Dow Jones
Angriff zielt auch auf Microsoft und Google

Medienzar Rupert Murdoch greift nach der viertgrößten Webpräsenz für Wirtschafts- und Finanznachrichten in den USA. Das lässt weder Marktführer Yahoo Finance kalt, noch Microsoft. Und schon gar nicht den Webriesen Google.

DÜSSELDORF. Mit dem Übernahmeangebot für den Verlag Dow Jones greift Medienzar Rupert Murdoch auch nach der viertgrößten Webpräsenz für Wirtschafts- und Finanznachrichten in den USA. Eine Vorstellung, die weder Marktführer Yahoo Finance noch die Nummer zwei, Microsoft (MSN Money), kalt lassen kann. Und schon gar nicht den Webriesen Google, der mit seinem im März 2006 gestarteten finance.google.com abgeschlagen auf dem 20. Platz rangiert. Finanz-Webseiten gelten als lukrativ, da sie nach Untersuchungen von Beratungsfirmen wie Hitwise.com gut betuchte Web-Nutzer anziehen.

Schon gibt es Gerüchte, eines dieses Unternehmen könnte Murdochs News Corp. Dow Jones noch streitig machen. Mit den Webseiten rund um das „Wall Street Journal“ könnte etwa Google zur Spitzengruppe der Finanz-Community aufsteigen und eigene exklusive Inhalte anbieten, so wie Yahoo. Microsoft wiederum könnte im Verbund mit Dow Jones nicht nur Yahoo überholen, sondern auch wieder zur meistbesuchten Webseiten-Gruppe der Welt aufsteigen – ein Titel, den Google den Redmondern im April erstmals abnehmen konnte. Yahoo könnte als „weißer Ritter“ auftauchen und Anteile verkaufswilliger Familienmitglieder übernehmen, spekulieren andere Medien. Microsoft und Google wollen die Gerüchte nicht kommentieren.

Derzeit herrscht allerdings Waffenstillstand. Der Dow-Jones-Verwaltungsrat hat verkündet, man werde auf Murdochs Angebot von fünf Mrd. Dollar (3,7 Mrd Euro) erst einmal nicht reagieren, nachdem die Bancroft-Familie es mit ihrer 52-prozentigen Stimmenmehrheit zurückgewiesen habe. „Der Ball ist jetzt wieder bei Murdoch“, sagt ein Analyst.

Für die Betreiber der Finanz-Webseiten ist es schwer, ohne Übernahme Marktanteile zu erringen, da die Nutzer ihr Finanzportal selten wechseln, speziell dann, wenn sie dort ihr Wertpapierdepot verwalten. „Neueinsteiger haben es schwer, interessante neue Tools zu finden“, sagt Michael Schwetje, Vorstand des deutschen Marktführers Onvista.de. Onvista kooperiert mit dem Onlinebroker E-Trade und erwartet für 2007 ein Umsatzplus von 70 Prozent.

Besonders aufmerksam verfolgt die General-Electric-Tochter CNBC den Angriff Murdochs. Er plant einen Wirtschafts-TV-Kanal, der mit Dow Jones zusammen direkt in die Führungsgruppe vordringen dürfte, auch online. „Das ist fast wie ein déjà vu“, heißt auf CNBC.com in eigener Sache. 1991 wollte Dow Jones den CNBC-Konkurrenten FNN kaufen. GE legte ein Gegengebot vor, konnte sich per Gerichtsentscheid durchsetzen und FNN selber kaufen. „Das hat damals schlicht unsere Existenz gerettet“, heißt es. Diesmal dürfte das so wohl kaum wieder gelingen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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