Drastische Sparmaßnahmen
BBC-Journalisten drohen mit Streiks

Der britischen Senderkette BBC droht die schwerste Streikwelle ihrer Geschichte: Am Donnerstag morgen will Generaldirektor Mark Thomson in einer Videoansprache drastische Sparmaßnahmen verkünden. Grund ist die Haushaltslücke von zwei Milliarden Pfund, die Medienberichten zufolge eine Streichung von bis zu 2 800 Stellen nach sich ziehen könnte.

LONDON. Thomson, der eine neue Strategie für die BBC vorlegt, rechnet mit „blutigen Auseinandersetzungen“. Die Sprecherin der Rundfunkgewerkschaft Bectu sprach von „dramatischen Auswirkungen, vor allem im Bereich News“. „Wenn es Zwangsentlassungen gibt, werden wir streiken“, sagte Jeremy Dear, Chef der Journalistengewerkschaft NUJ.

Die BBC muss in den kommenden fünf Jahren um rund 25 Prozent abspecken und ein Etatloch von zwei Mrd. Pfund (umgerechnet knapp 2,9 Mrd. Euro) füllen. Aber umstritten ist vor allem, ob die BBC ihren bisherigen expansiven Kurs beibehalten kann und soll.

Sendeauftrag und Gebührenordnung haben Regierung und das BBC-Aufsichtsgremium, der BBC Trust, zuletzt 2006 festgelegt. Dabei wurden zum erstenmal statt der bisherigen an die Inflation gebundenen Gebührenerhöhungen feste Sätze vereinbart: Drei Prozent in den Jahren 2007 und 2008, dann drei Jahre lang nur zwei Prozent. Gebühreneinnahmen von jährlich 3,5 Mrd. Pfund machen etwa 75 Prozent des BBC-Budgets aus.

Für die BBC waren die ersten Regierungsperioden Tony Blairs fette Jahre mit Gebührenerhöhungen über der Inflationsrate. Damit sollte die BBC im Digitalzeitalter konkurrenzfähig bleiben. Sie übernahm nach dem Debakel des kommerziellen Projekts ITV Digital 2002 die Führung beim Ausbau des terrestrischen Digitalfernsehens und konnte damit ihren Expansionskurs rechtfertigen.

Aber die Vielzahl der Kanäle, oft mit einer schwindenden Zahl von Zuschauern, und der massive Ausbau des BBC-Online-Imperiums haben immer wieder Diskussionen um den öffentlich-rechtlichen Kernauftrag der BBC ausgelöst. Kritik gab es auch, als der Talkshow-Moderator Jonathan Ross einen Vertrag über 16 Mill. Pfund erhielt und journalistische Fehler aufgedeckt wurden – peinlicherweise sogar in einer Dokumentation über die Königin. Besonders die von Rupert Murdoch kontrollierte Presse stellt die BBC als einen kommerziellen Konkurrenten dar, der unfair aus einer „Zwangssteuer“ subventioniert wird – den jährlich 135 Pfund teueren Rundfunkgebühren.

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