurd“ zurück. Man habe sich damals bewusst dazu entschieden, die Betreuung des Teams nicht einen Arzt vornehmen zu lassen, der von diesem bezahlt wird, erklärt ein Unternehmenssprechern. Stattdessen haben man das zu dieser Zeit renommierteste deutsche Universitätsklinik als unabhängigen Kontrolleur engagiert.

Hätte der Konzern vom Doping gewusst, würde das im Umkehrschluss bedeuten, er hätte 1991 von den kriminellen Machenschaften der Freiburger Klinik gewusst, so der Sprecher weiter. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt Wissenschaftler Singler jedoch: „Dass die Telekom meine Ergebnisse für absurd hält, war erwartbares Feedback. Sie tut es mit denselben Argumenten, die im Gutachten schon dekonstruiert wurden.“

Ihm gehe es auch nicht darum, der Telekom zu schaden, sagt er: „Mir geht es darum, den Sachverhalt aufzuklären“, betont Singler. Warum er dies nicht in seiner Zeit als Mitglied der Expertenkommission tat, aus der er Mitte des vergangenen Jahres ausschied, erklärt er damit, dass dessen Fokus aus seiner Sicht zu eng gewesen sei: „Das Problem geht tiefer, als die Expertenkommission es damals untersucht hat.“ Man habe längere Zeiträume untersuchen müssen, um auch die Gründe für das Doping zu verstehen und warum es damals niemand gemeldet hat.

2014 seien zudem erstmals Ermittlungsakten aus dem Verfahren gegen zwei beschuldigte Ärzte Andreas Schmid und Lothar Heinrich zugänglich gewesen. Dadurch habe er neue Erkenntnisse gewinnen können. Er kommt auf zu dem Ergebnis: „Das Gesamtverhalten der Telekom zeigt: Es gab keine einzige Maßnahme, die überzeugend darauf hindeuten würde, dass man Doping hätte verhindern wollen. Es gab aber sehr viele Einzelvorkommnisse, die Anlass zu Misstrauen geben.“

Die Telekom hatte seit 1991 einen Rennstall unterstützt, der den Namen „Team Telekom“ trug. Laut Singler haben Vorstände einen „wahnsinnigen Leistungsdruck auf das Team ausgeübt.“ 2003 wurden die Rennradler in „Team T-Mobile“ umbenannt. Bekannteste Mitglieder sind der deutsche Tour-de-France-Gewinner Jan Ullrich (1997) und der sechsfache Gewinner des Grünen Tour-Trikots, Erik Zabel. 2007 war es aufgelöst worden, nachdem der ehemalige Masseur der Mannschaft, Jef D’hont, der Mannschaft organisiertes Doping unterstellte und Mitglieder dieses gestanden.

Singler räumt jedoch ein, dass in seinem Gutachten „viele Einzelheiten aufgrund der dünnen Quellenlage nicht sicher aufgeklärt werden können“. Trotzdem sei es möglich, „ein Sittengemälde zu skizzieren“. Er stützt seine Behauptungen unter anderem auf Zeitzeugeninterviews, in Medien zitierte Aussagen der Protagonisten, Vernehmungsprotokolle der Staatsanwaltschaft sowie Briefwechsel.

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte. Sie erreichen sie unter: karabasz@handelsblatt.com
Ina Karabasz
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen & Märkte
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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