Drehen, schieben, tatschen
Not macht PC-Hersteller erfinderisch

Die Computerhersteller sind so innovativ wie lange nicht mehr – aus purer Not: Weil Notebooks und PCs immer weniger gefragt sind, lassen sich Asus, Dell & Co. viel einfallen. Welche Geräte setzen sich durch?
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DüsseldorfDer Computermarkt ist umkämpft – wer da noch Aufmerksamkeit erregen will, muss sich etwas einfallen lassen. Das hatten wohl auch die Ingenieure von Asus im Sinn, als sie das Transformer Book Trio entwarfen: Das Gadget, das der taiwanische Hersteller diese Woche auf der Fachmesse Computex vorstellte, soll drei Geräte in einem vereinen. Der abnehmbare Bildschirm alleine ist ein Tablet-Computer mit dem Betriebssystem Android. Steckt man ihn auf die dazugehörige Tastatur, wird daraus ein Notebook mit Windows 8. Und mit einer Docking-Station wird er zum Schreibtisch-Rechner. Es sei das „innovativste Gerät auf dem Markt“, meinte Asus-Chef Jonney Shih.

Asus zeigte auf der Messe vielleicht das ungewöhnlichste, aber nicht das einzige Mischwesen – wie schon bei der Branchenschau CES im Januar waren Hybrid-Rechner der große Trend der Messe. Das hat seinen Grund: Der PC-Markt schrumpft, die Margen sind (außer bei Apple) niedrig. Dagegen boomen Smartphones und Tablet-Computer. Deswegen müssen sich Asus und Acer, Sony und Dell etwas einfallen lassen, um das Geschäft zu beleben. Apple und Samsung schwänzten den Branchentreff in Taiwan übrigens. Sie stellen ihre Produkte bei eigenen Veranstaltungen vor, um sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nicht mit anderen teilen zu müssen.

„Wir sind in einer Umbruchphase. Die vielen Innovationen sind ein Indikator dafür“, sagt Sebastian Paas, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Die Hersteller müssten herausfinden, welche Formate und Funktionen bei den Kunden ankommen, wie also die Computer der Zukunft aussehen.

Daher wird experimentiert, nicht nur bei Asus. Sony etwa zeigte auf der Computex das Vaio Duo 13, ein vollwertiges Notebook, dessen Touchscreen sich mit einem Schiebemechanismus ganz über die Tastatur legen lässt. Als das „Beste aus zwei Welten“ preist der Hersteller das Hybrid-Gerät an, das mit Preisen ab 1500 Euro allerdings kein Schnäppchen ist. Zwei-in-eins soll auch das XPS 11 von Dell bieten: Der Touchscreen des Notebooks lässt sich komplett umklappen, so dass am Ende ein Tablet-Computer auf dem Schoß liegt – ähnlich wie beim Ideapad Yoga von Lenovo.

Auch in den herkömmlich gestalteten Notebooks stecken heute viele Eigenschaften, die man von Tablet-Computern kennt. Auf der Messe warben die Hersteller mit ausdauernden Akkus, Touchscreens und handlicher Bedienung. Dagegen sind viele Tablet-Computer dank Tastatur und ansehnlicher Rechenleistung heute halbe PCs. Acer preist beispielsweise sein Iconia W3 als „einen vollwertigen Windows-PC in einer Hand“ an – es ist nur acht Zoll groß, soll sich aber dank passabler Rechenleistung und Docking-Station zum Notebook aufrüsten lassen.

„Die Grenze zwischen Smartphones, Tablets und Laptops verwischt zusehends“, beobachtet Experte Paas, bei KPMG zuständig für die Beratung von IT-Führungskräften. Der Ausgang dieser technischen Evolution sei ungewiss: „Welche Geräte sich durchsetzen, weiß man noch nicht genau.“

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  • Ich selbst habe ein Ipad ein Handy und eine Notebook (der PC wurde ausgemustert)

    Aber mit dem ipad kann man nicht wirklich (professionell) arbeiten. Office-Anwendungen sind eigentlich nur auf dem Notebook machbar und erst recht wenn es um Trading Anwendungen geht, möchte ich meinen 2-Bildschirm Arbeitsplatz mit Notebook und Zusatz Bildschirm nicht missen. Hinzu kommt, dass größere Datenmengen geht, komme ich um ein Notebook mit Zusatz Platte nicht herum.
    Das ipad ist mega optimal, wenn man unterwegs ist und sich die Anwendungen aufs Internet / email beschränkt. Und die früher übliche Kamera erübrigt sich auch fast immer (obwohl wir uns gerade eine neue Canon gekauft hatten). Das ipad ist wirklich ein Alles-Könner und eignet sich hervorragend selbst als Navi, Musik, Filme Notizbuch und Terminplaner. Besonders bei der Vernetzten Anwendung (Drucker, Scanner, Dateiaustausch, Terminplaner, Aufgabenplaner) ist das iPad echt der Hit. Wenn man ein iPad hat, spart man sich übrigens das Geld für ein modernes Tablet-Handy, denn ein Nokia Hnady, was Jahre alt ist und nur zum Telen und SMS eignet, reicht vollkommen.

    Ich selbst bin gespannt, wie der Trend hier generell weitergeht.

  • Touchscreen und handliche Bedienung schliessen sich aus. Sicher lässt sich die Daumentechnik optimieren, aber zum 10-Finger System bleibt die stets suboptimal.
    Hybridgeräte sind paradoxe Alleskönner, die alles viel schwieriger machen und mit jeder neuen Funktion exponentiell störanfälliger werden als das Monogerät. Gekoppelte Monogeräte erleichtern nicht nur die Fehlersuche im System, man braucht vor allem nicht alles wegzuwerfen bei einer Störung und kann den Monobaustein eventuell sogar reparieren. Der Preisvorteil eines Hybridgerätes ist nur scheinbar.

    Die Hersteller befinden sich in einer Sackgasse, ihr Untergang ist programmiert. Ich würde keinen Cent auf Apple setzen oder Microsoft oder google oder Dell - auf keinen Digitalanbieter.
    Die Klientel wird stets kleiner, die sich bei der Stange halten lässt mit kryptischen Kürzeln. Und für den "Schrauber" sind die unattraktiv, weil der Inhalt der Geräte aus einer einzigen Platine besteht. Und aufs Äussere können die Hersteller lange nicht mehr setzen. Ob man nun auf einer rosa Seife herumdrückt oder auf einer grünen, gehupft wie gesprungen. Die Softwaranwendungen haben dasselbe Problem. Neue Optionen, Funktionen, Features gibt es seit 30 Jahren nicht mehr. Die werden nur zerlegt in zwei Teile und machen die Software schwerer handhabbar.

    Wie sehr die Hersteller in der Sackgasse stecken, hat das Kachelwindows 8 gezeigt. Praktisch verkauft Microsoft nun wieder die Vorgängerversion mit noch mehr Ballast.
    Das einzige, was die hersteller als Verkaufsargument noch haben, ist das Wörtchen "neu". Doch seine Magie verblasst, denn nur, weil etwas neu ist, ist es nicht zwangsläufig gut.

  • +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte kommentieren Sie zum Thema, bleiben Sie sachlich und beachten Sie unsere Netiquette: www.handelsblatt.com/nettiquette +++

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