Druck auf Filmverleiher wächst: Kinobranche steckt in tiefer Krise

Druck auf Filmverleiher wächst
Kinobranche steckt in tiefer Krise

Ob die Romanverfilmung „Das Parfüm“ oder knallharte Action im neuen James Bond „Casino Royal“ – trotz einer Reihe viel versprechender Streifen aus Deutschland und Hollywood steckt der deutsche Kinomarkt weiter in einer Krise.

HAMBURG/BERLIN. „2006 wird zur Nagelprobe für die Branche“, prognostiziert Bernd Schlötterer, Filmrechthändler bei der Tele-München-Gruppe (RTL 2, Tele 5, Cinemaxx, Concorde). Die deutsche Kinobranche erlebte 2005 das schwärzeste Jahr seit 1995. Die Besucherzahlen brachen um knapp 19 Prozent auf 127 Mill. Besucher ein. Der Umsatz sank von 892,9 Millionen Euro im Jahr 2004 auf 745 Millionen Euro, wie die Filmförderungsanstalt (FFA) am Mittwoch in Berlin mitteilte. Dennoch hofft Vorstand Peter Dinges 2006 auf eine Trendwende. „Ich gehe davon aus, dass der Besucherrückgang in diesem Jahr gestoppt ist“, sagte er dem Handelsblatt. Eine genaue Prognose will er allerdings nicht wagen. Denn Konsumzurückhaltung und hohe Arbeitlosenzahlen drücken auf die Stimmung der Kinobesucher. Zudem machen auch die DVDs der Filmtheaterbranche schwer zu schaffen. Denn der Abstand zwischen Kinostart und DVD-Verkauf wird immer kürzer. So startet der neue Film „Bubble“ des Regisseurs Steven Soderbergh in den USA gleichzeitig im Kino, als DVD und im TV. „Da wird man erst mal sehen müssen, wie das läuft. Das Kino hat schon öfters überlebt. Das wird auch diesmal der Fall sein“, sagt Berlinale-Chef Dieter Kosslick.

Der Einbruch bei den Besucherzahlen bringt die deutschen Filmtheaterbetreiber in finanzielle Bedrängnis: „Die Kinos leben von der Substanz“, meint Dinges. Viele Unternehmen haben deshalb den Eintrittspreis angehoben, um die Ertragslage weiter zu verbessern. So kletterte 2005 im Durchschnitt der Preis pro Ticket auf um 15 Cent auf 5,85 Euro.

Die beiden Multiplex-Betreiber Cinemaxx, Hamburg, und die Stuttgarter Kinopolis-Gruppe versuchten hingegen stärker Druck auf die Filmverleiher auszuüben, um die Gewinnsituation zu verbessern. Sie wollten eine gemeinsame Gesellschaft gründen, um von den internationalen Filmverleihern bessere Einkaufs-preiskonditionen zu erhalten. Doch das Bundeskartellamt hat, wie das Handelsblatt bereits gemeldet hatte, am Mittwoch den geplanten gemeinsamen Filmeinkauf unterbunden. Kartellamtssprecherin Irene Sewczyk erklärte, nach der Entscheidung des Amtes hätten die beiden Unternehmen auf das Vorhaben verzichtet.

Cinemaxx gehört mit 47 Kinocentern und 346 Leinwänden zu den führenden Multiplexanbietern in Deutschland. Die Kinopolis-Gruppe ist etwas kleiner mit 30 Kinos und 100 Leinwänden. Ein Sprecher von Kinopolis wollte sich zu den geplatzten Plänen allerdings nicht äußern.

Die CineStar-Gruppe und das österreichische Unternehmen Prime Cine Technologies versuchen die Branchenkrise durch eine neue Produktidee zu meistern. Sie eröffneten in Berlin das erste deutsche Kino mit Duft und Bewegung. So weht bei schnellen Fahrten auf der Leinwand den Kinobesuchern der Wind ins Gesicht, oder der ganze Sitz schwankt und vibriert.

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