Drei Millionen Euro Sachleistungen
Reeder sponsert „Traumschiff“

In der Diskussion um illegales Product Placement gerät auch das ZDF in die Kritik. Wie das Handelsblatt aus Kreisen der schleswig-holsteinischen Reederei Peter Deilmann erfuhr, hat das Schifffahrtsunternehmen der Produktionsfirma der ZDF-Serie „Traumschiff“ Sachleistungen im Wert von rund drei Millionen Euro gewährt. Die Reederei ist Eigentümer des Traumschiffs „MS Deutschland“.

HB DÜSSELDORF/HAMBURG. Den Informationen zufolge durften die Filmcrew und die Schauspieler der Filmproduktion Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft mbH in den vergangenen 24 Jahren kostenlos logieren, speisen und drehen.

Wegen illegaler Product Placements stehen die öffentlich-rechtlichen Sender im Kreuzfeuer der Kritik. Verbotene Platzierungen bei der ARD hatten den Skandal angestoßen. Das ZDF jedoch gibt sich bisher gelassen. Die Mainzer sehen in der Kooperation mit Deilmann-Reederei kein juristisches Problem. „Bei uns sind nur unentgeltliche Sachleistungen bekannt“, sagt ein ZDF-Sprecher. „Die Beistellungen entsprechen unseren Richtlinien und werden ordnungsgemäß versteuert.“ Als Auftragsgeber trägt das ZDF die redaktionelle Verantwortung. Der zuständige Hauptredaktionsleiter Unterhaltung Claus Beling, der sich auch als Autor von Büchern wie „Eine Kreuzfahrt zu den Traumküchen der Welt“ einen Namen gemacht hat, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die ZDF-Erfolgsserie wird bei einer Tochter des Norddeutschen Rundfunks (NDR) produziert. Die Anstalt hält mittelbar über die NDR Media GmbH und die Studio Hamburg GmbH einen Anteil von 90 Prozent an der Produktionsgesellschaft Polyphon. „Weder Studio Hamburg noch der NDR haben aus der so genannten Beistellung von Übernachtungsplätzen und Verpflegung auf dem Kreuzfahrtschiff Einnahmen erzielt. Offenbar ist außer Sachleistungen kein Geld geflossen“, sagte ein Sprecher von Jobst Plog, NDR-Intendant und Aufsichtsratschef des Studio Hamburg. Die Reederei wollte sich zu den Vertragsinhalten mit dem ZDF-Fernsehproduzenten nicht äußern. „Es handelte sich um eine offene und transparente Kooperation“, so ein ZDF-Sprecher. Eine Ende der Partnerschaft ist nicht in Sicht. Den Vertrag mit dem ZDF hat die Reederei vor kurzem verlängert.

Seit 1981 fährt das „Traumschiff" für das ZDF über die Weltmeere und entführt die Zuschauer an die schönsten Plätze der Erde. Für die Reederei ist das Product Placement im harten umkämpften Kreuzfahrtmarkt das Rückgrat für das Deutschland-Geschäft. Denn die „MS Deutschland“ wird von der TV-Produktionsfirma Polyphon traumhaft ins Bild gesetzt.

Dies nutzt die Reederei, die seit dem Tod des Vaters von den Töchtern Gisa und Hedda Deilmann geleitet wird, auch für eigene Werbezwecke: Kreuzfahrt-Kunden beispielsweise können über die Internetseite ein Video bestellen, das die Vorzüge des Schiffs beleuchtet. Der Slogan: „Eine Reise mit dem neuen Fernseh-Traumschiff.“

Als der Produzent und „Traumschiff"-Erfinder Wolfgang Rademann zu seiner ersten TV-Kreuzfahrt am 22. November 1981 ins See stach, galt die gesponserte Form des Eskapismus nicht als problematisch. Wie die TV-Serie zur Welt des luxuriösen Reisens finanziert wurde, bewegte bis vor kurzem nur ein paar Fachleute. Das hat sich seit dem Skandal um verbotenes Product Placement bei der ARD-Serie „Marienhof“, produziert von einer Tochter der Bavaria Film, geändert. Nun wird der Skandal von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG aufgearbeitet. Ein Abschlussbericht soll im Juli vorgelegt werden. Die Bavaria ist eine Tochter des SWR, WDR und MDR.

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